Orthopädie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Qualitätssicherung

Artikel eintragen

Dieser Artikel wurde aufgrund von formalen und/oder inhaltlichen Mängeln auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion Medizin eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel aus dem Themengebiet Medizin auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Artikel, die in absehbarer Zeit nicht den Mindestanforderungen für medizinische Artikel genügen, werden gegebenenfalls gelöscht. Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich an der Diskussion!
Redaktion Medizin

Die Orthopädie (griech. ὀρϑός aufrecht und παιδεία Kindererziehung) befasst sich mit Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Geschichte[Bearbeiten]

Andrys Bäumchen

Geprägt wurde der Begriff 1741 von Nicolas Andry de Boisregard, einem Pariser Kinderarzt.[1] Andry verglich den Orthopäden mit dem Gärtner, der ein krummes Bäumchen an einen kräftigen Pfahl anschlingt. Seither ist diese Allegorie das Standessignum aller orthopädischen Fachgesellschaften.

2005 wurden die Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie zusammengelegt. Die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie ist in der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nicht mehr vorgesehen.[2]

Tätigkeitsfelder[Bearbeiten]

Gemeinsame „Schnittstellen“ von Orthopädie und Unfallchirurgie hat es immer gegeben. Dazu zählen Unfallfolgen und die Handchirurgie. Luxationen, Bänderrisse, Sehnenrisse, Achillessehnenrupturen und Patellarsehnenrupturen.

Degenerative Erkrankungen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Arthrose

Gonarthrose, Impingement-Syndrom, Omarthrose, Koxarthrose, Endoprothese, Korrekturosteotomie

Fehlbildungen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fehlbildung

Der Contergan-Skandal wurde zur traurigen Herausforderung der Orthopädie. Proximaler Femurdefekt, Osteogenesis imperfecta

Fußchirurgie[Bearbeiten]

Hallux valgus, Klumpfuß

Infektionen[Bearbeiten]

Osteomyelitis, Empyem, Gelenkinfektion Kosten, Zentren, Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken. Neben den Kriegsverletzungen hat die Tuberkulose das Fach entstehen lassen.

Kinderorthopädie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kinderorthopädie und Pädiatrie

Aseptische Knochennekrosen, Morbus Perthes, Patellaluxation, angeborene Pseudarthrosen. Jugendliche Hüftkopflösung, Hüftdysplasie , Angeborene Hüftluxation.

Muskeldystrophien, Zerebralparesen und Lähmungen.

Rehabilitation[Bearbeiten]

Privatwirtschaftliche Rehakliniken waren früher gesuchte Geldanlagen. Durch die Diagnosebezogenen Fallgruppen haben sie erheblich an Bedeutung gewonnen; denn die pauschalierten Endoprothesenpatienten bleiben aus Kostengründen nur noch wenige Tage in der Akutklinik.

Rheumatologie[Bearbeiten]

Die (nichteitrige) Arthritis und Polyarthritis ist eine Domäne der operativen Orthopädie und der orthopädischen Handchirurgie. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Internisten und Ergotherapeuten ist wesentlich. In Deutschland gibt es nur wenige „Rheumakliniken“. Synovialektomien, Arthrodesen

Sozialmedizin[Bearbeiten]

Erhebliche Bedeutung hat die Orthopädie in der Sozialmedizin. Die meisten Rentenansprüche wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden mit sog. Bandscheibenproblemen und Gelenkverschleiß begründet. Entsprechend wichtig sind orthopädische Gutachten für Sozialgerichte, Versorgungsämter und Rententräger.[3]

Sportmedizin[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sportmedizin

Sportmedizin gehört in den Vereinigten Staaten zur Orthopedic Surgery. In Deutschland wird sie eher von Innerer Medizin und Physiologie getragen.

Systemische Skeletterkrankungen[Bearbeiten]

Osteoporose, Osteomalazie

Technische Orthopädie[Bearbeiten]

Kriegsversehrte, Behinderte. Orthesen, Prothesen. Otto Bock ist der weltweit größte und bei weitem bedeutendste Konzern für Orthopädietechnik.

Der Orthopädieschuhtechniker fertigt Einlagen, Schuhzurichtungen und orthopädisches Schuhwerk.

Lehrstühle für Technische Orthopädie gibt es nur im Universitätsklinikum Münster und im Universitätsklinikum Heidelberg.

Tumorchirurgie[Bearbeiten]

Knochentumoren, Universitätsklinikum Münster

Wirbelsäule (Erkrankungen und Fehlformen)[Bearbeiten]

Skoliose, Kyphose, operative Korrektur und Korsettbehandlung.

Spondylitis, Tuberkulose.

Bandscheibenvorfälle werden fast nur noch von Neurochirurgen ( minimal-invasiv) operiert. Ischialgie. Spondylolisthesis, Scheuermann-Krankheit

Die Spondylitis ankylosans ist eine schwere (rheumatologische) Erkrankung. Im Prinzip ist sie nicht therapierbar. Wenn die Wirbelsäule bogig versteift ist und Patienten nur noch zu Boden schauen können, ist die Kolumnotomie zu erwägen.[4]

Diagnostik[Bearbeiten]

Wie schon immer reichen bei 80 von 100 Patienten Anamnese und klinischer Befund zur Diagnose. Technische Untersuchungen – Röntgen, Computertomografie, Kernspintomografie und Sonografie  – überdecken die Bedeutung der körperlichen Untersuchung, die kaum noch gelehrt und gelernt wird. Die Szintigrafie ist vor allem bei Infektionen sinnvoll. Über den Sinn der Osteodensitometrie lässt sich streiten.

Psychosomatik spielt in der (konservativen) Orthopädie eine große Rolle.[5]

Konservative Therapie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Polypragmasie

Die Übergänge zur Alternativmedizin – zum Chiropraktiker, Osteopathen und Heilpraktiker – sind fließend. Die Schmerztherapie obliegt der Anaesthesiologie.

Facharzt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Facharzt

Die Ausbildung zum heutigen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie beträgt 72 Monate. Sie verlangt 24 Monate Basisweiterbildung (common trunk) in chirurgischen Fächern und 48 Monate Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie. Davon kann ein Jahr in der Rehabilitation, in der Neurochirurgie und in einer Poliklinik oder Arztpraxis angerechnet werden.

„Zur fachärztlichen Weiterbildung gehören der Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Vorbeugung, Erkennung, operativen und konservativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen und deren Folgezuständen sowie von angeborenen und erworbenen Formveränderungen, Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane unter Berücksichtigung der Unterschiede in den verschiedenen Altersstufen. Dazu gehören die Behandlung von Schwer- und Mehrfachverletzten einschließlich des Traumamanagements neben den zur Versorgung im Notfall erforderlichen neurotraumatologischen, gefäßchirurgischen, thoraxchirurgischen und viszeralchirurgischen Maßnahmen in interdisziplinärer Zusammenarbeit.“

Weiterbildungsordnung der Sächsischen Landesärztekammer[6]

Die Bestimmungen sind von grotesker Realitätsferne. Durch die (ökonomisch erzwungene) Zusammenlegung der Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie lernt der Nachwuchs weder das eine noch das andere, erst recht nicht die Grundlagen der Viszeralchirurgie. Die Chefärzte und Klinikdirektoren sehen „die Misere“, können aber nichts ändern. Die verlangten Operationen sind von jeher illusorisch. Kein Assistenzarzt kommt in die Verlegenheit, ein Kind, eine Wirbelsäule oder ein Polytrauma zu „behandeln“.

Siehe auch: Chirurgie und Unfallchirurgie

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Terry Canale, James H. Beaty: Campbell's Operative Orthopaedics, 4 Bände, 12. Auflage. Mosby / Elsevier 2012. ISBN 978-0-323-07243-4.
  • Rüdiger Döhler: Lexikon Orthopädische Chirurgie. Springer, Heidelberg Berlin 2003, ISBN 3-540-41317-0.
  • Fritz Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis, 2 Bände, 2. Auflage. Thieme, Stuttgart 2006/2008. ISBN 978-3540256007.
  • Rüdiger Hepp, Hans-Ulrich Debrunner: Orthopädisches Diagnostikum, 7. Auflage. Thieme, Stuttgart. ISBN 978-3133240079.
  • Suresh Sivananthan, Eugene Sherry, Patrick Warnke, Mark D Miller (Hg.): Mercer's Textbook of Orthopaedics and Trauma, 10. Auflage. ISBN 978-0340942031.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Orthopädie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orthopädie, oder die Kunst, bey den Kindern die Ungestaltheit des Leibes zu verhüten und zu verbessern, dt. Reproduktion der Erstausgabe von 1744, bearbeitet von D. Wessinghage. Schattauer 1987.
  2. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bundesaerztekammer.deBundesärztekammer, Weiterbildungsordnung vom 25. Juni 2010
  3. Rüdiger Döhler: Aufgaben und soziale Aspekte der Orthopädie. Zentralblatt für Sozialversicherung, Sozialhilfe und Versorgung 39 (1985), S. 366–368.
  4. Kolumnotomie
  5. V. Köllner, S. Rupp: [Psychosomatic aspects in orthopedics]. In: Der Orthopäde 41 (2012), S. 136–146, ISSN 1433-0431. doi:10.1007/s00132-011-1864-9. PMID 22349371
  6. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.slaek.deWeiterbildungsordnung der Sächsischen Landesärztekammer