Shell-Jugendstudie

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Die Shell-Jugendstudie ist eine empirische Untersuchung der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und des Sozialverhaltens von Jugendlichen in Deutschland, die vom Mineralölkonzern Shell seit 1953[1] herausgegeben wird.

Im Abstand von drei bis vier Jahren wird die Studie einem Wissenschaftlerteam in Auftrag gegeben. Die 14., 15. und 16. Shell-Jugendstudie wurde von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld durchgeführt. Die empirischen Erhebungen wurden durch TNS Infratest durchgeführt, bestehend aus Repräsentativerhebungen der 12 bis 25-jährigen Bevölkerung in Deutschland, die durch 20 biografische Porträts von Jugendlichen der gleichen Altersgruppe ergänzt wurden.[2] Die 14. (2002) und 15. (2006) Studie wurde von Klaus Hurrelmann geleitet, der auch die „kleine Schwester“[3][4] nach dem Vorbild[5] der Shell-Studie, die World Vision Kinderstudien über Kinder bis elf Jahren mit ähnlicher Thematik im Auftrag von World Vision Deutschland seit 2007 durchführt.[6] Für die 16. Studie 2010 zeichnen sein Bielefelder Kollege Mathias Albert gemeinsam mit Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel verantwortlich.

Studie 2006[Bearbeiten]

Die Studie dokumentiert sehr große Unterschiede der Geschlechter im Blick auf die Bildungsziele. Mädchen haben kreativeres Verhalten in der Freizeit. Dabei kombinieren sie häufig mediale Reize mit Aktivitäten für alle Sinne. Sie streben signifikant häufiger als Jungen eine anspruchsvollere Bildung mit Abitur als Fernziel an und zeigen mehr Ehrgeiz als Jungen, bei denen die ständige Beschäftigung mit elektronischen Medien im Vordergrund steht. Junge Männer können sich nur selten eine Arbeitsteilung mit einer Partnerin vorstellen und fixieren sich stattdessen auf Karriere und ein traditionelles Männerbild, ohne darauf viel Ehrgeiz zu verwenden. Sie vertrauen auf die männliche Vormachtstellung für beruflichen Erfolg und als Familienernährer. Junge Frauen zeigen mehr Ehrgeiz und schulische Erfolge. Nur noch 20 Prozent sind dem traditionellen Familienbild der „drei K: Kinder, Küche und Kirche“ verhaftet. Inzwischen steht neben diesen der eigene Wunsch nach Karriere.[7]

Studie 2010[Bearbeiten]

Gegenüber der Studie von 2006 erhöhte sich die Zahl der optimistischen Jugendlichen von 50 auf 60 Prozent. Dieser Trend ist jedoch sozial unterschiedlich ausgeprägt. Die Studie stellte eine Verschärfung der Kluft zwischen arm und reich fest, wie sie sich auch in der World Vision Kinderstudie gezeigt hat. Während die drei Viertel materiell mindestens einigermaßen gesicherten Jugendlichen überwiegend optimistisch sind, sind bei den Jugendlichen aus benachteiligten Familien nur 33 Prozent optimistisch (2 Prozent weniger als 2006 und 7 Prozent weniger als 2002). Der Bildungserfolg hängt in keinem anderen Land so stark von der Herkunft ab, wie in der Bundesrepublik. Junge Frauen haben bessere Chancen auf gute Bildungsabschlüsse als männliche Jugendliche. Die Jugendlichen – besonders die jüngeren – sind politischer geworden: 38 % der Befragten ordnete sich dem linken Lager zu, 29 % der Mitte und 18 % sahen sich selbst rechts der Mitte. Lediglich 14 % gaben an, politisch nicht positioniert zu sein.[8] Soziales Engagement ist vor allem bei Kindern von gebildeten oder wohlhabenden Familien verbreitet.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Rauschenbach: Kinder in Deutschland – eine Bilanz empirischer Studien. In: DJI Bulletin. DJG, 2009, archiviert vom Original am 30. Juli 2010, abgerufen am 30. Juli 2010.
  2. Universität Bielefeld: Shell Jugendstudie: Jugend 2006
  3. Andrea Barthélémy;sck/news.de/dpa: Arme Kinder blicken in eine düstere Zukunft. news.de, 1. Juni 2010, archiviert vom Original am 30. Juli 2010, abgerufen am 30. Juli 2010.
  4. C. Füller & W. Schmidt: Arme Kinder glotzen länger. In: taz. taz, 24. Oktober 2010, abgerufen am 30. Juli 2010: „Die neue Studie, die von World Vision unterstützt wird, ist gewissermaßen die kleine Schwester der Shell-Jugendstudie, mit der seit einigen Jahren mehr Wissen über die Lebenssituation der 12- bis 25-Jährigen zutage gefördert wurde.“
  5. FAZ.NET mit Material von dpa: Arme Kinder sehen wenig Chancen. FAZ, 24. Oktober 2007, archiviert vom Original am 30. Juli 2010, abgerufen am 30. Juli 2010: „Für die repräsentative Umfrage nach dem Vorbild der anerkannten Shell-Studie“
  6. Ursula Münch Kinder brauchen eine anregende Umwelt
  7. Klaus Hurrelmann: Lasst sie Männer sein. In: Zeit Online. Die Zeit, 27. Oktober 2008, archiviert vom Original am 30. Juli 2010, abgerufen am 30. Juli 2010.
  8. Mathias Albert, Klaus Hurrelmann, Gudrun Quenzel: 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010. Frankfurt/Main 2010. S. 135.
  9. Jana Frielinghaus: Die Kluft vertieft sich. In: junge Welt. 15. September 2010, S. 5.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Mathias Albert, Klaus Hurrelmann, Gudrun Quenzel: 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 2010, ISBN 978-3-596-18857-4.
  • Klaus Hurrelmann, Mathias Albert: Jugend 2006. 15. Shell Jugendstudie: Eine pragmatische Generation unter Druck. Fischer, Frankfurt 2006, ISBN 3-596-17213-6.
  • Alle Studien bis 2002: 50 Jahre Shell Jugendstudie. Ullstein 2002, ISBN 3-548-36426-8.

Weblinks[Bearbeiten]