Samuel Linde

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Samuel Linde

Samuel Gottlieb Linde (auch Samuel Bogumił Linde, eine spätere polnische Übersetzung) (* 20. April 1771 in Thorn; † 8. August 1847 in Warschau) war ein Pädagoge, Sprachwissenschaftler und Bibliothekar, der insbesondere für seine Beiträge zur Lexikografie des Polnischen bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Linde war der Sohn des um 1749 aus Kulla in der schwedischen Provinz Dalekarlien zugewanderten Johann Jakobsen Lindt, der in Thorn Schlossermeister und Stadtrat wurde, und der Steinmetz-Tochter Anna Barbara Langenhan aus Coburg. Ein älterer Bruder war Johann Wilhelm Linde (1760-1840), Pfarrer und Schulinspektor in Danzig.

Linde studierte Jura, Philologie und Theologie an der Universität Leipzig. Nach dem Tode des vorherigen Lektors lehrte Linde dort polnische Sprache und Literatur, obwohl er sich erst in der Sprache ausbilden musste. Dabei waren ihm etliche Polen, die in Leipzig, sowie Dresden wohnten, behilflich. Es folgten u. a. wissenschaftliche Tätigkeiten in Warschau und Wien.

Linde wurde 1803 nach Warschau berufen, wo er Rektor des Königlich-Preußisches Lyzäum zu Warschau und der Bibliothek war. 1807 veröffentlichte Linde trotz der Napoleonischen Kriegszustände das Wörterbuch, an dem er viele Jahre mit mehreren Polen zusammen gearbeitet hatte. Das Polnische Wörterbuch, Polnisch-Deutsch, Deutsch-Polnisch der Słownik języka polskiego, das erste wissenschaftliche Wörterbuch der polnischen Sprache, gilt als sein Hauptwerk. Er ging sechs Jahre lang durch Galizien bis an die Moldau auf Reisen und sammelte Material und Bücher für das sehr ausführliche Werk, in dem polnische und andere slawische Grammatik und Redeweisen und Fachausdrücke behandelt sind.

Zur Zeit der Kurfürsten von Sachsen als Könige von Polen (Sachsen-Polen, seit 1697) kamen deutsche Architekten und Bauherren, wie Joachim Daniel von Jauch und Ephraim Schröger mit ihren Familien nach Warschau. Andere Deutsche aus Westpreußen kamen ebenfalls nach Warschau, das von 1795-1807 Teil von Neuostpreußen war.

Linde selbst war evangelisch und war behilflich bei der Einrichtung einer evangelischen Kirche für die Gemeinde von 8000 Deutschen in Warschau. Diese war auch von den Russischen Zaren genehmigt worden, als diese Warschau nach den Napoleonischen Kriegen beherrschten. Linde ist auf dem Evangelischen Friedhof der Deutschen Gemeinde Augsburger Konfession in Warschau begraben.

Linde war Ehrenmitglied der Wissenschaften in Berlin, Königsberg, Göttingen, Paris, Wilna, St. Petersburg, Krakau, Kasan.

Ihm zu Ehren stifteten die Partnerstädte Göttingen und Thorn den Samuel-Bogumil-Linde-Preis.

Familie[Bearbeiten]

Linde war zweimal verheiratet:

  • Ludwika Bürger (1786–1823), Tochter einer Warschauer Händlers.
  • Ludwika Aleksandra Nussbaum (* 1800; † 5. September 1836), eine gebürtige Schweizerin und Freundin von Frédéric Chopin, der ihr sein 1825 entstandenes Rondeau c-Moll op. 1 widmete.

Von den Kindern der Familie ist Aleksandra Józefa Tekla Linde (1831–1896) hervorzuheben, die spätere Frau von Maurycy Karasowski (1823–1892), dem Verfasser der ersten Chopin-Monographie (1862). Die Tochter Emilie Isabella Marie Linde († 1857) heiratete 1850 den Theologen Leopold Otto.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Słownik języka polskiego
  • De solatiis adversus mortis horrores in Platone et Novo Testamento obuiis commentatio. Leipzig: Klaubarth, 1792 (Dissertation)
  • Vincent Kadlubek, ein historisch-kritischer Beytrag, Joseph Maximilian Ossolinski u Samuel Gottlieb Linde, Warschau 1822
Übersetzungen aus der polnischen Sprache

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter von Koeppen: Samuel Gottlieb Linde. Eine biographische Skizze. Berold, Wien 1823 (Digitalisat)
  • Samuel Bogumił Linde: Autobiografia z 1823 roku. Do druku przygotował i wstępem opatrzył Marian Ptaszyk. Wyd. Uniwersytetu im. Mikołaja Kopernika, Toruń 2000, ISBN 83-231-1150-2 (Digitalisat)
  • Karol Sauerland: Deutsch-polnische Symbiosen? Samuel Gottlieb Linde, Tadeusz Zieliński, Elida Maria Szarota, Ludwig Zimmerer. In: Matthias Weber (Hrsg.): Deutschlands Osten - Polens Westen. Vergleichende Studien zur geschichtlichen Landeskunde. (= Mitteleuropa - Osteuropa. Oldenburger Beiträge zur Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas; Band 2). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-631-37648-0

Weblinks[Bearbeiten]