Arbeitszeit

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Arbeitszeit wird die Zeit genannt, in der ein Mensch einer Arbeit nachgeht. Die Zeit, in der dies nicht der Fall ist, wird Freizeit genannt, obwohl oftmals in der „Freizeit“ Tätigkeiten verrichtet werden, die ebenfalls in einem weiteren Sinn als „Arbeit“ bezeichnet werden könnten. In einem engeren Sinne ist Arbeitszeit die Zeit, in der Arbeitnehmer im Rahmen ihres Arbeitsverhältnisses tätig sind. Maßstab ist in Deutschland das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) mit dem Arbeitgeber als Normadressaten. Der Artikel behandelt den Sachverhalt im Sinne dieser engeren Definition.

Definition „Arbeitszeit“[Bearbeiten]

Nach der EU-Arbeitszeitrichtlinie 93/104/EG ist die Arbeitszeit „jede Zeitspanne, während der ein Arbeitnehmer gemäß den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften und/oder Gepflogenheiten arbeitet, dem Arbeitgeber zur Verfügung steht und seine Tätigkeit ausübt oder Aufgaben wahrnimmt“. Dies schließt Bereitschaftsdienste ein. Das deutsche Arbeitszeitgesetz definiert Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen (§ 2 ArbZG).

Danach fallen, wenn betrieblich nichts anderes üblich ist, Waschen und Umkleiden vor und nach der Arbeit, auch wenn sie im Betrieb erledigt werden, nicht unter den Begriff der Arbeitszeit.[1]

Arbeitszeitgesetz[Bearbeiten]

Die Länge der Arbeitszeit regelt normalerweise ein Arbeitsvertrag. Sie hat häufig direkten Einfluss auf die Berechnung des Entgeltes für die geleistete Arbeit. Eine vertragliche Regelung der Arbeitszeit findet ihre Grenzen jedoch stets im Arbeitszeitgesetz (ArbzG). Durch Tarifverträge können engere Grenzen, aber teilweise auch über die Begrenzungen des ArbZ hinausgehende Regelungen (§ 7 ArbZG) vereinbart werden.

Die Rahmenbedingungen der maximal erlaubten Arbeitszeit legen in Deutschland das Arbeitszeitgesetz und darauf basierend Tarifverträge oder Einzelvereinbarungen fest. Bei Beamten gelten Arbeitszeitverordnungen (siehe auch Umkleide- und Rüstzeit).

Beispiel: § 3 ArbZG ordnet an, dass die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten darf (maximale Höchstdauer). Nach § 3 Satz 2 ArbZG ist in Ausnahmefällen eine Ausdehnung auf werktäglich zehn Stunden jederzeit zulässig. Voraussetzung ist aber, dass innerhalb eines sog. Ausgleichszeitraumes von sechs Monaten oder 24 Wochen ein Durchschnitt von acht Stunden werktäglich erreicht wird. Die Einhaltung der Regelungen wird von der Gewerbeaufsicht, auch auf Anfrage, kontrolliert und ist mit Ordnungs- und Strafvorschriften bewährt.

Mitbestimmung[Bearbeiten]

In Betrieben mit Betriebsrat hat diese Mitarbeitervertretung über den Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen und der Verteilung der Arbeitszeit auf mehrere Wochentage mitzubestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Mitbestimmung gilt auch für die vorübergehende Verkürzung und Verlängerung der Arbeitszeit (§ 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Der Betriebsrat übt seine Mitbestimmung bei der Arbeitszeit auch unter Berücksichtigung des Arbeitsschutzes aus (so verweis von § 5 Abs. 3 Nr. 4 ArbSchG auf § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG). Vergleichbares gilt im öffentlichen Dienst bez. der Beteiligungsrechte des Personalrates.

Schichtarbeit[Bearbeiten]

Schichtarbeit zeichnet aus, dass mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten am gleichen Arbeitsplatz oder an der gleichen Arbeitsaufgabe arbeiten (z. B. in der Frühe und am Abend) oder Personen zu sehr ungewöhnlichen Zeiten arbeiten (z. B. in der Nacht). Schichtarbeit führt zu erhöhter physischer und psychosozialer Belastung und bringt auch höhere Fehler- und Unfallrisiken mit sich. Die Verbreitung von Schichtarbeit ist von Land zu Land sehr unterschiedlich, nimmt in der jüngeren Zeit aber zu.

Arbeitspausen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Arbeitspause

Unter Arbeitspausen werden verschiedene Begriffe subsumiert:

  1. Ruhezeit: Arbeitsfreie Zeit zwischen den einzelnen Arbeitstagen
  2. Ruhepausen = Arbeitspause im engeren Sinn: gesetzlich festgelegte Pausen innert eines Arbeitstages, die in der Regel nicht zur Arbeitszeit zählen. Neben der Erholung sind sie v.a. zur Einnahme einer Mahlzeit in geeigneter Umgebung und der Aufnahme sozialer Kontakte gedacht.
    • Die Arbeit soll jedoch so gestaltet sein, dass eine Erholung nicht notwendig wird (siehe Arbeitsstrukturierung).
  3. Kurzpause -- eine Arbeitsunterbrechung kürzer als 15 min.
  4. Erholungszeit: Zeit, die für eine Erholung nach einer Arbeit mit einer Belastung über der Dauerleistungsgrenze gewährt wird (siehe: Ablaufart). Sie ist Arbeitszeit und wird sinnvollerweise unmittelbar nach der Belastung gewährt.

Flexibilisierung der Arbeitszeit[Bearbeiten]

Hauptartikel: Flexible Arbeitszeit

Zusätzlich wird auch immer wieder über Arbeitszeitflexibilisierungen diskutiert, die vom Modell der Regelarbeitszeit abweichen. Damit sind verschiedene Arbeitszeitmodelle gemeint wie Jahresarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitarbeit, Arbeitsplatzteilung, Lebensarbeitszeitkonto, Modulare Arbeitszeit, Telearbeit, Zeitautonome Arbeitsgruppen, Arbeit auf Abruf, Individuelle Arbeitszeit und Sabbatical.

Bei der Berechnung des Entgeltes werden unterschiedliche Modelle zu Grunde gelegt. Es gibt Arbeitsverhältnisse, in denen nur die jeweiligen Arbeitsstunden entgolten werden und andere, bei denen eine feste monatliche Grundvergütung unabhängig der von der Anzahl der Arbeitstage abhängigen Anwesenheitszeit gezahlt wird. Insgesamt gesehen, erleichtert eine geringere tatsächliche Wochenarbeitszeit die Flexibilisierung erheblich, da auf mehr Freizeiträume zurückgegriffen werden kann. Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hängen sehr stark von den konkreten Vereinbarungen (zum Beispiel Ankündigungsfristen von Veränderungen), vom Umfeld (zum Beispiel Verkehr, Kinderbetreuung) und davon ab, ob Beschäftigte selbst relevanten Einfluss auf die Festlegung der Zeiten haben.

Die konkreten Formen und die Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle unterscheiden sich sehr stark von Land zu Land.

Die „Atmende Fabrik“ bezeichnet in diesem Zusammenhang ein sehr flexibles (produktionsorientiertes) Unternehmen, das eine gute Reaktionsfähigkeit gegenüber der Auftragslage aufweist. So ist es einem solchen Unternehmen möglich, durch flexible Arbeitsverträge bei einer hohen Nachfrage mehr zu produzieren, im anderen Fall weniger. Erreicht wird das beispielsweise durch zusätzliche Schichten oder Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Typisch ist das in der Computerindustrie oder generell in der Montage elektronischer Konsumprodukte.

Ein langes Wochenende (Samstag und Sonntag) im Kreise der Familie ist heute für viele Beschäftigte in Deutschland immer weniger möglich. Gut 45 Prozent von ihnen arbeiteten 2008 zumindest gelegentlich wie an anderen Werktagen.[2]

Historische Veränderung der Arbeitszeit[Bearbeiten]

Mit Ausnahme der vergangenen 10 Jahre war in Europa ein Trend zu kürzeren Arbeitszeiten festzustellen.

Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass eine Arbeitszeitverkürzung nicht mit einem Rückgang der Produktion verbunden sein muss. „Tatsache ist, dass sich das Arbeitsvolumen, das heißt, die Zahl der effektiv geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung von 1900 bis zum Jahr 2000 recht genau halbiert hat. ... Richtig ist, dass heute – jedoch aufgrund des Produktivitäts-Fortschritts – pro Kopf der Bevölkerung die sechsfache Menge an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet wird wie vor 100 Jahren“.[3]

Im Vergleich des gesamtdeutschen Arbeitsmarkts von 2008 mit dem der Bundesrepublik (ohne DDR) von 1960 hat das Arbeitsvolumen nur um 2,7% zugenommen, zugleich ist aber das Potenzial der Erwerbspersonen um 69% von 26,3 Millionen auf 44,4 Millionen Personen gewachsen.[4]

Im 20. Jahrhundert kam es in Deutschland zu einer stetigen Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit. 1900 wurden der 10-Stunden-Arbeitstag (in einer Sechs-Tage-Woche) und 1918/19 der Acht-Stunden-Arbeitstag gesetzlich geregelt. 1955/56 wurde in der Bundesrepublik die Fünf-Tage-Woche schrittweise realisiert, 1965 die 40-Stunden-Woche. In der DDR wurde die Fünf-Tage-Woche nach einer Regelung für jede zweite Woche 1966 durch den Ministerratsbeschluss vom 3. Mai 1967 im Sommer 1967 endgültig für alle Wochen eingeführt. Ab 1990 wurde in einigen Branchen eine 35-Stunden-Woche eingeführt. Seit Ende der 1990er Jahre wurden die Arbeitszeitverkürzungen vielerorts zurückgenommen und die Arbeitszeit teilweise (Beamte in Bayern, Thüringen und Hessen) auf bis zu 42 Stunden die Woche verlängert.

Bewertung von Arbeitszeitänderungen[Bearbeiten]

Ob Arbeitszeitverkürzungen oder Arbeitszeitverlängerungen für „Normalarbeitskräfte“ [5] (d.h. Vollzeiterwerbstätige) sinnvoll sind, ist seit jeher umstritten. Die Veränderungen der gesellschaftlich üblichen Arbeitszeit verändert das Angebot an Arbeitskräften. Ein sinkendes Angebot stärkt die Gewerkschaftsseite bei Tarifvertragsverhandlungen, ein steigendes die der Arbeitgeber. Entsprechend befürworten Gewerkschaften überwiegend Arbeitszeitverkürzungen, von Arbeitgeberseite wird hingegen ein Anstieg der Arbeitszeit als sinnvoll angesehen.

Die Frage nach einer „optimalen“ Arbeitszeit ist ebenso strittig. Die Neoklassische Theorie argumentiert: Je länger die Arbeitszeit, umso höher ist die erzeugte Menge an Waren und Dienstleistungen und damit der Arbeitslohn. Mit steigender Arbeitszeit nimmt das Arbeitsleid zu. Eine optimale Arbeitszeit ist daher die Arbeitszeit, in der der Grenznutzen des höheren Lohns dem Grenzschaden des zusätzlichen Arbeitsleides entspricht. Dies erklärt auch zum Teil die Reduzierung von Arbeitszeit in der Vergangenheit: Den Menschen ist frei verfügbare Zeit vielfach mehr Wert als zusätzliches Einkommen.

In diesem Kontext werden auch gesundheitliche Aspekte diskutiert. Überlange Arbeitszeiten sind eine Quelle gesundheitlicher Belastung. Ein Indiz hierfür ist die Korrelation zwischen verkürzten Arbeitszeiten und längerer Lebenserwartung. Mit einer längeren Arbeitszeit können Überlastung und Überforderung der Beschäftigten einhergehen. In der Folge können sich z.B. die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankung (Burnout-Syndrom) erhöhen.[6] Der Zusammenhang zwischen steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz, wachsendem Stress, zunehmendem Konkurrenzdruck und Erkrankungen ist evident.[7]

Das Thema ist auch Teil der Wachstumskritik. Wachstumskritiker fordern ein Umdenken beim Thema Arbeitszeit und eine Abkehr vom einseitig ökonomistisch geprägten Denken, wonach die Menschen „leben, um zu arbeiten, arbeiten, um zu verdienen und verdienen, um zu konsumieren“.[8] Arbeit und Leben müssten miteinander in Balance gebracht werden. Das Dogma der 40-Stunden-und-mehr-Woche sei überholt. Es stamme aus dem industriellen Zeitalter.

Die Debatte um die „richtige“ Arbeitszeit behandelt auch die Frage der Work-Life-Balance. Kürzere Arbeitszeiten ermöglichten es den Menschen, sich intensiver ihren Beziehungen zu widmen. Sie erlaubten mehr Raum für Muße, um das Leben zu genießen. Zudem helfe eine kürzere Wochenarbeitszeit, mit kostbaren Ressourcen sorgsamer umzugehen und sich umweltbewußter zu verhalten.[9]

Daneben wird die Frage der Arbeitszeit im Zusammenhang mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung diskutiert. Während eine längere Arbeitszeit zu einer Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes führt, soll eine Arbeitszeitverkürzung — bei gleichbleibender Produktivität — nach Ansicht einiger Forscher[9] dazu führen, soziale Ungleichheit in der Gesellschaft zu verringern. Erwerbslose könnten demnach besser in den Arbeitsmarkt integriert werden, da die Arbeit auf eine größere Anzahl von Beschäftigten verteilt werden müsste. Ferner ermögliche sie eine gerechtere Arbeitsteilung unter den Geschlechtern. Männern wie Frauen bliebe mehr Zeit für volkswirtschaftlich relevante, jedoch unbezahlte Arbeit in der Familie (Haushalt, Kinder-Erziehung, Pflege der Eltern) oder ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft.

Internationaler Vergleich von Arbeitszeiten[Bearbeiten]

Gewöhnliche Arbeitszeit wichtiger OECD-Länder nach IAT 2003

Arbeitszeiten international zu vergleichen ist nicht einfach. Oft wird in den Medien die OECD-Statistik zitiert. Nach dieser betrug in Deutschland 2003 die durchschnittliche Arbeitszeit 1.361 Stunden im Jahr. Von den 12 alten EG-Ländern arbeitete man danach nur in den Niederlanden noch etwas weniger als in Deutschland. Die OECD weist in ihrer Statistik allerdings selbst darauf hin, dass ein solcher Vergleich über die Länder mit ihren Zahlen unzulässig sei, da die einzelnen Länder in ganz unterschiedlicher Weise die Daten erheben und zum Beispiel auch in unterschiedlichem Umfang Teilzeitarbeit hätten und dies die Statistik verfälsche.

Das Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen hat deswegen mit der „Gewöhnlichen Jahresarbeitszeit“ eine Kennzahl entwickelt, in der nur abhängige Vollzeitarbeitsverhältnisse zu Grunde liegen und in der nur die tarifliche Arbeitszeit nebst üblichen Überstunden sowie Urlaub und Feiertage berücksichtigt werden.[10]

Bei der Urlaubszeit liegt Deutschland mit 29,1 Tagen im Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt (25,9 Tage). Hingegen entfielen zwischen 2000 und 2002 auf 1000 Arbeitnehmer nur 10 Streiktage. Damit liegt Deutschland in dem Drittel der EU-Länder, in denen am wenigsten gestreikt wird; in Spanien streikten die Arbeitnehmer im selben Zeitraum 489 Tage lang, in Italien 433.[11] In Deutschland ist die maximale Arbeitszeit durch das Arbeitszeitgesetz geregelt. In einer Studie der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin bildet im Jahre 2008 Frankreich mit 38,4 Wochenstunden das Schlusslicht im europäischen Vergleich, Spitzenreiter ist Rumänien mit 41,8 Stunden, während Deutschland mit einer durchschnittlichen realen Arbeitszeit von 41,2 Stunden in der Spitzengruppe lag. Zudem sei die tatsächliche Wochenarbeitszeit länger, da viele Beschäftigte Überstunden ableisten oder in Betrieben arbeiten, die keine Tarifbindung haben.[12] Bei diesen Zahlen sind jedoch die Zahl der Urlaubstage nicht berücksichtigt.[13] Eine Rücknahme eines genehmigten Erholungsurlaubes durch den Arbeitgeber ist nicht möglich, der mit der Erteilung seiner gesetzlichen Verpflichtung nachkommt.

Arbeitszeiterfassung[Bearbeiten]

Terminal zur Personalzeiterfassung mittels RFID-Technik

Im Prinzip ist eine Erfassung der Arbeitszeit, beispielsweise mit Hilfe einer Stempeluhr, gesetzlich nicht vorgeschrieben. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, die über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit an Werktagen und jegliche Arbeitszeit an einem Sonn- und Feiertag aufzuzeichnen (§ 16 Abs. 2 ArbZG). Es zeigt sich in der Praxis der Arbeitszeitflexibilisierung, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter mit der Erfüllung der Aufzeichnungspflicht beauftragen konnten.[14] Damit verringert sich auf der einen Seite die Überwachung der Arbeitnehmer durch die Arbeitgeber, andererseits befreien sich die Arbeitgeber damit von einem Teil ihrer Verantwortung für eine korrekte Arbeitszeiterfassung. Der Arbeitgeber kann die Aufzeichnungsverpflichtung auch auf den Arbeitnehmer übertragen. Dieser muss sodann die Zeiten, die über die tariflich oder arbeitsvertraglich vereinbarte tägliche Arbeitszeit (üblicherweise ca. 8 Stunden) hinausgehen, eigenverantwortlich aufschreiben. Der Arbeitgeber kann sich allerdings selbst mit der Übertragung der Aufzeichnungsverpflichtung nicht (ganz) aus seiner Verantwortung zur Einhaltung der Höchstarbeitszeiten schleichen. Er muss zumindest in regelmäßigen Stichproben kontrollieren, dass die Höchstarbeitszeiten nicht überschritten werden.

Wird die Mehrarbeit vorsätzlich nicht wahrheitsgemäß dokumentiert, so liegt dann ein Betrugsdelikt vor, wenn durch die falsche Dokumentation Arbeitszeiten verschleiert werden sollen, die zu Übermüdung führen können. Das gilt auch dann, wenn es betriebliche Übung ist, Arbeitszeiten nicht wahrheitsgemäß zu dokumentieren, die beispielsweise 10 Stunden überschreiten. Alleine durch Überschreitung der Arbeitszeiten verliert der Arbeitnehmer seinen Versicherungsschutz noch nicht, denn es ist Aufgabe des Arbeitgebers, die Einhaltung von Arbeitszeitvorschriften durchzusetzen. Dazu ist eine ordnungsgemäße Dokumentation der Arbeitszeit erforderlich.

Viele gesetzliche Ausnahmeregelungen machen zur Auflage, dass zusätzlich zur Beschränkung der täglichen Arbeitszeit die durchschnittliche Arbeitszeit beispielsweise 48 Stunden pro Woche innerhalb eines halben Jahres nicht überschritten werden darf. Werden bei der Zeiterfassung, die zur Überprüfung der Einhaltung dieser Beschränkung notwendig ist, vorsätzlich falsche Angaben gemacht, so kann das auch in diesem Fall zu einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Betrugs führen. Die Überschreitung einer maximalen Arbeitszeit selbst ist zunächst nur eine Ordnungswidrigkeit des Arbeitgebers.

Unbezahlte Arbeitszeit[Bearbeiten]

Ein Teil der Arbeitszeit wird weder monetär noch durch entsprechenden Freizeitausgleich vergütet. In einem Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung wird hervorgehoben, dass unbezahlte Mehrarbeit in mehr als 20 % der Betriebe mit Betriebsrat stattfindet und in jedem dritten Betrieb mit Arbeitszeitkonten Teile der angesammelten Zeitguthaben verfallen.[15] Das Gesamtausmaß solcher unbezahlten Arbeitszeit lässt sich dem Bericht zufolge bislang nicht quantifizieren und ist in Arbeitszeitstatistiken unzureichend erfasst.[16]

Arbeitszeit-Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz gehören die Arbeitszeiten traditionell zu den höchsten Europas. Die 40-Stunden-Woche wurde etwa in der Maschinen- und Uhrenindustrie erst mit dem „Friedensabkommen“ von 1993 eingeführt. Im Jahr 2009 betrug der statistische Arbeitszeit-Durchschnitt der letzten vier Jahre noch immer 41,7 Stunden.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Buschmann, Rudolf; Ulber, Jürgen: Arbeitszeitgesetz : Basiskommentar mit Nebengesetzen und Ladenschluss. 6. Aufl., 2009, Bund-Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7663-3866-2.
  • Hamm, Ingo: Flexible Arbeitszeit : Kontenmodelle – Analyse und Handlungsempfehlungen. Bund-Verlag, Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2008 (Schriftenreihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung). - ISBN 978-3-7663-3729-0.
  • Hamm, Ingo: Mehrarbeit, Überstunden. 2., überarb. und aktualisierte Aufl. Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2004, ISBN 3-7663-3547-2.
  • Lorenz, Frank; Schneider, Günter (Hrsg.): Vertrauensarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Flexi-Modelle : Konzepte und betriebliche Praxis. Hamburg : VSA-Verl., 2005 - ISBN 3-89965-108-1.
  • Cowling, Keith; Poolsombat, Rattanasuda: Advertising and Labour Supply: Why do Amricans work such long Hours (PDF, 38S.; 158 kB). In: The Warwick Economics Research Paper Series (TWERPS), Working Paper 789[2007].
  • Marion Bretag: Arbeitszeitflexibilisierung im Interessenkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern : eine unternehmungspolitische Analyse. München: Utz, 2007 - ISBN 978-3-8316-0716-7.
  • Michael Kopatz: Arbeit, Glück und Nachhaltigkeit. Warum kürzere Arbeitszeiten Wohlbefinden, Gesundheit, Klimaschutz und Ressourcengerechtigkeit fördern. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal 2012, (online impw3.pdf als PDF, 60 Seiten, 5,2 MB).

Weblinks[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Busch, Mathias: Waschen und Umkleiden als Arbeitszeit?, Betriebs-Berater 1995, S. 1690 ff.
  2. WSI-Experte Alexander Herzog-Stein: Das gemeinsame Wochenende fällt oft aus. Böckler-Impuls [PDF - 100 KB].
  3. Miegel, Meinhard: Wachstum bringt keine Jobs. Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) 26. August 2002
  4. Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Memorandum 2009: Von der Krise in den Absturz? Stabilisierung, Umbau, Demokratisierung - Kurzfassung (PDF; 791 kB)ISBN 978-3-89438-409-8 - Flyer (PDF; 198 kB) Darin: S. 18 der Kurzfassung
  5. Bundesministerium des Innern: Jahresarbeitszeit einer Normalarbeitskraft. Amtliches Berechnungsverfahren zur Ermittlung der Jahresarbeitszeit in der Bundesrepublik Deutschland
  6. Immer mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen; Diagramm aus: TKK (Hrsg.): Gesundheitsreport 2011. http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/215982/Datei/57287/Fehltage.jpg
  7. Stress ist häufigster Grund für Krankmeldungen. In: Spiegel Online vom 4. Februar 2008, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,533007,00.html
  8. Coote, Anne; Franklin, Jane; Simms, Andrew: 21 hours. Why a shorter working week can help us all to flourish in the 21st century. New Economics Foundation (Hrsg.), London 2010, ISBN 978-1-904882-70-1 http://www.neweconomics.org/page/-/files/21_Hours.pdf, S. 3.
  9. a b Coote, Anne; Franklin, Jane; Simms, Andrew: 21 hours. Why a shorter working week can help us all to flourish in the 21st century. New Economics Foundation (Hrsg.), London 2010, ISBN 978-1-904882-70-1 http://www.neweconomics.org/page/-/files/21_Hours.pdf, S. 16-25.
  10. Steffen Lehndorff, Institut Arbeit und Technik:IAT-Report: Wie lang sind die Arbeitszeiten in Deutschland (PDF; 210 kB), Gelsenkirchen 2003.
  11. Karl Brenke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Wochenbericht des DIW Berlin 47/04 – Dauer der Arbeitszeiten in Deutschland, Berlin 2004.
  12. „Deutsche gehören zu den Fleißigsten in Europa“, Spiegel Online vom 31. Jul 2009
  13. Working time developments – 2008
  14. Zur Umstrittenheit dieser „Selbstaufschreibung“ durch Mitarbeiter siehe den Kommentar zu § 16 Abs. 2 ArbZG in Buschmann, Rudolf; Ulber; Rudolf: Arbeitszeitgesetz : Basiskommentar mit Nebengesetzen und Ladenschluss. Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2007 - ISBN 978-3-7663-3776-4.
  15. Hartmut Seifert: Vom Gleitzeit- zum Langzeitkonto, in: WSI-Mitteilungen, 58 (6), S. 308-313, 2005. Zitiert nach Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHartmut Seifert: Konfliktfeld Arbeitszeitpolitik Entwicklungslinien, Gestaltungsanforderungen und Perspektiven der Arbeitszeit. Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2006, abgerufen am 2. November 2010 (PDF; 1,1 MB, ISBN 978-3-89892-604-1). S. 14
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHartmut Seifert: Konfliktfeld Arbeitszeitpolitik Entwicklungslinien, Gestaltungsanforderungen und Perspektiven der Arbeitszeit. Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2006, abgerufen am 2. November 2010 (PDF; 1,1 MB, ISBN 978-3-89892-604-1). S. 14
  17. Statistik Schweiz – Detaillierte Ergebnisse der BUA

Siehe auch[Bearbeiten]

Mindesturlaub

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