Schubladentest

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Der vordere beziehungsweise hintere Schubladentest (engl. Drawer test) ist eine Untersuchungsmethode in der Unfallchirurgie und Orthopädie. Der Schubladentest dient zusammen mit dem Lachman-Test der primären klinischen Diagnostik einer Ruptur des vorderen bzw. hinteren Kreuzbandes (Kreuzbandriss) des Kniegelenkes, durch Prüfung der anterioren (vorne liegend) und posterioren (hinten liegend) Translation (Parallelverschiebung).[1][2]

Durchführung[Bearbeiten]

Üblicherweise soll der zu testende Patient in Rückenlage das Knie in 90° gebeugter Position halten. Das Herunterhängenlassen des Unterschenkels, beispielsweise von der Untersuchungsliege, vermeidet dabei die meisten möglichen Fehlerquellen. Das gebeugte Knie wird dann vom Untersucher mit beiden Händen so umfasst, dass die Zeigefinger beider Hände in der Kniekehle des Patienten liegen. Der Unterschenkel wird nun nach vorn gezogen oder nach hinten gedrückt. Beim vorderen Schubladentest wird der Unterschenkel gegen den Oberschenkel ventral und beim hinteren Schubladentest entsprechend dorsal verschoben. Das Ausmaß der dabei möglichen Parallelverschiebung – in Relation zum nicht betroffenen Knie – ist zusammen mit der Qualität des Endpunktes der Verschiebung wichtig für die Beurteilung.[1][3]

Ergebnis[Bearbeiten]

Der jeweilige Schubladentest gilt als positiv, wenn der Unterschenkel gegen den Oberschenkel in der jeweiligen Richtung um mehr als 0,5 cm verschieblich ist. Bei positiver vorderer Schublade ist dann das vordere Kreuzband geschädigt, bei positiver hinterer Schublade das hintere. Zur Diagnosesicherung wird dann häufig noch eine Magnetresonanztomographie („Kernspin“) oder eine Arthroskopie durchgeführt. Bei letzterer ergibt sich gleichzeitig die Möglichkeit zur operativen Therapie in Form einer Kreuzbandteilresektion (bei Anriss), einer Refixation des ausgerissenen Bandes an seiner natürlichen Ansatzstelle oder einer Kreuzbandplastik.

Fehlerquellen[Bearbeiten]

Beim Schubladentest ist dessen exakte Durchführung für die Zuverlässigkeit der Diagnose von großer Bedeutung, da sowohl vorderer als auch hinterer Kreuzbandriss sich gegenseitig maskieren können, indem der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel in eine unnatürliche Position rutscht (VKB-Riss: nach vorn; HKB-Riss: nach hinten), so dass man dann bei „verrutschtem Knie“ den Riss des falschen Kreuzbandes diagnostiziert. Das Knie ist dann vermeintlich in die Richtung des intakten Kreuzbandes verschieblich. Deswegen soll das Knie vor dem Test immer in „Neutralstellung“ gebracht werden.

Im Vergleich zum Lachman-Test ist die Aussagekraft des Schubladentests geringer.[1][3][4][5]

Medizingeschichtliches[Bearbeiten]

Der Ursprung des Schubladentests ist weitgehend unklar. Paessler und Michel nennen Paul Ferdinand Segond, der 1879 erstmals eine ‚abnormale Mobilität des Knies‘ als Folge eines Kreuzbandrisses beschrieb.[6][7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c M. Wolter: Die Nachbehandlung der vorderen Kreuzbandplastik mit und ohne Orthese – eine Vergleichsstudie. (PDF; 961 kB) Dissertation, LMU München, 2009, S. 22.
  2. D. Kohn u. a.: Diagnostik der Ruptur des vorderen Kreuzbandes. In: Orthopäde 31, 2002, S. 719-730. PMID 12426750
  3. a b M. Rüegsegger und R. P. Jakob: Diagnostik frischer und chronischer Kniegelenkverletzungen. In: Orthopäde 22, 1993, S. 343–350. PMID 8309692 (Review)
  4. S. J. Kim und H. K. Kim: Reliability of the anterior drawer test, the pivot shift test and the Lachman test. In: Clin Orthop Relat Res 317, 1995, S. 237–242. PMID
  5. B. Beynnon u. a.: The measurement of anterior cruciate ligament strain in vivo. In: Int Orthop 16, 1992, S. 1–12. PMID 1572761
  6. H. H. Paessler und D. Michel: How new is the Lachman test? In: Am J Sports Med 20, 1992, S. 95–98. doi:10.1177/036354659202000122 PMID 1554082
  7. G. A. Malanga u. a.: Physical Examination of the Knee: A Review of the Original Test Description and Scientific Validity of Common Orthopedic Tests. In: Arch Phys Med Rehabil 84, 2003, S. 592–603. PMID 12690600 (Review)
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