Red Hat Enterprise Linux

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Red Hat Enterprise Linux
Red Hat Logo
Bildschirmfoto
Screenshot
Screenshot von Red Hat Desktop
Basisdaten
Entwickler Red Hat
Aktuelle Version 6.5
(21. November 2013)
Abstammung GNU/Linux
↳ Red Hat Linux
↳ Fedora (seit 2003)
↳ RHEL
Architekturen I386, IA-64, PowerPC, AMD64
Lizenz GPL
Website www.redhat.de

Red Hat Enterprise Linux (RHEL) [ɹɛd hæt ˈentə(r)ˌpraɪz ˈlinʊks] ist eine populäre Linux-Distribution, die von der Firma Red Hat hergestellt wird und auf den Unternehmensmarkt abgestimmt ist. Sie gilt in diesem Bereich als Marktführer unter den Linux-Distributionen und genießt eine große Unterstützung durch unabhängige Software-Hersteller.

Geschichte der Distribution[Bearbeiten]

RHEL hat sich aus der ehemaligen Linux-Distribution Red Hat Linux (RHL) herausgebildet und wurde das erste Mal am 17. Mai 2002 veröffentlicht. Ziel war, eine speziell für Geschäftskunden ausgerichtete Distribution mit entsprechendem Support- und Schulungsangebot aufzubauen. Als Red Hat im September 2003 das Endkundenprodukt Red Hat Linux zugunsten des Fedora Projekts aufgab, blieb RHEL die einzige von Red Hat vermarktete Linux-Distribution übrig. Red Hat nutzt die Communityarbeit des Fedora-Projekts (das es maßgeblich sponsert), um diese zu RHEL weiter zu entwickeln. Red Hat Enterprise Linux 6.x (RHEL) basiert auf Fedora 12.

Varianten[Bearbeiten]

RHEL existiert in verschiedenen Varianten. Dazu gehören die Server-Varianten mit den Versionen Entry Server (ES) und Advanced Server (AS). Die Desktop-Familie enthält den Red Hat Desktop (RHD) und Red Hat Enterprise Linux WS (Workstation). Für diese Produkte ist Update-Support über das Red Hat Network möglich.

Besonderheiten der Red Hat Enterprise Linux Distribution[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux hebt sich durch eine Reihe von Besonderheiten von anderen Distributionen ab:

Enterprise-Betriebssystem[Bearbeiten]

RHEL ist ein Enterprise-Betriebssystem, also ein Betriebssystem, das auf die Bedürfnisse großer Unternehmen ausgerichtet ist. Als Enterprise-Betriebssystem ist es deshalb auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. Man kann RHEL bis zu zehn Jahre nutzen, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen, weshalb es für den kommerziellen Einsatz geeignet ist. Für RHEL bieten große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP Zertifikate an, die garantieren, dass deren Software auf RHEL problemlos funktioniert, was analog für große Serverhersteller gilt. Enterprise-Betriebssysteme findet man daher meist auf Workstations und Servern, wo ein extrem stabiler Betrieb verlangt wird. (Z. B. in der Wissenschaft, Forschung, Börse, Militär oder Raumfahrt.)

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Der Lebenszyklus einer RHEL-Version beträgt zehn Jahre. In dieser Zeit wird die Verfügbarkeit von Updates und Patches von Red Hat garantiert. Die ersten drei RHEL-Versionen wiesen anfänglich eine siebenjährige Lebensdauer auf. Durch den Erwerb einer Extended Life Cycle Support-Lizenz (ELS) erhält man auch für RHEL 3 und 4 eine Versorgung mit Hotfixes für weitere 3 Jahre.[1]

Softwaremanagement[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux wird mit einem grafischen Installer mit dem Namen Anaconda installiert, der auch für Einsteiger leicht bedienbar ist. Bei der Softwareverwaltung setzt Red Hat Enterprise Linux auf den Paketmanager RPM und die Software-Verwaltung yum. Anwendungen und System-Teile werden dabei online auf einem Repository-Server gesucht, von dort als RPM-Package heruntergeladen und installiert. Zur allgemeinen Konfiguration des Systems stehen die system-config-*-Programme zur Verfügung, die jeweils auch grafische Benutzeroberflächen haben. Die system-config-*-Werkzeuge sind nach den üblichen Red-Hat- und Fedora-Prinzipien programmiert – diese legen fest, dass „Management-Tools“ (Hilfsprogramme zur Systemverwaltung) jeweils nur gezielt eine einzige Aufgabe erfüllen und keine exklusive Kontrolle über Konfigurationsdateien benötigen. Administratoren eines Systems müssen trotz Verwaltungswerkzeugen in der Lage sein, beliebige Änderungen manuell in den Konfigurationsdateien vorzunehmen.

Software-Repository-Anbieter[Bearbeiten]

Repositories anderer Anbieter verfolgen meist andere Ziele oder eine andere Lizenzpolitik als RHEL. Nennenswert sind hier Dag Wieers, RPM Fusion, RPMForge und atrpms. Diese Quellen sind nicht immer zueinander kompatibel. Darüber hinaus stellen immer mehr Softwareprojekte und Firmen, wie das Mono-Projekt, das GStreamer-Projekt, Skype oder Adobe, eigene Repositories zur Verfügung.

EPEL[Bearbeiten]

EPEL (Extra Packages for Enterprise Linux) ist ein vom Fedora-Projekt gepflegtes Repository, das portierte Pakete von Software bereitstellt, die in Fedora selbst, aber nicht in RHEL, CentOS oder Scientific Linux enthalten ist. Weil diese Enterprise-Distributionen auf der Basis von Fedora entwickelt werden, sind meist nur sehr kleine Anpassungen an den Paketen notwendig. EPEL erweitert somit die Enterprise-Distributionen um viele dort nicht enthaltene Anwendungen und Treiber. Da EPEL allein vom Einsatz der Community abhängt, geben Red Hat und das Fedora Projekt für EPEL-Pakete keine Garantien, Support oder Zertifizierungen, wie dies für Pakete im offiziellen RHEL-Repository üblich ist.[2]

Sicherheit[Bearbeiten]

RHEL integriert vollständig die Kernel-Erweiterung SELinux, um so Mandatory Access Control zu ermöglichen. Neben dem eigentlichen SELinux-Kern wird auch ein grafisches Programm mitgeliefert, mit dem die Aktivitäten von SELinux analysiert und weiter bearbeitet werden können.

Ziel der SELinux-Integration ist, dass insbesondere RHEL 5 den Zertifizierungen EAL4+ und Labeled Security Protection Profile nach dem Common Criteria Standard genügen soll.

Open Source Assurance[Bearbeiten]

Red Hat bietet für die RHEL-Distribution eine Versicherung an, die gegen Klagen auf geistiges Eigentum an der Software schützt. Dies ist aufgrund von Softwarepatenten möglich. Zum Beispiel schützte die Versicherung vor möglichen Klagen der Firma SCO, die Teile des geistigen Eigentums von Linux beanspruchte (siehe auch SCO gegen Linux).

LSB-Zertifizierung[Bearbeiten]

Frühe Versionen von RHEL Version 5 sind LSB-3.2-zertifiziert, während ab RHEL 5.6 sowie für RHEL 6 der Support auf LSB 4.0 angehoben wurde.[3][4] Frühere Versionen von RHEL sind nach älteren LSB-Standards zertifiziert.

Versionen und unterstützte Architekturen[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux 6.x[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux 6.x wird in zwei Varianten (Server oder Workstation) angeboten und unterstützt folgende Architekturen:

Workstation und Server:

Server

Red Hat Enterprise Linux 5.x[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux 5.x wird in zwei Varianten (Server oder Workstation) angeboten und unterstützt folgende Architekturen:

Workstation und Server:

Server

Red Hat Enterprise Linux 4.x, 3.x[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux 3.x und 4.x wurden in drei Varianten entwickelt: Advanced Server (AS, max. 16 CPUs, bis 64GB Ram), Enterprise-Server (ES, 2 CPUs, 8GB Ram) oder Workstation (WS, 2 CPUs, 64GB Ram), es werden folgende Architekturen unterstützt:

AS, ES, WS:

  • x86 i386 kompatible (32 bit)

AS, WS:

AS:

Red Hat Enterprise Linux 2.x[Bearbeiten]

Red Hat Enterprise Linux 2.x gab es in folgenden Versionen:

  • Red Hat Enterprise Linux AS (Advanced Server) – i386, IA-64
  • Red Hat Linux Advanced Workstation – IA-64
  • Red Hat Enterprise Linux ES – i386
  • Red Hat Enterprise Linux WS – i386

Andere Distributionen auf gleicher Basis[Bearbeiten]

Obwohl Red Hat die Quellpakete der RHEL-Distributionen frei im Netz bereitstellt, gibt es direkt von Red Hat keine frei verfügbaren RHEL-Bootmedien oder -Images, RHEL kann, wie z. B. auch das (nicht RHEL-basierte) Konkurrenzprodukt SUSE Linux Enterprise Server, nur im Zusammenhang mit Supportverträgen erworben werden. Um dennoch ein frei verfügbares, RHEL-kompatibles Linux anbieten zu können, sind Projekte wie CentOS oder Scientific Linux entstanden. Da alle Quellpakete für die RHEL-Distributionen im Netz bereitstehen, können diese Projekte alle frei verfügbaren Pakete kompilieren und auf eigenen Boot-Images und Installationsmedien anbieten. Das Ziel ist dabei, meist mit nur geringfügigen Änderungen, eine Distribution zu erzeugen, die vollständig zu RHEL kompatibel ist und ausschließlich aus frei verfügbarer Software besteht. In der Regel müssen daher aus Lizenzgründen einzelne Pakete (z. B. Adobe Reader, Flash Player) aus der Distribution entfernt werden. Umgekehrt können zusätzliche Pakete hinzugefügt sein, die ebenfalls frei sind und keine Verpflichtung zum Kauf von Lizenzen oder Supportverträgen mit sich bringen.

Beispiele für Distributionen, die auf RHEL basieren, sind: CentOS, ClearOS (ehemals ClarkConnect), Endian Firewall, Scientific Linux, White Box Linux, und X/OS Linux.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

RHEL wird neben Scientific Linux und Debian auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt, wie die NASA bekannt gab.[5]

RHEL ist beim Verteidigungsministerium der USA als Standardplattform für serverbasierte Anwendungen, Webdienste, Datenbanken, Netzwerksicherheit und Ähnliches ausgewählt worden. RHEL wird in der US-Armee an zahlreichen Stellen eingesetzt. Das Verteidigungsministerium wurde 2005 zum größten Kunden der Firma Red Hat.[6][7]

Die nationale Luftfahrtbehörde (FAA) der USA migrierte im Frühling 2006 vollständig zu RHEL. Dadurch konnten öffentliche Mittel in der Höhe von 15 Millionen US-Dollar eingespart werden. Die FAA verwendete zuvor nicht Windows, sondern eine sehr teure proprietäre UNIX-Plattform. Mit RHEL ließen sich Probleme mit der Skalierbarkeit lösen, die Effizienz steigern und die hohe geforderte Verfügbarkeit der Systeme sicherstellen. Die Sicherheit der bis zu 8000 Flugzeuge, die gleichzeitig im von der FAA überwachten Luftraum unterwegs sein können, hängt wesentlich von der Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur der FAA ab, die Behörde kann sich keine Fehler oder Ausfälle erlauben.[8][9]

Versionen[Bearbeiten]

Version Codename(a) Veröffentlichung(b) Unterstützung bis LSB-Zertifizierung Sonstiges
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 2.1 Pensacola 17. Mai 2002 31. Mai 2009 Erste RHEL Version
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0 Taroon 22. Oktober 2003 31. Oktober 2010
(Durch den Erwerb einer ELS-Lizenz verlängerte Unterstützung bis zum 30. Januar 2014.[1])
1.3 Unterstützung für AMD64, IBM System z, pSeries, S/390
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.9 12. Juni 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.0 Nahant 15. Februar 2005 29. Februar 2012
(Durch den Erwerb einer ELS-Lizenz verlängerte Unterstützung bis zum 28. Februar 2015.[1])
3.0 Erstmalige SELinux-Unterstützung
Ältere Version; noch unterstützt: 4.9 16. Februar 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0 Tikanga 14. März 2007 31. März 2017[10] 3.1 +Xen, +GFS2
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.1 7. November 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.2 21. Mai 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.3 19. Januar 2009 +Block Device Encryption
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.4 2. September 2009 +KVM
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.5 30. März 2010 3.x Cifs Win7 Integration, +KVM, +WiFi, Support für neue AMD, IBM, und Intel CPUs
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.6 13. Januar 2011 ext4, GCC 4.4, PHP 5.3
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.7 22. Juli 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.8 21. Februar 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.9 8. Januar 2013 Samba 3.6, Microsoft Hyper-V Support, OpenJDK 7, FIPS
Ältere Version; noch unterstützt: 5.10 1. Oktober 2013[11] MySQL 5.5
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.0 Santiago 10. November 2010[12] 30. November 2020[10] 3.x oder 4.x Kernel 2.6.32, Gnome 2.28, KDE SC 4.3, KVM (kein Xen), ext4, XFS, kein Itanium
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.1 19. Mai 2011[13]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.2 6. Dezember 2011[14]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.3 20. Juni 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.4 21. Februar 2013[15]
Aktuelle Version: 6.5 21. November 2013
Vorabversion: 7.0 Beta 12. Dezember 2013[16] Das Standarddateisystem ist XFS und 32-Bit-Systeme (x86-32) werden nicht mehr unterstützt. RHEL7 basiert auf Fedora 19.[17]
Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Anmerkungen

(a) Für mehr Informationen über die Versionsnamen siehe Fedora- und Red-Hat-Versionsnamen
(b) Die Release-Daten beziehen sich auf öffentliche Ankündigungen und nicht auf die tatsächliche Verfügbarkeit im Handel

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c Red Hat Enterprise Linux Life Cycle. Red Hat, abgerufen am 23. Oktober 2013 (englisch).
  2. EPEL/FAQ. Red Hat, Inc., abgerufen am 3. September 2013 (englisch).
  3. RedHat Bugtracker: Bug 570063 - support LSB 4.0 in RHEL 5, 13. Januar 2011
  4. LSB Roadmap
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRaumstation ISS setzt verstärkt auf Linux. Heise Online, abgerufen am 27. Mai 2013.
  6. Open Technology within DoD (englisch) – Beitrag auf linux.com, 7. April 2007 (archiviert)
  7. Red Hat will Geschäfte mit dem öffentlichen Dienst forcieren – Meldung auf Heise Online, 3. Februar 2005
  8. Red Hat unterstützt Luftfahrtbehörde am Boden – Meldung auf pressebox.de, 27. April 2006
  9. US-Luftfahrtbehörde FAA wechselt auf Linux – Meldung auf computerwoche.de, 28. April 2006
  10. a b http://www.redhat.com Aufgerufen 28. Februar 2012
  11. http://de.redhat.com/about/news/press-archive/2013/10/red-hat-launches-the-next-release-of-red-hat-enterprise-linux-5
  12. http://www.redhat.com Aufgerufen 10. November 2010
  13. http://www.redhat.com Aufgerufen 19. Mai 2011
  14. http://www.redhat.com Aufgerufen 8. Dezember 2011
  15. http://www.redhat.com Aufgerufen 21. Februar 2013
  16. http://www.redhat.com Aufgerufen 10. November 2010
  17. Thorsten Leemhuis: Beta von Red Hat Enterprise Linux 7: Bye bye 32-Bit-x86. Heise online, 12. Dezember 2013, abgerufen am 12. Dezember 2013.