Selensulfide

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Als Selensulfide bezeichnet man die Verbindungen aus Schwefel und Selen. Die Einzelverbindungen liegen nach der Herstellung über die gängigen Synthesewege jedoch als Stoffgemisch vor, das auf Grund der durchschnittlichen Verhältnisformel häufig auch Selendisulfid genannt wird.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Struktur von 1,2,3-Se3S5

Das Gemisch der Selensulfide besteht aus Achtringen mit der variablen Zusammensetzung (SenS8−n).[1][2]

Aufgrund der typischen Zusammensetzung des Gemischs mit der Verhältnisformel SeS2 wird häufig auch von Selendisulfid gesprochen. Es hat einen Schmelzpunkt von < 100 °C,[3] trägt die CAS-Nummer 7488-56-4 und ist ein hell-orangefarbenes bis rotbraunes, in Wasser unlösliches Pulver. Bei der Einwirkung von Säuren entstehen giftige Schwefelwasserstoff-Dämpfe.

Die Verbindungen werden auch in pharmazeutischen Formulierungen als Gemisch eingesetzt.

Herstellung[Bearbeiten]

Die Selensulfide können direkt aus den Elementen Selen und Schwefel hergestellt werden:

\mathrm{Se + 2\ S \longrightarrow \ SeS_2}

Ebenso entstehen sie durch Reaktion von Selen(IV)-oxid mit Schwefelwasserstoff:

\mathrm{SeO_2 + 2\ H_2S \longrightarrow \ SeS_2 + 2\ H_2O}

Verwendung[Bearbeiten]

Selensulfide sind aufgrund ihrer fungiziden und gleichzeitig schuppenlösenden Wirkung eine häufige Komponente von Anti-Schuppen-Shampoos. Diese enthalten meist 1 % des Wirkstoffs. In höherer Konzentration (2,5 %) sind Selensulfide in apothekenpflichtigen Pasten und Suspensionen zur Behandlung des seborrhoischen Ekzems enthalten. Höhere Konzentrationen sind verschreibungspflichtig. Da Selensulfide nicht resorbiert werden, besteht bei korrekter Anwendung der Präparate keine Vergiftungsgefahr.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralf Steudel, Risto Laitinen: Cyclic selenium sulfides. In: Inorganic Ring Systems (=Topics in Current Chemistry. 102). Springer, Berlin / Heidelberg, 1982, ISBN 3-540-11345-2, S. 177–197, doi:10.1007/3-540-11345-2_11.
  2. Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage, de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 626 (Digitalisat).
  3. Eintrag zu Selendisulfid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Dezember 2009 (JavaScript erforderlich).

Weblinks[Bearbeiten]