Schloss Esterházy (Fertőd)

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Schloss Esterházy, auch Schloss Fertőd genannt und in Österreich zur Unterscheidung vom Eisenstädter Schloss der Familie oft als Esterhaza bezeichnet, ist ein westungarisches Schloss der früheren Fürsten Esterházy. Es liegt nahe der österreichischen Grenze, einige Kilometer südöstlich des Neusiedler Sees, in einem fruchtbaren Flachland am Rande des Städtchens Fertőd.

Schloss Esterházy oder Esterhaza in Fertőd
Esterháza (links oben) in der 3. Landesaufnahme des Militärs, etwa 1880

Es zählt zu den größten und schönsten Rokokoschlössern Ungarns, ist Teil des Weltkulturerbes und gleichzeitig in den Nationalpark Fertő-Hanság eingebunden. Man erreicht es von Westen über Eisenstadt (Burgenland) oder Sopron (Ödenburg) (25 km) bzw. von Norden über den österreichischen Seewinkel östlich des Neusiedler Sees (Pamhagen 10 km), von Osten über die ungarische Bezirksstadt Kapuvár (15 km). Der beliebte Grenzland-Radweg rund um den Neusiedler See führt direkt am Schlosspark vorbei.

Schloss Esterházy wurde von Fürst Nikolaus I. ausgebaut, nachdem es zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Michael Fürst Esterházy zunächst als kleineres Jagdschloss errichtet worden war. Nach einem Besuch im Schloss Versailles bei Paris, 1764, beauftragte Fürst Nikolaus die Wiener Hofbaumeister Johann Ferdinand Mödlhammer und Melchior Hefele mit dem Umbau, der 46 Jahre dauerte.

Die Kaisersteinbrucher Meister aus Niederösterreich erhielten große Aufträge und lieferten Kaiserstein für die Stiegen und Schmuckelemente der Anlage. Im Ungarischen Staatsarchiv ist über die 1783 erfolgte Inquisition wegen denen nach Esterház gelieferten Steinern aus Kayser-Steinbruch zu lesen. Die Esterházys waren (und sind) Eigentümer des Steinbruchs von St. Margarethen im Burgenland; auch von dort wurde Baumaterial zugeliefert. Weiters gab es große Steinlieferungen für das Schloss aus Eggenburg in Niederösterreich.

Das Repräsentationsbedürfnis der Fürstenfamilie drückte sich in der sehr selbstbewussten Architektur ebenso aus wie in der Raumgestaltung des Schlosses. Ähnlichkeiten mit der kaiserlichen Sommerresidenz Schloss Schönbrunn, damals bei, heute in Wien, sind kein Zufall, z. B. die ähnlichen Mittelstiegen zum Hauptgeschoß im Haupttrakt. (Die Habsburger wiederum hatten für Schönbrunn Versailles als unübertreffliches Vorbild. Schloss Esterházy wird daher auch als „ungarisches Versailles“ bezeichnet.

Wie in Schloss Esterházy in Eisenstadt verbrachte Joseph Haydn – der Esterhazy'sche Hofkomponist und Begründer der Wiener Klassik – auch hier viele Jahre. Der Musiker hatte mit der Hofkapelle dem Fürsten jeweils an dessen Aufenthaltsort zu folgen. Im Winter war dies meist Eisenstadt, im Sommer oft Esterhaza. „Zwischendurch“ hielt sich der Fürst in Wien, in Ödenburg oder in einer anderen seiner Residenzen auf.) Im Konzertsaal des Schlosses wurde beispielsweise 1772 Haydns später sehr beliebte „Abschiedssymphonie“ uraufgeführt, bei der die Orchestermusiker, deren Part zu Ende ist, die Bühne verlassen, bis nur mehr Einer zu Ende spielt.

Wie anderes Esterházy-Eigentum in Ungarn wurde dieses Schloss nach 1945 vom kommunistischen Staat enteignet.

Heute ist der mittlere Teil des Schlosses als staatliches Museum zu besichtigen. In einem Seitenteil ist neben einer Fachmittelschule für Gartenbau eine kaufmännische Schule untergebracht, die mit der österreichischen Handelsakademie Frauenkirchen kooperiert. Dabei unterrichten in beiden Schulen Lehrer beider Länder zweisprachig.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Esterházy-kastély, Fertőd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Galerie [Bearbeiten]

47.62046111111116.871619444444Koordinaten: 47° 37′ 14″ N, 16° 52′ 18″ O