Schönbrunner Gelb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Seitenstettner Gelb)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Schönbrunner Gelb (auch Habsburgergelb, Kaisergelb, fälschlich Maria-Theresiengelb) ist die traditionelle Farbe österreichischer Repräsentationsarchitektur der Ausgehenden Barockzeit. Die Farbe ist ein erdiges rötliches Gelb. Sie entspricht der Farbnuance einer Färbelung mit dem Pigment Goldocker in Kalk. Eine dem Zeitgeschmack des späten 19. Jahrhunderts angepasste, pastelligere Nuance ist das Seitenstettner Gelb. Entsprechende farbliche Gestaltungen sind als Barockgelb im ganzen Raum von Bayern bis nach Böhmen, Ungarn und Slowenien verbreitet.

Schönbrunner Gelb[Bearbeiten]

Schönbrunner Gelb (Ocker)
(Farbcode: #F0D077)

Die Fassadenfärbelung österreichischer Prunkbauten mit dem aus Frankreich oder Italien stammenden Pigment Goldocker – in Kombination mit satten neutralwarmen Grautönen für Nullflächen – lässt sich bis in die Barockzeit nachweisen. Kaiser Joseph II. verordnete aber in 1780er-Jahren, alle Bauwerke des Staates Österreich-Ungarn und des Hauses Habsburg in diesem Ocker zu malen [1] (der Name ‚Maria-Theresiengelb‘ nach seiner Mutter Maria Theresia, die schon 1780 starb, ist insoferne irreführend). Die französische Importware – insbesondere aus den gerade wiederentdeckten Ockersteinbrüchen Südfrankreichs – war ausnehmend teuer, jedoch befanden sich Ockergruben in Böhmen in seinem Besitz, die den Bedarf decken konnten. Diese Verordnung kann als Musterbeispiel der physiokratischen und merkantilistischen Konzepte des Josephinismus gelten.

Namensgebend für die Farbe ist der Anstrich des Schlosses Schönbrunn in Wien.[2] 1817–1819 nimmt Johan Aman eine dem klassizistischen Zeitgeschmack entsprechende Vereinheitlichung und Vereinfachung der Fassade vor. Dieses Schönbrunner Gelb ist die Farbe, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Markenzeichen der k. u. k. Monarchie überhaupt werden sollte, da alle Bahnhöfe und Regierungsgebäude, zahlreiche Schlösser, Klöster, Kirchen, und – vom gehobenen Bürgertum, später auch dem Bauerntum übernommen – auch Villen, Stadthäuser und Bauernhöfe darin gehalten waren.

Technisch hergestellt wird die ursprüngliche Mauerfarbe Schönbrunner Gelb indem Kalk zunächst mit grünem Eisen(II)-sulfat (Grünsalz) eingefärbt wird. Durch Fällung und Oxidation entsteht das typische gelbe Eisen(III)-oxidhydroxid (FeO(OH)), welches den Farbton bestimmt. Bei Erwärmung, beispielsweise infolge eines Brandes, geht Eisen(III)-oxidhydroxid in rötlich-braunes Eisen(III)-oxid über.[3]

Seitenstettner Gelb[Bearbeiten]

Seitenstettner Gelb
(Farbcode: #FFE8A6)

Der Name leitet sich vom Stift Seitenstetten im niederösterreichischen Mostviertel ab. Sie geht auf ein etwas verblasstes Schönbrunner Gelb zurück und entspricht mehr den Zeitgeschmack des Neobarock. Der Farbauftrag erfolgt auf einen Rieselputz, Fenster, Simse und Gebäudeecken sind mit weiß gestrichenen Faschen gegliedert. Seitenstettner Gelb ist eine traditionelle Farbgebung für kirchliche und weltliche Gebäude (Pfarrhöfe, Vierkanter) im Mostviertel.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hueber 2005 S. 12
  2.  „Schönbrunner Gelb“-Kaiserlicher Trend mit Zukunft. In: Baumit Journal. Nr. 2, 2003, S. 5 (Interview mit dem Leiter der Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien, Universitätsdozent Mag.art Dr. Manfred Koller, zur Restaurierung der Westfassade von Schloss Schönbrunn, pdf, abgerufen am 12. November 2008).
  3. Historische und moderne Pigmente in der Denkmalpflege (PDF; 7,4 MB)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Friedmund Hueber, Magistrat der Stadt Wien – MA 19 (Hrsg.): Farbgestaltung historischer Fassaden in Wien. Wien 2005 (pdf, 6 MB, abgerufen am 15. August 2006).
Farb-Check-RGB.png

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird): Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt – den gebräuchlichen Wert für IBM-kompatible Computer. Apple-Macintosh-Rechner hingegen verwenden bis einschließlich System 10.5 („Leopard“) standardmäßig einen Gammawert von 1,8, seit dem System 10.6 („Snow Leopard“) kommt Gamma 2,2 zum Einsatz.