Schalldämpfer (Waffe)

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Ein Schalldämpfer, offiziell auch Mündungssignaturreduzierer genannt[1], ist im Bereich der Waffentechnik eine Vorrichtung zur Verminderung von Schallemissionen bei Schusswaffen. Schalldämpfer werden vor allem bei Spezialeinheiten von Militär oder Polizei sowie zur Jagd in bewohntem Gebiet (Stadtjäger) eingesetzt.

Montage[Bearbeiten]

Gewehr mit Schalldämpfer.

Schalldämpfer können auf das Ende eines mit entsprechendem Gewinde versehenen Laufs aufgeschraubt werden oder mit der Waffe fest verbunden sein. Fester Bestandteil sind sie bei der MP5 SD oder beim AWS.

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Patentzeichnung für eine Lauf- bzw. Schalldämpfer-Anordnung für Überschallmunition.

Der Schalldämpfer reduziert ausschließlich die Schallemission, die von den beim Schuss aus der Laufmündung ausströmenden, unter hohem Druck stehenden und explosionsartig expandierenden Gasen ausgeht. Die mechanischen Geräusche einer eventuell vorhandenen Nachladeautomatik werden nicht gedämpft. Der Schallpegel der Mechanik liegt bei Selbstladewaffen um 90 dB, bei vollautomatischen Waffen zwischen 110 und 120 dB[2]. Um diese Geräuschquelle zu unterdrücken, konnte bei einigen schallgedämpften Selbstladewaffen wie etwa bei Versionen der Walther P38 der Selbstlademechanimus blockiert werden.[3]

Der Geschossknall von Projektilen, die mit Überschallgeschwindigkeit von 330 m/s und mehr abgefeuert werden, bleibt unbeeinflusst. Um den Überschall-Geschossknall zu vermeiden, muss aus schallgedämpften Waffen Unterschallmunition als speziell laborierte Patronen verschossen werden oder es werden Kaliber wie die .45 ACPer benutzt. Diese hat meist weniger als 330 m/s.

Nach einem Schuss expandieren die Gase der Treibladung im Inneren des Schalldämpfers, wodurch sie teilweise entspannt werden, ohne dabei Schallenergie direkt an die Umgebung abzugeben. Um die Energie der Gase möglichst effizient abzubauen, bevor sie aus dem Schalldämpfer austreten, enthält das Innere von Schalldämpfern in der Regel Bauteile, die den Strom der Gase hemmen. Das können durchbohrte Prallwände, Kammern oder andere, meist geneigte oder spiralig angeordnete Komponenten sein. Es gibt Varianten mit Gummilamellen. Bei guter anfänglicher Dämpfung lässt die Wirkung jedoch zunehmend nach[2]. Die Anordnung der Kammern und die Entspannung der Gase über zusätzliche Bohrungen oder Schlitze sind ausschlaggebend bei der Konstruktion eines wirksamen Schalldämpfers. Angepasste Munitionswahl ist bei der Optimierung der schalldämpfenden Wirkung entscheidend.

Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Schalldämpfer werden im Freien und in Gebäuden eingesetzt. Scharfschützen verwenden sie, um ihren Standort zu verschleiern. Stadtjäger nutzen sie in Deutschland mit Sondergenehmigung, um in Befriedeten Bezirken Geräuschemission und somit Belästigung zu vermeiden. Gründe dafür liegen im Gehörschutz und der geringeren Wildbeunruhigung.

Bei Einsätzen von Spezialeinheiten (ohne Aktiven Gehörschutz) innerhalb von Räumen, Wohnungen und anderen beengten Örtlichkeiten wird von den Einsatzkräften ein Schalldämpfer benutzt, nicht um ihre Anwesenheit gegenüber ihren Gegnern zu verschleiern, sondern um plötzlicher Taubheit vorzubeugen, die durch Schalldruck innerhalb von geschlossenen Räumlichkeiten entstehen kann. Somit verhindert ein Schalldämpfer weniger die Bekanntgabe von Kräften am Einsatzort, sondern sorgt vielmehr für das Aufrechterhalten von Kommunikation, dem Gehör für die taktische Vorgehensweise und allgemein der Gesundheit.

Vor allem aus diesen Gründen ist beim Militär und in anderen Sicherheitsbereichen mit einem zunehmenden Einsatz schallgedämpfter Waffen zu rechnen. Beginnend mit Scharfschützenwaffen und später ausgeweitet auf andere Handfeuerwaffen, will etwa das U.S. Marine Corps nur noch Entwicklungen mit integriertem oder nachrüstbarem Schalldämpfer bei Neubeschaffungen berücksichtigen.[4]

Rechtslage[Bearbeiten]

Halbautomatische Pistole Ruger MK II mit Schalldämpfer.

Die rechtlichen Grundlagen zum Erwerb und Besitz von Schalldämpfern unterscheiden sich international erheblich.

Deutschland[Bearbeiten]

Schalldämpfer sind in Deutschland vom Erlaubnisverfahren her der zugehörigen Waffe gleichgestellt. Bei Verwendung an erlaubnispflichtigen Waffen sind somit der Erwerb und der Besitz von Schalldämpfern durch Privatpersonen ebenso erlaubnispflichtig. Als ein den wesentlichen Teilen einer Schusswaffe gleichgestellter Gegenstand (WaffG, Anlage 1, Ziffer 1.3 in Verbindung mit § 4 und § 10 Abs. 1) oder eines Wechselsystems sind damit eine Erwerbserlaubnis bzw. ein Eintrag in der Waffenbesitzkarte des Schützen erforderlich. Analog sind Schalldämpfer für so genannte „freie Waffen“ (Luftdruckgewehr etc.) vom vollendeten 18. Lebensjahr an auch ohne Waffenbesitzkarte frei erwerblich.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich sind der Kauf und der Besitz von Schalldämpfern gemäß § 17 (Verbotene Waffen) des österreichischen Waffengesetzes verboten.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz sind Schalldämpfer gemäß Waffengesetz Artikel 4.2a (Definition) und Artikel 5.1e (Verbot) verboten, außer man ist im Besitz einer Kantonalen Ausnahmebewilligung, welche zumeist nur bei Nachweis des Bedarfs eines Schalldämpfers genehmigt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Um das Jahr 1888 waren die militärischen Verbände in Europa dazu übergegangen, das herkömmliche Schwarzpulver durch das so genannte „rauchlose“ oder „rauchschwache“ Pulver zu ersetzen. Auf diese Weise wurde der Vorteil erzielt, dass man den Feind besser beschießen konnte, da die mächtigen Rauchschwaden wegfielen, die bei der Verwendung des Schwarzpulvers entstanden und die oft schon nach kurzer Zeit das Zielen unmöglich machten. Außerdem blieben die bisher durch diese Rauchschwaden weit erkennbaren Schützenlinien dem Auge des Feindes verborgen, was die Gefahr, selbst in gegnerisches Feuer zu geraten, entsprechend verringerte. Diese Verborgenheit war aber nur relativ. Zwar vermochte nun der Rauch dem Feind nicht mehr zu verraten, wo eine Schützenlinie in Tätigkeit getreten war, aber noch verriet der Knall dem Feind die ungefähre Position, von der aus der Schuss abgegeben worden war. Deshalb wurden Mittel und Wege gesucht, um bei der Verwendung der modernen Schusswaffen auch den Knall zu minimieren.

Der Erfinder C. A. Aeppli ließ sich 1894 eine Schalldämpferkonstruktion für eine Waffe patentieren. Es folgten mehrere weitere Patente anderer Entwickler, die aber keine nennenswerte Bedeutung erlangten. Hiram Percy Maxim, dem Sohn des Waffenkonstrukteurs Hiram Maxim, gelang schließlich 1907/1908 die Fertigung des ersten serienreifen Schalldämpfers, wofür er 1910 das Patent erhielt.[2]

Er hatte den Lauf eines Gewehrs vorn mit einem Schraubengewinde versehen, auf das er einen kleinen Apparat anbrachte, der die folgende Funktionsweise hatte:

Da der Knall durch die plötzliche Entwicklung und Ausbreitung einer großen Gasmenge entsteht, die bei der Explosion des Pulvers gebildet wird, verfolgt der Maxim'sche Apparat den Zweck, das plötzliche Entweichen der Gasmenge in die Luft zu verhindern und an seine Stelle ein langsames und geräuschloses Ausströmen zu setzen. Das wird dadurch erreicht, dass im Inneren eine Reihe von schraubenförmig gewundenen Kanälen oder „Turbinenelementen“ (wie sie der Erfinder nennt), angebracht werden. Diese Kanäle haben eine solche Lage, dass der Weg für die Kugel frei bleibt, die Gase aber gezwungen werden, diese Turbinenelemente zu durchströmen. Auf dem weiten und gewundenen Weg, den sie zurücklegen müssen, verlangsamt sich ihre Geschwindigkeit. Sie bekommen eine drehende Bewegung in ähnlicher Weise, wie das gegen eine Turbine ausströmende Gas oder Wasser von seiner Richtung abgelenkt und in seiner Wirkung geschwächt wird. Auf diese Weise verliert der Gasstrom an Kraft und Schnelligkeit, und zuletzt strömt er langsam und ohne jeden Schall aus dem letzten Element in Freie aus. Man hört nach der Abgabe des Schusses nur mehr ein feines Geräusch, das man nicht mehr einen Knall nennen kann und das schon nach wenigen Metern nicht mehr hörbar ist.

Mit dieser Entwicklung sollte Sportschützen zudem die Möglichkeit gegeben werden, ihr Gehör zu schonen. Dementsprechend wurden die Maxim'schen Schalldämpfer unter der Marke Dr. Slush auch mit dem Spruch „The gentlemen's way of target shooting“ beworben; auf deutsch: „Zielscheibenschießen wie ein Gentleman.“ Maxims Firma vermarktete diese Schalldämpfer erfolgreich bis in die 1930er Jahre[2].

In einigen deutschen Bundesländern ist das Anbringen von Schalldämpfern an der Mündung verboten. Dieses Verbot ist in die Diskussion geraten, und zwar aus Gründen der Fürsorge bzw. des Arbeitsschutzes für Förster und Berufsjäger.

Messreihen nach standardisierten Verfahren der Nato haben ergeben, dass der Schalldruckpegel eines Büchsenschusses von 167 bis 172 Dezibel am Ohr des Schützen mit 150 bis 160 Dezibel ankommt. Das liegt deutlich jenseits der Schmerzgrenze von 130 Dezibel. Diese Grenze könnte knapp unterschritten werden, wenn moderne Jagdwaffen mit einem Schalldämpfer versehen werden. Die Aufsätze (gefertigt aus Stahl, Titan oder Karbon) verringern den Knall um etwa 35 Dezibel.

Schalldämpfer sind – anders als beispielsweise Zielfernrohre – waffenrechtlich einem Gewehr gleichgestellt. Ihr Erwerb setzt daher eine Berechtigung und ein nachgewiesenes Bedürfnis voraus. Einige Bundesländer wie Bayern oder Hamburg haben Schalldämpfer ausdrücklich verboten, andere (z.B. Hessen) nicht. Eine Handvoll Förster in Hessen hat (Stand Oktober 2013) auf Antrag eine Berechtigung erhalten, einen der 250 bis 700 Euro teuren Dämpfer zu verwenden. In Skandinavien gehören Schalldämpfer zur Standardausrüstung vieler Jäger. Schalldämpfern werden positive Wirkungen auf die Präzision der Schüsse zugeschrieben, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Der harte Rückstoß bei der Schussabgabe wird gemildert.
  • kein Mündungsfeuer blendet den Schützen; so kann dieser die Schusswirkung besser beobachten.

Im November 2013 stand das Thema bei einer Konferenz von Waffenrechtsreferenten der Bundesländer auf der Tagesordnung.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schalldämpfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strategie und Technik Okt 2011, S. 22
  2. a b c d Frank W. James, Ulrich Eichstädt, Flüsterkampagne, Visier, das internationale Waffenmagazin 7/1993, Pietsch + Scholten Verlag GmbH, Stuttgart, S. 40 ff
  3. Dr. Richard Preuss, Matthias Waage, Bitte nicht stören: Schalldämpfer - Geschichte und Technik, Visier, das internationale Waffenmagazin, 1/2007 Vogt-Schild Deutschland GmbH S. 6 ff
  4. Visier, Das internationale Waffenmagazin, Ausgabe 01/2008 S. 16
  5. FAZ.net: Aufrüstung im Wald kein Tabu mehr
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