Schmalblättriges Weidenröschen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schmalblättriges Weidenröschen
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)

Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Unterfamilie: Onagroideae
Gattung: Weidenröschen (Epilobium)
Art: Schmalblättriges Weidenröschen
Wissenschaftlicher Name
Epilobium angustifolium
(L.) Holub

Das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium oder Chamerion angustifolium) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Es wird auch als Stauden-Feuerkraut, Waldweidenröschen oder Waldschlagweidenröschen bezeichnet.

Der deutsche Botaniker Christian Konrad Sprengel entdeckte 1790 an dieser Art die Fremdbestäubung.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration in Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, die 1885 in Gera erschien.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Das Schmalblättrige Weidenröschen wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 120, selten bis zu 200 Zentimeter. Sie bildet ein weit kriechendes Rhizom als Überdauerungsorgan. Die aufrechten, im Querschnitt runden bis stumpfkantigen und meist unverzweigten Stängel sind kahl oder nur schwach behaart und bis in die Spitze dunkel purpurn gefärbt.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von etwa 5 bis 20 Zentimeter und einer Breite von 1 bis 2,5 Zentimeter schmal lanzettlich. Die blaugrün gefärbte Blattunterseite weist deutlich hervortretende Blattnerven auf. Der schwach schwielige, gezähnte Blattrand ist nach unten gebogen.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Blütendetail. Deutlich erkennbar die vier dunkleren Kelchblätter
Fruchtstand

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. Die zahlreichen Blüten sind in einem langen, endständigen, traubigen Blütenstand angeordnet. Im Gegensatz zu den meist radiärsymmetrischen Blüten vieler Weidenröschen-Arten, sind die Blüten des Schmalblättrigen Weidenröschens zygomorph; diese Eigenschaft wird durch die Schwerkraft bedingt (Gravitropismus). Die rosa- bis purpurfarbenen Blüten sind etwa 2 bis 3 Zentimeter breit. Die vier Kelchblätter sind linealisch. Die vier heller gefärbten Kronblätter sind breit abgerundet bis leicht ausgerandet und kurz benagelt. Der am Grund meist etwas behaarte Griffel endet in einer vierteiligen Narbe.

Die Kapselfrucht schlank, lang, fachspaltig und rot überlaufen. Beim Aufspringen rollen die Klappen etwas zurück. Die winzigen Samen sind langlebig.

Ökologie[Bearbeiten]

Eine vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse und durch Verzweigungen des Rhizoms. Durch ihre Rhizome gilt das Schmalblättrige Weidenröschen als wichtiger Bodenfestiger.

Die Aufblühfolge ist von unten nach oben, wodurch die Fremdbestäubung gesichert ist. Es finden sich daher gleichzeitig Knospen, Blüten und Früchte an einer Pflanze. Bestäuber sind vor allem Hautflügler. Die zahlreichen Blüten dienen als gute Bienenweide.

Die Samen besitzen einen langen Haarschopf und können somit als typische Schirmchenflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von 20 Zentimeter / Sekunde Flugweiten von mindestens 10 Kilometer erreichen. Pro Pflanze werden hunderttausende Samen produziert, wodurch sehr schnell neue Flächen wie etwa Kahlschläge besiedelt werden können.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist auf der Nordhalbkugel zirkumpolar verbreitet. Die Vorkommen reichen bis weit in den Norden, in Europa bis weit nach Skandinavien. In den Alpen ist das Schmalblättrige Weidenröschen von der Tallage bis in Höhenlagen von 2000 Meter (in den Westalpen bis zu 2500 Meter) anzutreffen.

Als Standort bevorzugt dieser Rohbodenpionier Kahlschläge, Ufer, Böschungen, Fels- und Blockschutt, Trümmergrundstücke sowie Ruderalstellen im Allgemeinen. Die kalkmeidende Lichtpflanze gedeiht auf frischen, nährstoffreichen Lehmböden.

Wappen des Yukon-Territoriums mit Fireweed

Insbesondere nach Waldschlägen oder Waldbränden kann sie sich auf der entstandenen Lichtung sehr schnell ausbreiten. Von dieser Eigenschaft leitet sich der englische Name „Fireweed“ ab, welcher in Alaska und Kanada gebräuchlich ist. So findet sich Epilobium angustifolium auch im Wappen des kanadischen Yukon-Territoriums.

Aufgrund ihrer Eigenschaften als Pionierpflanze vermehrte sich das Schmalblättrige Weidenröschen stark auf den durch Luftangriffe und Bodenkämpfe des Zweiten Weltkriegs entstandenen städtischen Schutt- und Trümmerflächen. Die zuvor im urbanen Bereich ungewohnten bzw. unbekannten Pflanzen der Ruderalflora - insbesondere aber die Schmalblättrigen Weidenröschen - erhielten den volkstümlichen Namen Trümmerblumen.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 347 unter dem Namen Epilobium angustifolium. 1972 wurde sie durch Josef Holub in Folia Geobotanica et Phytotaxonomica, 7 (1), S. 86 unter dem Namen Chamerion angustifolium (L.) Holub in die Gattung Chamerion (Raf.) Raf. ex Holub gestellt. [1] Ein weiteres Synonym ist Epilobium spicatum Lam.. [2] In einer modernen phylogenetischen Analysen folgenden Revision der Onagraceae wurde die Gattung Chamerion 2007, nachdem sie zuvor mehrheitlich wieder verworfen war, wiederbelebt. [3] Chamerion und Epilobium s.str. stellen demnach Schwestertaxa dar, die eine monophyletische Gruppe bilden. Daher ist sowohl die Anerkennung als eigene Gattungen als auch die Behandlung als eine Gattung wissenschaftlich gerechtfertigt. Im englischsprachigen Raum wird Chamerion üblicherweise anerkannt, im deutschsprachigen Raum nicht. In Europa stößt man üblicherweise auf eine grobe Falschschreibung des Gattungsnamens: Chamaenerion.

Von Chamerion angustifolium sind mindestens zwei Unterarten anerkannt[2]:

  • Chamerion angustifolium (L.) Holub subsp. angustifolium
  • Chamerion angustifolium subsp. circumvagum (Mosquin) Hoch

Verwendung[Bearbeiten]

Die jungen unter- und oberirdischen Pflanzenteile können ähnlich dem Spargel als Salat oder Gemüse zubereitet werden. Junge, zarte Blätter sind zwar säuerlich im Geschmack (reich an Vitamin C), man kann sie aber mit milden Kräutern mischen oder als Teemischung genießen (auch als „koptischer Tee“ bekannt). Bienen, die die Pollen von Epilobium angustifolium sammeln, sollen besonders aromatischen Honig geben. Insbesondere die unterirdischen Pflanzenteile sind reich an Gerb- und Schleimstoffen. Früher (und teilweise auch heute noch) wurden aus den Samen des Schmalblättrigen Weidenröschen Kerzendochte geflochten.

Die nordamerikanischen Haida aus British Columbia und Alaska verarbeiteten die äußeren Fasern der Stängel zur Herstellung von Schnüren, aus welchen sie wiederum Fischernetze knüpften. Andere Indianer verwendeten die langen Samenhaare, um sie zusammen mit Ziegenwolle zu Decken und Umhängen zu weben.

Verwendung in der Heilkunde und medizinische Forschung

Epilobium angustifolium wird als Teedroge volkstümlich bei Prostataerkrankungen (v.a. benigne Prostatahyperplasie) und Magen- Darmerkrankungen eingesetzt. [4] In Versuchen zeigt sich eine antimikrobielle [5] Wirkung eines Extraktes aus Epilobium angustifolium. Bei hormonabhängigen Prostataadenomen konnten in einer Studie Auszüge aus verschiedenen Epilobiumarten, darunter auch E. angustifolium, die Apoptose der Krebszellen über eine Interaktion mit den Signalkaskaden in den Mitochondrien auslösen. [6]. Der polyphenolische Inhaltsstoff mit dem Namen Oenothein B aus E. angustifolium zeigt immunmodulatorische Wirkungen. [7]

Quellen[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  • Schmalblättriges Weidenröschen. In: FloraWeb.de. (Abschnitt Beschreibung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Epilobium angustifolium bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  2. a b Epilobium angustifolium im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3. Warren L. Wagner, Peter C. Hoch, Peter H. Raven: Revised Classification of the Onagraceae Systematic Botany Monographs 83, 2007, ISBN 978-0912861838
  4. Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004,, ISBN 3-440-09387-5,
  5. Kosalec I, Kopjar N, Kremer D..: [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23796429 Antimicrobial activity of Willowherb (Epilobium angustifolium L.) leaves and flowers.] Curr Drug Targets., 14. August 2013, abgerufen am 9. April 2014 (Wissenschaftliche Studie).
  6. Stolarczyk M, Naruszewicz M, Kiss AK.: [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23738732 Extracts from Epilobium sp. herbs induce apoptosis in human hormone-dependent prostate cancer cells by activating the mitochondrial pathway.] J Pharm Pharmacol, 1. Juni 2013, abgerufen am 9. April 2014 (Wissenschaftliche Studie).
  7. Schepetkin IA, Kirpotina LN, Jakiw L, Khlebnikov AI, Blaskovich CL, Jutila MA, Quinn MT.: [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19846877 Immunomodulatory activity of oenothein B isolated from Epilobium angustifolium.] J Immunol., 15. November 2009, abgerufen am 9. April 2014 (Wissenschaftliche Studie).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien