Slowenische Mundarten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Da das slowenische Sprachgebiet durch die Jahrhunderte selten eine politische Einheit bildete und darüber hinaus die verschiedenen Täler bzw. Regionen durch die gebirgige Topographie voneinander isoliert waren, bildeten sich zahlreiche sehr unterschiedliche, aber auch sehr ursprüngliche Mundarten heraus. Diese lassen sich in sieben Gruppen zusammenfassen. Ein Sonderfall außerhalb dieser Kategorien ist das Resianische.

Die einzelnen Mundarten[Bearbeiten]

„Deutsch-windisches Wörterbuch“
Klagenfurt 1789
Oberkrainerisch
slow. Gorenjsko
Unterkrainerisch
slow. Dolenjsko
Primorsko
In der Primorska, dem Küstenland, gibt es den Wechsel von [g] nach [h], vor allem in der Region um die Stadt Nova Gorica.
Panonska Slovenščina[1]
Slovenskogoriško
Prleško
Prekmursko (Prekmurisch)
Haloško
Rovtarsko
Steirisch-Slowenisch (slow. Štajersko)
Dieser Dialekt wird in der slowenischen Region Štajerska (die ehemals zum Kronland Steiermark gehörige Untersteiermark) sowie in den zweisprachigen Ortschaften des österreichischen Bundeslandes Steiermark gesprochen, nicht jedoch in der westlichen Untersteiermark, wo das kärntnerische Slowenisch hereingreift. Charakteristisch ist das Vorhandensein des Lautes ü, der in der slowenischen Standardsprache unbekannt ist, z. B. „krüh“ für „kruh“ (Brot). Wo in der Hochsprache die Nachsilbe betont wird, wird im Steirischen meist der Stamm betont.
Resianisch
Resianisch verdient eine besondere Beachtung, da es sich mit dem frühen Wegbrechen sprachlicher Brücken sehr eigentümlich entwickelt hat. Ursprünglich kärntnerisch, orientierte es sich später stark am Küstenländischen, bevor auch diese Brücke brach. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte es eine eigene Literatursprache.

Kärntner Slowenisch[Bearbeiten]

Der Kärntner Mundartenzweig[2] des Slowenischen (slowenisch: Koroško) greift über die heutigen Grenzen Kärntens hinaus. Er wird in den zweisprachigen Gebieten gesprochen, die bis 1918 zum Herzogtum Kärnten gehörten (d. h. neben dem heutigen Bundesland das obere Kanaltal um Tarvis sowie das Mießtal). Zusätzlich ist die kärntnerisch-slowenische Dialektform im slowenischen Rateče (dt.: Ratschach), eine Ortschaft der Oberkrain (Gorenjska), sowie im untersteirischen Drautal verbreitet. Die Kärntnerischen Mundarten sind besonders ursprünglich.

Die Mundarten der Kärntner Slowenen lassen sich gliedern in:

Jauntalerisch
Jauntalerisch ist charakterisiert durch die reine Aussprache der Gaumenlaute, häufig nasale Behandlung des A-Vokals und durch das Vorsetzen eines š vor das Demonstrativpronomen (što, štu, šteka), nach diesen Merkmalen werden die Bewohner dieser Gebiete auch Štekarji genannt. Als Untergruppe des Jauntalerischen kann man die Obirmundart sehen, die unter Einfluss des Oberkrainerischen steht.
Rosentalerisch
Rosentalerisch ist gekennzeichnet durch den häufigen Gebrauch des Halbvokals, eine weit reichende Vertauschung des E-Lauts und eine konsequent durchgeführte Assimilation des dem L vorangehenden Vokals in Endsilben. Weiters wird das K extrem weich ausgesprochen.
Gailtalerisch
Gailtalerisch zeichnet sich durch eine beträchtliche Anzahl von Archaismen aus.

In den heute deutschsprachigen Gebieten lässt sich bis hinauf ins obere Mölltal der slawische Unterboden an Orts- und Flurnamen festmachen. Überdies haben sich Deutsch und Slowenisch durch die Jahrhunderte in Klang und Wortschatz gegenseitig beeinflusst.

Windisch
Siehe auch: Windischentheorie
Die Bezeichnung Windisch (in Norddeutschland Wendisch) wurde im deutschsprachigen Raum ursprünglich für alle slawischen und insbesondere in Südösterreich als Bezeichnung der slowenischen Sprache verwendet. Als Sammelbegriff der in Kärnten gesprochenen slowenischen Dialekte wird er teilweise bis heute (vor allem von deutschnationalen Kreisen) benutzt. Da dieser Begriff jedoch historisch belastet ist, wird er von einem großen Teil der Kärntner Slowenen abgelehnt. In den Volkszählungen wird Windisch neben dem Slowenischen als eigene Sprachkategorie geführt.

Sprachliche Phänomene[Bearbeiten]

Wechsel von [g] nach [h][Bearbeiten]

Auffällig ist in vielen slowenischen Mundarten der Ersatz des durch „g“ wiedergegebenen Konsonanten [g] durch [h] - nicht zu verwechseln mit [x], das im Slowenischen durch „h“ wiedergegeben wird. Der Name „Gregor“ wird dann z. B. als „hrehor“ ausgesprochen. Dieses Phänomen tritt unter anderem im Küstenland (Primorsko), in Oberkrain und in Kärnten auf.

Dieser g/h-Wechsel kommt in den slawischen Sprachen öfter vor und unterscheidet oft die einzelnen Sprachen voneinander (z. B. Grenze heißt auf Tschechisch hranice, auf Kroatisch granica; Stadt auf Russisch gorod, auf Ukrainisch horod).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PANONSKA NAREČJA (slowenisch, abgerufen am 13. Juni 2010)
  2. Carl Pečnik: Praktisches Lehrbuch der slovenischen Sprache für den Selbstunterricht: Theoret.-prakt. Anl. Hartleben Verlag, Wien/Leipzig o. J. [1919], S. 106 ff. (Eintrag der sechsten Ausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek)

Weblinks[Bearbeiten]