Schleusentreppe von Fonserannes

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Schleusentreppe von Fonserannes:
Blick von unten, Kammer 7 im Vordergrund

Die Schleusentreppe von Fonserannes (französisch Escalier d’Écluses de Fonserannes, oder einfach: Écluses de Fonserannes) ist eine Schleusentreppe am Canal du Midi. Sie liegt im Gemeindegebiet der französischen Stadt Béziers, im Département Hérault, in der Region Languedoc-Roussillon. Die Schleusentreppe ist als Monument historique klassifiziert und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name der Schleusentreppe schrieb sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder anders: Fonceranes, Fonseranes, Foncerannes (mit oder ohne Akzent). Heute üblich ist die Schreibweise Fonserannes.

Entwicklung des Bauwerkes[Bearbeiten]

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Bauwerk entstand im 17. Jahrhundert und ging gemeinsam mit dem von Pierre-Paul Riquet geplanten und gebauten Canal du Midi in Betrieb (Abschnitt bis Béziers). Die eigentliche Schleusentreppe bestand ursprünglich aus acht zusammenhängenden Schleusenkammern mit einer Längsausdehnung von insgesamt mehr als 300 Metern. Eine weitere Doppelschleuse (Écluse de Notre Dame), die nicht mehr zur Schleusentreppe gezählt wurde, lag knapp vor dem etwa einen Kilometer entfernten Anschluss zum Fluss Orb. Über die Schleusentreppe und die folgende Doppelschleuse wurde den Schiffen der Abstieg zum Fluss ermöglicht. Die Schiffe mussten dann rund 700 Meter weit den Fluss abwärts fahren. Dort lag am linken Flussufer vor einem Wehr die Ausfahrt in die Fortsetzung des Canal du Midi.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kammer 8 der Schleusentreppe (Detail beim Obertor):
Erhöhung um Δh beim Anschluss der Treppe an den Brückenkanal über den Orb, im Hintergrund das Absperrtor der Kammer 7 gegen den Brückenkanal.

Da die Wasserführung des Orb sehr unsicher war, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eine Kanalbrücke über den Fluss gebaut. Diese befindet sich etwa in der Mitte des bisher zur Schifffahrt benutzten Abschnitts des Orb. Die Haltung des neuen Brückenkanals liegt etwas höher als das Oberwasser der bisherigen Schleusenkammer 7, die deshalb erhöht, nach Osten erweitert und an den Brückenkanal angeschlossen wurde.

Die Schleusenkammer 8 und die Doppelschleuse am Fluss wurden nicht mehr benötigt und daher für den Durchgangsverkehr stillgelegt. Um den Verkehr bis zum alten Kanalhafen von Béziers und bei Bedarf über die Écluse de Notre Dame bis in den Orb weiter zu ermöglichen, wurde die Schleusenkammer 8 auch erhöht, und die Schleusenkammer 7 bekam ein Absperrtor gegen den Brückenkanal.

Östlich der Kanalbrücke wurden zwei neue Doppelschleusen (Écluse de l’Orb und Écluse de Béziers) gebaut, mit denen das Niveau der früheren Kanal-Fortsetzung erreicht wurde. Zwischen diesen beiden Schleusen wurde der neue Hafen von Béziers angelegt. Beide neuen Doppelschleusen wurden Ende des 20. Jahrhunderts zu doppelt langen - aber mit Hilfe eines jeweiligen mittleren Tores verkürzbaren - einstufigen Schleusen umgebaut.

Die neue Streckenführung wurde im Jahr 1858 in Betrieb genommen und stellt in dieser Form den aktuellen Bauzustand der Schleusentreppe dar. Die heute verwendeten sechs Schleusenkammern heben und senken die Schiffe über eine Höhe von 13,6 Meter. Die Kammer 7 hat im Normalfall konstantes Wasserniveau, sie ist immer gefüllt und somit Teil des Brückenkanals.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1983 wurde zur Beschleunigung der Passage und eventuellen Ablöse der Schleusentreppe gleich nebenan ein modernes Schiffshebewerk, der Wasserkeil von Fonserannes, gebaut. Dabei handelt es sich um eine geneigte Rinne, in der das Schiff in sogenannter Nassförderung transportiert wird. Ein die Rinne abschließendes Schild wird zusammen mit dem sich davor bildenden keilförmigen Wasservolumen, auf dem das Schiff schwimmt, von einem Traktor aufwärts geschoben, beziehungsweise gebremst zu Tal gefahren. Der Betrieb dieses Hebewerks war aber nicht von Erfolg begleitet. Infolge dauernder technischer Probleme wurde es mit 11. April 2001 außer Betrieb genommen, der gesamte Verkehr läuft seither wieder über die Schleusentreppe.

Aktuelle Nutzung der Schleusentreppe[Bearbeiten]

Obwohl der Frachtschifffahrt auf dem Canal du Midi nahezu gänzlich verschwunden ist, erreicht der Tourismus auf dem Wasser mit Sport- und Hausbooten, sowie Passagierschiffen für Ausflugsfahrten und zu schwimmenden Hotels umgebauten Pénichen große Bedeutung. Jährlich passieren etwa 10.000 Wasserfahrzeuge die Schleusentreppe, in den Sommermonaten Juli und August sind es sogar bis zu 60 pro Tag [1].

Um diese Menge bewältigen zu können, wurde ein Einbahnsystem eingeführt, bei dem mehrmals am Tag während fester Zeitabschnitte die wartenden Wasserfahrzeuge entweder nur abwärts oder nur aufwärts geschleust werden. In jede Kammer passen drei der üblichen Touristenboote. Die Schleusung einer Schiffsgruppe beträgt abwärts etwa 30 und aufwärts etwa 45 Minuten. Beim Abwärtsschleusen werden die Schiffsgruppen zusammen mit einer einzigen Kammerfüllung nach unten bewegt. Beim Aufwärtsschleusen wird für jede Stufe eine Kammerfüllung verbraucht. Um den Vorgang zu beschleunigen, wird jede Kammer von der zweithöheren Kammer aus gefüllt. Der Wasseraustausch geschieht wegen des damit vergrößerten Niveauunterschiedes schneller. Dabei geht aber auch eine zusätzliche Kammerfüllung verloren.

Die Bedienung der Schleusen erfolgt über Funk durch die vor Ort befindlichen Mitarbeiter der französischen Wasserstraßenverwaltung Voies navigables de France (VNF). Die Kosten der Schleusung sind mit der zur Benutzung des Kanals obligatorisch zu kaufenden Schiffsvignette gedeckt.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schleusentreppe von Fonserannes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dokumentation über die Schleusentreppe

43.3305555555563.1997222222222Koordinaten: 43° 19′ 50″ N, 3° 11′ 59″ O