Sportökologie
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Die Sportökologie beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Sportbetriebs auf Natur und Umwelt.
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[Bearbeiten] Umweltpolitische Grundsätze des deutschen Sportbundes
Sport, Bewegung und Spiel sind wesentliche Elemente des menschlichen Daseins. Natur und Umwelt sind die Grundlagen des Lebens. Sie zu pflegen und zu erhalten liegt auch in der Verantwortung des Sports. Es nimmt sie wahr im Sinne der Agenda 21 der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 und gemäß der Verpflichtung, der sich das Internationale Olympische Komitee verschrieben hat.
Sport in Sportstätten und in der freien Natur ist eine wesentliche Voraussetzung körperlicher Leistungsfähigkeit, bietet Ausgleich für Bewegungsarmut, fördert gesellschaftliche und soziale Lebensfreude und ist besonders auch für Jugendliche ein Element erfüllter Freizeit.
Unsere Gesellschaft beansprucht heute die Lebensgrundlage Natur und Umwelt übermäßig. Die belastenden Faktoren gehen global weit über den Einfluss des Sports hinaus. Die Auswirkungen auf Luft, Wasser und Landschaft beeinträchtigen aber auch den Sport. Es hat somit ein ureigenes Interesse, zur allgemeinen Umweltvorsorge beizutragen.
Für den Deutschen Sportbund ist es ein wichtiges Ziel, die Lebensgrundlagen und damit die Voraussetzungen für eine weit gefächerte Sportausübung in Natur und Landschaft dauerhaft zu sichern. Sportliche Ansprüche orientieren sich daran, dass die gleichen Möglichkeiten auch künftigen Generationen erhalten bleiben.
[Bearbeiten] Landschaftsverbrauch
Alle Sporteinrichtungen benötigen Fläche und verbrauchen somit Landschaft. 1921 kam im Durchschnitt auf 80.000 Einwohner nur je ein Sportplatz. 1929 legte Karl Diem ein Sportplatz-Gesetz vor, in dem jedem Einwohner eine 3 m² große Sportfläche zur Verfügung gestellt werden sollte. Dieser Wert lag weit unter den Berechnungen anderer Wissenschaftler, die bis zu 5 m² pro Kopf forderten. Jedoch wurde Diems Gesetzesentwurf zur dieser Zeit nicht angenommen.
Erst mit dem wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zunehmend Zivilisationserkrankungen auf Grund von Bewegungsmangel auf, und das machte auf das Fehlen geeigneter Sportflächen aufmerksam. 1960 verabschiedete dann schließlich das Deutsche Olympische Komitee einen Plan, der auf Basis Diems geforderter 3 m² pro Kopf entstanden war. Von da an gaben Bund und Länder bis 1975 17,4 Mrd. Mark aus.
Heute gibt es in der Bundesrepublik ca. 80.000 Sportplätze und Sporthallen. Ihre Gesamtfläche beträgt etwa 230 km². Die Fläche, die von Natursportarten beansprucht wird, lässt sich nur schwer beziffern, die Fläche der Skipisten liegt jedoch in etwa im Umfang von 50 km². Hinzu kommen noch die für die Infrastruktur benötigten Flächen wie Parkplätze etc. Diese Flächen sind für die Dauer der Nutzung dauerhaft beansprucht und lassen keinerlei natürliche Entwicklung mehr zu, im Gegensatz zu anderen Sportarten, die vorhandene Gegebenheiten nutzen, wie z.B. die verschiedenen Wassersportarten wie segeln oder surfen.
Der Bau von Golfplätzen wird oft wegen hohen Flächenverbrauchs kritisiert. Für eine durchschnittlichen Golfanlage mit 18 Spielbahnen inklusive infrastruktureller Einrichtungen (Parkplatz, Clubhaus) werden 60 bis 80 ha Flächenbedarf kalkuliert. Bei derzeit etwa 670 Golfplätzen in Deutschland (davon ungefähr ein Drittel mit weniger als 18 Spielbahnen) errechnet sich ein Gesamtverbrauch von ca. 400 km². Allerdings ist die Thematik deutlich komplexer, da die Fläche zu etwa 75% naturbelassen bleibt (siehe Golfplatz (ökologische Aspekte)).
[Bearbeiten] Beeinträchtigungen von Lebensräumen und Lebensgemeinschaften
Durch den Bau von Sportanlagen werden Natur und Landschaft verändert. Unterscheiden muss man naturgebundene und anlagengebundene Sportarten. Kritisch sind Anlagen einzustufen, die tief in die Natur eingreifen, so z.B. Aufstiegshilfen beim Skilaufen oder Planierungsarbeiten beim Pistenbau. Großflächig werden Bäume für Sesselbahnen und Lifte gefällt. Diese Eingriffe hinterlassen weiträumige Steinwüsten und vegetationsarme Strecken. Die ohnehin schon empfindlichen Höhenlagen sind der Erosion schutzlos ausgeliefert.
Ein Großeingriff in die Natur kann auch der Bau eines Golfplatzes sein, wenn nämlich eine große Anzahl an Erdbewegungen zum Geländeausgleich benötigt wird. Bei unsachgemäß ausgeführten Bauarbeiten kann es zu irreversiblen Verdichtungen des Erdreichs kommen. Dies kann, wie auch der Einbau ungeeigneter Drainagesysteme, den Grundwasserhaushalt der Umgebung negativ beeinflussen.
Eine Bedrohung für die Natur stellen auch Sportler dar, die sich nicht an die vorgeschriebenen Sportanlagen halten und z.B. abseits der Piste fahren. Dort zerstören sie mit den Kanten ihrer Skier junge Bäume, die die nächste Waldgeneration darstellen würden. Außerdem scheuchen sie Wild auf.
Wassersportler können Uferbereiche stören, in denen sich empfindliche Lebensvorgänge wie Brut und Jungenaufzucht von Vögeln oder das Laichen von Fischen abspielen, was sich auf bestimmte Tierarten bestandsgefährdend auswirken kann. Ähnliche Probleme treten auch bei harmlos erscheinenden Sportarten wie Orientierungslauf, Drachensteigen oder Bergsteigen auf. Denn auch diese können Lebensbereiche von Tieren stören.
Ein weiteres Problem ist auch die zunehmende ganzjährige Nutzung der Naturflächen. So wird die Skisaison auf Grund von Skikanonen weiter nach vorne und hinten ausgeweitet. Außerdem werden die Almen zunehmend für den Wandersport und das Mountainbiking genutzt. Häufig stimmt auch die Zeit, in der bestimmte Sportarten ausgeübt werden, mit der Zeit besonders empfindlicher Lebensvorgänge überein. So stört Langlaufen am Ende des Winters die Auerhahnbalz und Kajak fahren zur Zeit der Schneeschmelze die Brutzeit der Wasservögel.
[Bearbeiten] Umweltverschmutzung
Neben dem Benutzen der natürlichen Ressourcen ist auch die Anreise dorthin ein ökologisches Problem. Die Besucher reisen mit verschiedensten Transportmitteln wie PKW oder Motorrad an und benötigen dafür eine gewisse Infrastruktur. Außerdem werden Schadstoffe emittiert. Da viele sportliche Wettkämpfe Massenveranstaltungen sind, ist auch die Last, die durch den Abfall entsteht, nicht außer Acht zu lassen. Diese Probleme sind jedoch nicht sportspezifisch.
Problematisch können auch die verwendeten Stoffe beim Bau von Sportanlagen sein. So werden für die Kunststoffbeläge der verschiedenen Tartanbahnen zum Teil giftige synthetische Stoffe verwendet. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurde bis 1991 für den Bau von Sportstätten dioxinverseuchte Schlacke aus ehemaligen Kupferhütten benutzt.
Sportler benötigen für das Ausüben ihres Sports viele Ausrüstungsgegenstände. In Deutschland gibt es 26 Millionen Vereinssportler und noch mal 10 Millionen geschätzte nicht organisierte Sporttreibende. Diese 36 Millionen Sportler benötigen jeweils mehrere Ausrüstungsgegenstände, die gegebenenfalls jährlich ersetzt werden. So werden in Deutschland jährlich 20 Millionen Paar Sportschuhe verkauft, 25 Millionen Tennisbälle, 4,8 Millionen Golfbälle und 670.000 Paar Skier.
[Bearbeiten] Ursachen
Sport hat sich über die Jahre zu einer populären Beschäftigung für eine immer breiter werdende Schicht entwickelt. Waren es früher nur die reicheren Schichten, die es sich leisten konnten Zeit und Geld in einen Sport zu investieren, so fahren heute sehr viel mehr Leute in einen Sporturlaub oder integrieren den Sport in ihren Alltag. Dafür werden immer mehr Anlagen gebaut und immer größere Flächen benötigt.
In der heutigen Arbeitswelt haben sich kürzere Arbeitszeiten durchgesetzt. Damit übertrifft heutzutage die Freizeit die Arbeitszeit, und die Mobilität ist ebenfalls deutlich höher als früher. Die körperlich leichter gewordene Arbeit kann auch einen Mangel an ausreichender Bewegung zur Folge haben.
[Bearbeiten] Lösungsansätze
Fahrten ins Umland können reduziert werden, wenn man in den großen Ballungszentren attraktive Sportmöglichkeiten einrichtet.
Es gibt Bestrebungen die knappen Naturräume sinnvoll zu nutzen und Flächen, in denen sich gefährdete Arten befinden, dafür komplett für Sport und Freizeit zu sperren. Viele Sportarten können auf naturschonende und auf naturzerstörende Art ausgeübt werden.
Andererseits gibt es Regionen, die fast gänzlich vom Tourismus leben. In Österreich gibt es zum Beispiel in vielen Gebieten kaum einen Arbeitsplatz, der nicht in der einen oder anderen Form von Touristen, die zum Skifahren kommen, abhängt. Ein weitgehendes Sportverbot scheint daher nicht durchsetzbar, insoweit sollte in jedem Einzelfall ein vernünftiger Kompromiss gesucht werden.
[Bearbeiten] Literatur
- Fritz Seewald, Elvira Kronbichler, Stefan Größing: Sportökologie. Eine Einführung in die Sport- Natur- Beziehung. UTB, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-825-22027-3

