Speispinnen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Speispinnen
Speispinne (Scytodes thoracica)

Speispinne (Scytodes thoracica)

Systematik
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Überfamilie: Scytodoidea
Familie: Speispinnen
Wissenschaftlicher Name
Scytodidae
Blackwall, 1864
Gattungen
  • Dictis
  • Scyloxes
  • Scytodes
  • Soeuria
  • Stedocys

Speispinnen (Scytodidae), auch Leimschleuderspinnen, jagen ihre Beute durch aus den Kieferklauen (Cheliceren) ausgeschleuderte Leimfäden. Sie sind nicht zu verwechseln mit der manchmal ebenfalls "Speispinnen" genannten Familie Sicariidae.

Die einzige in Mitteleuropa heimische Art dieser Familie, die drei bis sechs Millimeter große Scytodes thoracica bewohnt in Mitteleuropa ausnahmslos Gebäude.

Beschreibung[Bearbeiten]

Angehörige der Speispinnen sind die einzigen Webspinnen, die ihre Beute aus der Distanz überwältigen. Ihre Beute lokalisieren sie mit Becherhaaren (Trichobothrien) am vorderen Beinpaar. Sie spucken aus umgewandelten Giftdrüsen durch vergrößerte Chelicerenöffnungen ein Gemisch aus Gift und Leim bis zu 20 Millimeter weit auf ihre Beutetiere. Die umgewandelten Giftdrüsen besitzen eine Vorratskammer im Vorderkörper der Spinne, die durch Muskelkontraktion entleert wird. Die Beutetiere werden in 140 ms durch den sowohl horizontal wie vertikal, etwa 20 mal zick-zack-förmig und exakt gespuckten Leim am Untergrund festgeklebt und durch das Gift betäubt, um verspeist zu werden. Zuweilen oszillieren die Cheliceren nur horizontal oder nur vertikal. Warum das so ist, ist noch unklar. Leim und Gift wirken sofort. Die Beute wird nach Größe und Schnelligkeit der Bewegungen ausgesucht.

Die Spinnwarzen sind trotzdem vorhanden. Die Männchen stellen vor der Kopulation einen Faden her, der dann vom dritten Beinpaar gehalten und über die Geschlechtsöffnung gestreift wird, um das Sperma aufzunehmen. Das Sperma wird dann von Verdickung der Pedipalpen (Kiefertaster), in die Bulben aufgenommen. Die Bulben schließlich werden in die Geschlechtsöffnung (ohne Epigyne) des Weibchens eingeführt. Das Weibchen spinnt einen Eisack, den sie mit den Cheliceren festhält und unter dem Sternum – an der Brust – mit sich herum trägt.

Gattungen und Arten[Bearbeiten]

In der Familie sind derzeit 158 Arten in 5 Gattungen bekannt:

Fossile Belege[Bearbeiten]

Fossile Speispinnen sind äußerst selten. Aus eozänem Baltischen Bernstein und dem überwiegend etwas jüngeren Dominikanischen Bernstein wurden einige Exemplare geborgen, die alle der Gattung Scytodes angehören.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg Wunderlich: Die ersten fossilen Speispinnen (Fam. Scytodidae) im Baltischen Bernstein (Arachnida: Araneae). In: Mitt. Geol.-Paläont. Inst. Univ. Hamburg, Hamburg 1993.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Speispinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien