SUSE Linux Enterprise Server

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SUSE Linux Enterprise Server
Bildschirmfoto
OS11.2-menu-dolphin.png
SUSE Linux 11 mit KDE 4.3
Basisdaten
Entwickler SUSE Linux GmbH
Aktuelle Version SUSE Linux Enterprise 12
(27. Oktober 2014)[1]
Abstammung GNU/Linux
↳ SLS
↳ Slackware
↳ Jurix
↳ SUSE Linux (4.2ff)
↳ openSUSE
↳ SLES
Architekturen AMD64, EM64T, IA-64, IBM Power, IBM System z
Lizenz GPL und andere Lizenzen
Website SUSE Linux Enterprise Server

SUSE Linux Enterprise Server (SLES) ist eine Linux-Distribution von SUSE, die speziell auf Unternehmenskunden ausgelegt ist.

Das Produkt ist mit einem entsprechenden Supportangebot und langjähriger Wartungsphase ausgestattet. Die für den unternehmenskritischen Einsatz notwendigen Hardware- und Softwarezertifizierungen spielen eine ebenso große Rolle.

Geschichte[Bearbeiten]

SLES wurde im Sommer und Herbst 2000 auf Basis von Suse Linux von einem sehr kleinen Team unter der Leitung von Marcus Kraft, Bernhard Kaindl und Joachim Schröder bei SuSE in Nürnberg entwickelt und wurde erstmals am 31. Oktober 2000 in einer Version für IBM-Großrechner (S/390) verfügbar.[2][3] Eine Vorabversion wurde bereits am 13. Juli 2000 veröffentlicht.[4] Im Dezember 2000 wurde mit dem in Schweden führenden Telekommunikationsanbieter Telia ein erster großer Kunde bekannt.[5] Im April 2001 folgte dann die SLES für die x86-Architektur,[6] die im Juli 2001 die notwendige Zertifizierung für den Einsatz von mySAP erlangte.[7]

Im 4. Quartal 2005 verkaufte Novell 65.000 Stand-Alone Subscriptions des Suse Linux Enterprise Server.[8]

Novells SUSE-Linux-Enterprise-Produkte basieren auf den Community-Arbeiten aus openSUSE, die mit Novells Unterstützung weiterentwickelt wurden.[9]

SUSE Linux Enterprise Desktop[Bearbeiten]

Mit SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) bekam SLES einen Zwilling im Desktop-Bereich, der parallel mit gleichem Konzept und selber Codebasis vertrieben wird. SLED und SLES werden zusammen auch als Suse Linux Enterprise (SLE) bezeichnet.[10] Parallel zu SLES 10 wechselt Novell auch für den Unternehmensdesktop auf die Verwendung der bekannten Marke SUSE und so heißt der Nachfolger des ehem. Novell Linux Desktop 9 (NLD) Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) 10.

Desktop-Umgebung[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde SLES mit dem auch in SUSE Linux verwendeten und sowohl viel gelobten als auch kritisierten Desktop-Theme Suse Keramik ausgeliefert, das über ein an das KDE-Theme Keramik angepasstes GNOME-Theme ein einheitliches Look & Feel für GNOME und KDE bietet.

Mit der Integration von SUSE in Novell dominiert jedoch nicht mehr KDE, sondern die von der zuvor von Novell gekauften Firma Ximian, in der die Gründer von GNOME vereinigt sind. Mit SLED 10 wurde bei der Installation nicht mehr gefragt, ob KDE oder GNOME als Desktop-Umgebung installiert werden soll. KDE konnte nur mehr als Pattern in der Softwareselektion ausgewählt werden. Seit SLED 11 kann wieder zwischen GNOME und KDE gewählt werden.

Multimedia[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Red Hat Enterprise Linux ist in einigen Programmen die Fähigkeit integriert, MP3s abzuspielen, jedoch nicht über einen von allen Programmen direkt verwendbaren mp3-Codec, sondern über die Verwendung von RealPlayer als Abspielsoftware im Hintergrund, beispielsweise bei Amarok.

Enterprise OS[Bearbeiten]

SLES ist ein Enterprise OS, also ein Betriebssystem, das auch auf die Bedürfnisse großer Firmen eingeht. Als Enterprise OS ist es folglich auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. So ermöglicht es SLES, ein System mit uneingeschränktem Herstellersupport für 5 Jahre (oder mehr) nutzen zu können, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen. Gerade dieser Sachverhalt macht ein Enterprise OS für den kommerziellen Einsatz interessant, denn nur bei langen Supportzeiträumen haben große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP ein Interesse, ein Betriebssystem für ihre Anwendungen zu zertifizieren. Gleiches gilt analog für die großen Computer- und Serverhersteller. Enterprise OSes findet man daher meist auf Servern, aber auch dort, wo Rechner extrem stabil laufen sollen (z. B. Börse, Medizin, Raumfahrt).

Besondere Werkzeuge[Bearbeiten]

SLES wird wie SUSE Linux mit dem integrierten grafischen Installations- und Administrationswerkzeug YaST, das auch für Einsteiger leicht bedienbar ist, installiert und administriert. Eine einfache Konfiguration des integrierten Paketfilters ist bereits während der Installation über YaST möglich.

Update-Zyklen[Bearbeiten]

Wegen der Zertifizierung und Konzentration auf bestmögliche Stabilität im Enterprise-Umfeld folgen Neuauflagen von SLES einem eher langsameren Rhythmus und werden auch länger gewartet. Der Kunde bekommt meistens eine Wartungsdauer von mind. 5 Jahren (7 bis max. 9 Jahre für SLES10) zugesichert, so dass er zeitlichen Spielraum hat, ein Update sorgsam zu planen und zu terminieren. Durch die langen Wartungszeiträume kann er auch gut einzelne Neuauflagen überspringen und sein Verhalten bezüglich Aktualisierungen an seine individuellen Bedürfnisse anpassen.

Novell-Linux-Kompensationsprogramm[Bearbeiten]

Novell bietet für die SLES-Distribution eine Versicherung gegen Copyright-Klagen an. Kunden sollen damit vor Klagen geschützt werden, die sich gegen mögliche Copyright-Verletzungen in den Suse-Produkten wenden. Hintergrund ist, dass die Firma SCO, die Teile des geistigen Eigentums von Linux beansprucht, mit Klagen gegen Linux-Nutzer gedroht hat.[11]

LSB-Zertifizierung[Bearbeiten]

Der Suse Linux Enterprise Server wird immer mit der zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellen Version der Linux Standard Base zertifiziert. Bei SLES 10 ist dies 3.0, bei SLES 9 2.0. Ältere Versionen des SLES sind nach älteren LSB-Standards zertifiziert. Einige Versionen von Suse Linux sind ebenfalls nach dem zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellen LSB-Standards zertifiziert.[12]

Versionen[Bearbeiten]

SUSE Linux Enterprise Server
Version Veröffentlichung LSB-Zertifizierung Unterstützt bis (erweitert)[13] basiert auf
Enterprise Server for S/390[14] 31. Oktober 2000 -
Enterprise Server 7 24. August 2001 -
Enterprise Server 8 24. November 2002 -
Enterprise Server 8 SP1 ?
Enterprise Server 8 SP2 ?
Enterprise Server 8 SP3 ? LSB 1.3 (18. Dezember 2003)
Enterprise Server 9 ? LSB 1.3 (3. August 2004) 31. August 2011 (31. August 2014)
Enterprise Server 9 SP1 13. September 2004 LSB 2.0 (21. Januar 2005)
Enterprise Server 9 SP2 7. Juli 2005 -
Enterprise Server 9 SP3 22. Dezember 2005 LSB 3.0 (9. Januar 2006)
Enterprise Server 9 SP4 14. November 2007 -
Enterprise 10 17. Juli 2006 LSB 3.1 (31. August 2006) 31. Juli 2013 (31. Juli 2016) openSUSE 10.1
Enterprise 10 SP1 Juni 2007 LSB 3.1 (22. August 2007)
Enterprise 10 SP2 19. Mai 2008 -
Enterprise 10 SP3 12. Oktober 2009 -
Enterprise 10 SP4 12. April 2011 -
Enterprise 11 23. März 2009 LSB 4.0 (18. Juni 2009) 31. März 2019 (31. März 2022) openSUSE 11.1
Enterprise 11 SP1 2. Juni 2010 LSB 4.0 (???) openSUSE 11.2
Enterprise 11 SP2 15. Februar 2012 LSB 4.0 (???) openSUSE 11.3
Enterprise 11 SP3 2. Juli 2013
Enterprise 12 27. Oktober 2014 31. Oktober 2024 (31. Oktober 2027)

Keine weiteren Distributionen auf SUSE Linux Enterprise Basis[Bearbeiten]

Im Unterschied zur Red Hat Enterprise Linux (RHEL) Distribution mit ihren frei verfügbaren Varianten wie z.B. CentOS gibt es vom SUSE Linux Enterprise Server (SLES) oder vom SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) keine frei verfügbaren Distributions-Varianten. SLES und SLED können allerdings in einer kostenlosen Testversion heruntergeladen werden. Diese enthält auf 60 Tage begrenzten Support inclusive Upgrade-Berechtigung. Danach kann die Testversion unbeschränkt ohne Support und Upgrades weiter verwendet werden.

Als freie Alternative existiert die Distribution openSUSE, auf deren Basis SLES und SLED entwickelt werden. OpenSUSE ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit Fedora bei Red Hat Enterprise Linux. Ein neuer Major Release von openSUSE wird in den Superlabs von SUSE/Novell getestet und auf verschiedene Plattformen wie die IBM zSeries portiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse gehen zurück an die Community. Für den Produktivbetrieb nicht als geeignet angesehene Pakete der openSUSE-Distribution werden entfernt, weitere frei verfügbare "closed source"-Produkte von anderen Herstellern, mit denen entsprechende Lizenzvereinbarungen bestehen, werden hinzugefügt. Damit ist openSUSE der Enterprise-Version immer um einige Monate voraus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSUSE Linux Enterprise 12 Now Available. Abgerufen am 29. Oktober 2014.
  2. SuSE: SuSE Linux für S/390 ist ab sofort verfügbar (Version vom 2. Juni 2001 im Internet Archive)
  3. Heise.de: SuSE Linux für S/390 ist fertig
  4. Vorab-Version von SuSE Linux für IBM S/390 (Version vom 17. Februar 2001 im Internet Archive) (SuSE-Pressemitteilung)
  5. silicon.com: Linux mainframe ousts Sun servers at Telia (engl.)
  6. SuSE Linux jetzt auch als optimierte Server-Version (Version vom 27. November 2001 im Internet Archive) (SuSE-Pressemitteilung)
  7. SuSE Linux Enterprise Server wird zertifizierte Plattform für mySAP.com (Version vom 27. November 2001 im Internet Archive) (SuSE)
  8. Novell Presseservice: Novell gibt Ergebnisse für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2005 bekannt - Pressemitteilung auf vibrio.de, 2. Dezember 2005
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBeziehung zwischen openSUSE und Novell SUSE Linux Enterprise Server. Abgerufen am 11. September 2009.
  10. Alexandra Kleijn: Suse Linux Enterprise 11 ist fertig. Heise open, 27. Oktober 2014, abgerufen am 27. Oktober 2014.
  11. Novell-Linux-Kompensationsprogramm
  12. LSB Certification Register der opengroup, 15. Dezember 2005
  13. Vorlage:SUSE LifeCycle
  14. Press Release von SUSE Linux (Version vom 5. Juni 2001 im Internet Archive). Abgerufen am 16. August 2011.

Weblinks[Bearbeiten]