Störkraft

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für Störkraft im physikalischen Sinn siehe Störpotential.
Cover einer nach der offiziellen Auflösung veröffentlichten Maxi-CD von Störkraft

Störkraft war eine 1987/1988 gegründete Rechtsrock-Band. Anfang der 1990er wurde sie durch Medienberichte die wohl bekannteste Band dieses Spektrums. Sie hat sich Mitte der 1990er Jahre aufgelöst.

Text- und Musikstil[Bearbeiten]

Die Texte der Band sind „unmissverständlich fremdenfeindlich[1] und rufen zum Widerstand gegen „Linke“ auf, die ohne klare Abgrenzung als „rote Flut“ bezeichnet werden. „Von eindeutig rechtsextremen Texten“ könne in Bezug auf Linke zumeist nicht gesprochen werden.[2] Wie bei vielen Rechtsrock-Bands stehen damit „Ausländer“ und „Linke“ („Zecken“) auch bei Störkraft im Fokus der textlichen Angriffe.

Stilistisch wird die Musik meist dem Rechtsrock zugeordnet, manchmal auch dem Oi!. Der Sound von Störkraft hebt sich vor allem durch zwei Merkmale von ähnlichen Bands ab: die prägnante Stimme des Sängers sowie kurze melancholisch klingende Gitarrensoli mit viel Hall.

Erfolge[Bearbeiten]

Die Band wurde in dem am 10. September 1993 veröffentlichten Anti-Neonazi-Lied Schrei nach Liebe von Die Ärzte erwähnt, in dem eine Zeile lautet: „Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ’ne Kuschelrock-LP“.

Die Band wurde seit Oktober 1994 bundesweit bekannt, als sie in mehreren Magazinen von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern auftrat: zum Beispiel Einspruch (Sat.1), Spiegel TV (RTL), Akut (Sat.1), Report (ARD) und Frontal (ZDF). Hinzu kamen zu jener Zeit zahlreiche Zeitungsberichte über Rechtsrock und die Band Störkraft im Besonderen. Der Spiegel führte ein großes Exklusiv-Interview mit der Gruppe.[3]

Der Hintergrund war eine Kampagne des Berliner Jugendsenators Thomas Krüger (SPD), der auf einer Pressekonferenz die Indizierung und strafrechtliche Verfolgung einiger Rechtsrock-Produktionen, vor allem von Störkraft, gefordert hatte. Daraufhin wurden deren Kassetten und Texte an Journalisten verteilt. Klaus Farin, Leiter des Berliner Archivs für Jugendkulturen und Autor einiger Sachbücher und Filme über Neonazis und ihre Musik, urteilte darüber:

„Eine drittklassige Amateurrockband, die zuvor in Schulklassen und Jugendclubs nahezu unbekannt war, brachte es so innerhalb weniger Wochen zu Auftritten in mindestens drei großen Talkshows, durfte Hunderte von Zeitungsspalten bevölkern und ein Dutzend TV-Magazinbeiträge bebildern, bis nun wirklich jeder 14-Jährige in diesem Land begriffen hatte, dass er sich unbedingt eine Platte dieser ‚ultraharten‘ Band besorgen musste, wollte er nicht völlig out sein.“

Klaus Farin: Die Skins: Mythos und Realität[4]

Tatsächlich sorgte diese Medienpräsenz für Verkaufszahlen von über 70.000 CDs von Störkraft und machte sie damit zur erfolgreichsten Rechtsrock-Band Deutschlands. Das Management der Band übernahm der Düsseldorfer Unternehmer Torsten Lemmer, der bereits eine Reihe weiterer Rechtsrock-Bands betreute. Die Tonträger wurden von nun an über den neonazistischen Zeitungs- und Musikverlag Rock Nord vertrieben.

Anfang der 1990er Jahre versuchte sich die Band mit der Single Mordbrenner – Ihr gehört nicht zu uns! von ihrem Neonazi-Image zu lösen. Mit dem Lied Mörder ohne Reue (ein Cover des Stücks Brighton Bomb der betont antirassistischen englischen Punk-Gruppe Angelic Upstarts) distanzierten sie sich von neonazistischen Skinheads, die auch vor dem Verüben von Brandanschlägen gegen Ausländer nicht zurückschrecken. Das Lied sollte ursprünglich in das Repertoire des kurzlebigen Projekts Ruhrpott Rejects, das Volker Grüner zusammen mit Stefan Spiller (heute Sänger der Oi!-Band Emscherkurve 77 und zuvor bei einer neonazistischen Gruppe namens Voll Die Guten) unterhielt, aufgenommen werden, dieses Vorhaben verlief jedoch im Sande. Laut Aussage von Volker Grüner war der Text dieses Liedes für ihn eine „Herzensangelegenheit“, die Gruppe war sich allerdings bewusst, dass es im Rahmen eines „Strafverfahrens“ „gut passt“, dieses Lied unter dem Namen Störkraft zu veröffentlichen.[5]

Die Band Störkraft hat sich Mitte der 1990er aufgelöst und zumindest ein Mitglied hat sich von seinem neonazistischen Gedankengut gelöst: Der ehemalige Gitarrist Volker Grüner spielte seit 1997 bei der Band 4 Promille, die unpolitischen Oi! machte und sich in Interviews und auf ihrer Homepage explizit gegen Rechtsradikalismus abgrenzte (u. a. coverten 4 Promille das Stück Watch Your Back der englischen Oi!-Band Cock Sparrer, in dessen Text sich gegen die Ausnutzung der Arbeiterklasse von linken wie rechten Extremisten ausgesprochen wird).

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Die Band veröffentlichte zwei offizielle Studio-Alben:

  1. Dreckig, kahl und hundsgemein # (1989) indiziert am 31. Oktober 1992, eingezogen am 2. September 1993 und
  2. Mann für Mann # (1990) indiziert am 31. Oktober 1992, eingezogen am 6. Juli 1994, das Album
  3. Wikinger (1996) erschien mehrere Jahre nach der Auflösung.

Des Weiteren erschienen eine Live-CD mit dem Titel Live in Weimar (1991, indiziert am 28. November 1992) und die Maxi-CD Mordbrenner – Ihr gehört nicht zu uns! (1993).

Als Ergänzung sei noch das Störkraft/Noie Werte/Endstufe-Projekt mit dem Namen Störstufe zu erwähnen, welche eine Vinylsingle mit dem Namen Parole Spaß aufnahm. Diese Vinylsingle gilt in der Szene als Rarität.

Des Weiteren gelangte eine Maxi-CD (STCD 101) nach 1994 mit dem Titel Wir sind wieder da! auf den Markt, welche folgende drei Titel enthielt:

  1. Wir sind wieder da!
  2. Reden ist Silber
  3. Ungekrönte Könige

sowie eine CD (KRCD 1), die 1997 bei Rock-O-Rama unter dem gleichen Titel erschien.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock. Unrast Verlag, 2002, ISBN 3-89771-808-1, Broschiert, 544 Seiten
  • Rat u. a. (Hrsg.): White Noise. Unrast Verlag, Jan. 2001, ISBN 3-89771-807-3, 200 Seiten.
  • Klaus Farin: Die Skins: Mythos und Realität. Ch. Links, Berlin 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriele Regener: Störkraft brachte 41-Jährigen vor Gericht. ruhrnachrichten.de, 18. Juni 2013, abgerufen am 19. Juni 2013.
  2. Jana Funke: Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie. Google Books, abgerufen am 19. Juni 2013.
  3.  Ertel Müller v. Blumencron: Dann sing’ ich ‚Blut und Ehre‘ – Die Skinhead-Kultband „Störkraft“ über ihre rechtsradikalen Lieder. In: Der Spiegel. Nr. 53, 1992, S. 40–43 (online).
  4. Klaus Farin: Die Skins: Mythos und Realität. Ch. Links Verlag 1998, S. 223.
  5. Interviews mit Volker Grüner im Fanzine Scumfuck (Ausgaben 29 und 30) mit Volker Grüner, Duisburg 1995/1996
  6. Online Music Database: Störkraft – wir sind wieder da