St. Peter zu Syburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Peter in der Mitte des 19. Jahrhunderts
St. Peter heute
Grabstein auf dem Kirchhof
St. Peter vom Kirchhof gesehen

St. Peter zu Syburg ist eine Kirche auf der Hohensyburg im Dortmunder Stadtteil Syburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche ist der älteste Sakralbau auf Dortmunder Stadtgebiet. Ein Vorläuferbauwerk der heutigen Kirche wurde bereits 776 urkundlich erwähnt. Damals versuchten die Sachsen eine Rückeroberung der ein Jahr zuvor von Karl dem Großen eingenommenen Hohensyburg. Die Kirche wurde vermutlich im Jahre 799 von Papst Leo III. auf seinem Weg nach oder von Paderborn besucht. Eher unwahrscheinlich erscheint die Behauptung, er habe bei diesem Besuch die Kirche geweiht, da sie schließlich zu der Zeit bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten bestand.

Der heutige Kirchenbau ist auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Er wurde damals als flachgedeckter Saalbau mit Wehrcharakter errichtet und im 13. Jahrhundert um den Westturm erweitert. Die Kirche hatte im Mittelalter große Bedeutung als Wallfahrtsort und Ablasskirche. Im 13./14. Jahrhundert wurde die Kirche um einen Chor in gotischen Formen erweitert. 1673 wurde die Kirche im Zuge der französischen Raubkriege durch Feuer zerstört.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch eine Fliegerbombe auf das Langschiff stark beschädigt; von 1953 bis 1954 wurde sie wiederhergerichtet. Bei Ausgrabungen (1950/51, 1976/77 und 1983) wurden Fundamente einer romanischen Apsis und eines karolingischen Rechteckbaus entdeckt.

Die Kirche umgibt ein zugehöriger Friedhof. Auf diesem wohl ältesten Totenhof im Ruhrgebiet finden sich Grabsteine aus dem 9. Jahrhundert. In der Kirche werden ein merowingischer Grabstein und zwei karolingische Grabsteine aufbewahrt, ebenso wie ein romanischer Taufstein, der ursprünglich aus Lütgendortmund stammt und nach dem Krieg aus dem Bestand des Dortmunder Museums für Kunst- und Kulturgeschichte erworben wurde.

Nach dem Wiederaufbau wurde die Kirche mit Glasfenstern von Walter Benner ausgestattet. Altarkreuz, Abendmahlsgerät, Lesepult und Osterkerzenständer stammen aus der Werkstatt von Egino Weinert.

Die Kirche ist als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen.[1]

Im Jahr 1998 erhielt die Kirche eine neue Orgel aus der Werkstatt von Claus Sebastian (Geesthacht). Das rein mechanische Instrument hat 17 Register (und drei Transmissions-Register) auf zwei Manualen und Pedal. Das 1. Manual dient als Koppelmanual.[2]

II Hauptwerk C–g3

1. Prinzipal 8′
2. Rohrflöte 8′
3. Oktave 4′
4. Holzflöte 4′
5. Oktave 2′
6. Mixtur IV 11/3
7. Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
8. Metallgedackt 8′
9. Salicional 8′
10. Prinzipal 4′
11. Blockflöte 4′
12. Gemshorn 2′
13. Quinte 22/3
14. Terz 13/5
15. Dulcian 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
16. Subbaß 16′
17. Oktavbaß (Nr. 1) 8′
18. Rohrflöte (Nr. 2) 8′
19. Oktave (Nr. 3) 4′
20. Posaune 16′

Glocken[Bearbeiten]

Unmittelbar unter dem Dach sind drei Bronzeglocken aufgehängt. Die kleinste Glocke ist eine Leihglocke aus Pommern. Sie wurde 1681 gegossen und erklingt in b'. Die mittlere Glocke entstand 1584 und erklingt in a'. Die große Glocke wurde ursprünglich 1850 gegossen und im 2. Weltkrieg vernichtet. 1961 goss die Gießerei Rincker in Sinn eine neue Glocke in g'.

In der Literatur[Bearbeiten]

Gertrud von le Fort siedelte ihre Erzählung Spökenkieken in der Kirche Syburg und ihrer Umgebung an. Von le Fort hatte als junges Mädchen ihre Patentante auf Haus Villigst (Schwerte) besucht und von dort aus auch Ausflüge nach Syburg unternommen. Ein Grabstein in der Kirche St. Peter zu Syburg regte sie zu der Erzählung an, die erstmals 1907 in Westermanns Monatsheften erschien. Die Erzählung ist jetzt wieder greifbar (siehe Literatur).

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Jordan: Von Kapitellen, Kanzeln und Taufsteinen. Ein spannender Führer zu 67 Kirchen und Klöstern im Ruhrtal. Klartext Verlag, 2006, ISBN 3-89861-436-0.
  • Renate Breimann: Ev. Kirche St. Peter zu Syburg, Kirchenführer. Ingrid Lessing Verlag, 2007, ISBN 978-3-929931-24-2.
  • Gertrud von le Fort: Spökenkieken. Eine Liebesgeschichte rund um die Kirche St. Peter zu Syburg und Haus Villigst. Kommentiert und bebildert von Renate Breimann. Ingrid Lessing Verlag, 2010, ISBN 978-3-929931-28-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nr. A 0409. Denkmalliste der Stadt Dortmund. In: dortmund.de – Das Dortmunder Stadtportal. Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, 14. April 2014, abgerufen am 16. Juni 2014 (PDF, Größe: 180 kB).
  2. Zur Orgel

51.4222222222227.4891666666667Koordinaten: 51° 25′ 20″ N, 7° 29′ 21″ O