Sinn (Hessen)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Gießen | |
| Landkreis: | Lahn-Dill-Kreis | |
| Höhe: | 241 m ü. NN | |
| Fläche: | 18,73 km² | |
| Einwohner: |
6479 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 346 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 35764 | |
| Vorwahlen: | 02772, 06449 (Edingen) | |
| Kfz-Kennzeichen: | LDK | |
| Gemeindeschlüssel: | 06 5 32 020 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Jordanstraße 2 35764 Sinn |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Hans-Werner Bender (parteilos) | |
| Lage der Gemeinde Sinn im Lahn-Dill-Kreis | ||
Sinn ist eine Gemeinde in Mittelhessen, im Lahn-Dill-Kreis.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Geografische Lage [Bearbeiten]
Sinn liegt in 185 bis 356 Meter Höhe am Fuß des Westerwaldes, 3 km südlich von Herborn im Dilltal.
Nachbargemeinden [Bearbeiten]
Sinn grenzt im Nordosten an die Gemeinde Mittenaar, im Osten an die Gemeinde Ehringshausen, im Süden an die Gemeinde Greifenstein sowie im Nordwesten an die Stadt Herborn (alle im Lahn-Dill-Kreis).
Gliederung [Bearbeiten]
Zur Großgemeinde Sinn (6.636 Einw.) gehören die Ortsteile
Geschichte [Bearbeiten]
Die fruchtbaren Hänge und Seitentäler des Dilltals wurden schon sehr früh besiedelt. Bei Grabungen wurden Anfang der 1950er Jahre Scherben, Reste von Nutzwerkzeugen, Hausgrundrisse, Feuerstellen und auch ein Schmuckstein aus römischer Zeit gefunden. Bodenfunde in der Gemarkung Edingen ziehen sich durch alle Epochen und lassen auf eine dauernde Besiedelung seit dem 4. Jahrhundert vor Christus schließen. Urkunden belegen die Existenz aller drei Teilorte seit dem 13. Jahrhundert.
Edingen und Fleisbach waren von der Landwirtschaft geprägt und bewahrten diese Struktur bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Sinn hingegen wurde von der industriellen Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasst. Begünstigt durch den Bergbau im Sieg-Dill-Gebiet siedelten sich ein Hüttenwerk und in dessen Gefolge Gießereien und metallverarbeitende Betriebe an.
Der alte Friedhof mit seinen Grabsteinen spiegelte die Herkunft der in der Sinner Hüttenindustrie beschäftigten „Alt- und Neu-Sinner“ wider. Mittlerweile gibt es nur noch wenige belassene Gräber auf diesem Friedhof, so die der in Sinn verstorbenen Hüttendirektoren des Unternehmens Haas & Sohn, Betreiberin der Neuhoffnungshütte. Dr. Otto Haas hat im Beisein von anderen Sinnern noch zu Lebzeiten sein zukünftiges Grab vermessen, indem er sich in die frisch ausgehobene Grube legte. Dr. Otto Haas war der Überlieferung nach überhaupt ein Spaßvogel; im Winter soll er auf dem zugefrorenen ersten Stippbachsweiher immer Geldmünzen zwischen die Schlittschuhläufer geworfen haben, was zu heftigem Gerangel führte. Zu den vermissten bzw. entfernten Grabsteinen gehört auch der rötliche, naturbelassene Felsstein auf der Grabstätte des Försters Schiebel. Verschwunden sind so ebenso zwei weiß-schwarz bemalte Holzkreuze, die aus der Zeit von Hans-Erich Hess (auch mit „sz“ geschrieben) als Gemeindepfarrer (1930–1950, Mitglied der bekennenden Kirche, späterer Oberkirchenrat von Hessen und Nassau) stammten und an die Beerdigung von zwei „Russenmädchen“ (Zwangsarbeiterinnen) während des Zweiten Weltkrieges erinnerten.
Der alte Friedhof in Sinn ist ein wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte, obwohl die historischen Grabsteine weitgehend abgetragen wurden. Auch die alte kleine Fachwerkkirche, die seit gut vier Jahrzehnten leer steht und den Weltkriegsgefallenen und -vermissten gewidmet ist, ist ein Geschichtszeugnis; „entkernt“ von dem „Inventar“ aus calvinistisch-nassauischen Zeiten, wurde sie immerhin noch bis in die späten 1950er Jahre genutzt und ursprünglich belassen. Der Schreiber, der Dekan Blöcher und die Diakon-Witwe Weidenbach waren damals die einzigen Teilnehmer an diesen abendlichen Gottesdiensten.
Während des Zweiten Weltkrieges sind Hunderte von US-amerikanischen 1- und 2-Zentner-Bomben auf die Gemeinde Sinn gefallen, es trafen aber nur zwei, die lediglich begrenzten Schaden anrichteten. Der Rest fiel nicht auf die beabsichtigten Ziele, wie etwa die Bahnstrecke Gießen – Köln, oder Industrie- und Wohngebiete von Sinn, sondern ging auf der Hörre zwischen Sinn und Edingen nieder, wo die Bombentrichter noch heute, über 60 Jahre nach Kriegsende, gut sichtbar sind. Blindgänger sind in dieser „Bombentrichterlandschaft unter Wald“ nicht auszuschließen.
Auch aus der kirchenfremden Sinner Arbeiterschaft waren gebildete, gesellschaftlich engagierte Persönlichkeiten herangewachsen, wie der spätere Bürgermeister Reucker (Maschinenschlosser bei Haas & Sohn), der Kommunist Schwan, der viele Sinner in den ersten Nachkriegstagen vor Übergriffen schützte, oder auch der Former Reinhold Simon, der den Sinner Wald, die Natur und die Geschichte der Sinner Vorkriegs-, Kriegs-, und Nachkriegszeit besser kannte als andere.
Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Edingen und Fleisbach nach Sinn eingegliedert[2].
Politik [Bearbeiten]
Gemeindevertretung [Bearbeiten]
Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [3]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
% 2001 |
Sitze 2001 |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 38,1 | 9 | 39,7 | 9 | 37,0 | 12 |
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 31,4 | 7 | 35,0 | 8 | 36,0 | 11 |
| GRÜNE | Bündnis 90/Die Grünen | 15,5 | 3 | 7,4 | 2 | 7,0 | 2 |
| FWG | Freie Wählergemeinschaft Sinn | 11,5 | 3 | 9,5 | 2 | - | - |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 3,5 | 1 | 8,3 | 2 | – | – |
| FWG/UBLS | Freie Wählergemeinschaft Sinn / Unabhängige Bürgerliste Sinn | – | – | – | – | 13,4 | 4 |
| F.D.B.S. | Freie Demokratische Bürgervereinigung Sinn | – | – | – | – | 6,7 | 2 |
| gesamt | 100,0 | 23 | 100,0 | 23 | 100,0 | 31 | |
| Wahlbeteiligung in % | 37,8 | 36,9 | 45,0 | ||||
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Während Edingen und Fleisbach mit dem Niedergang der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu Wohngemeinden wurden, ist Sinn weiterhin ein bedeutender Industriestandort. Dabei spielt die Gießerei nach wie vor eine wichtige Rolle, unter anderem ist hier die älteste bestehende Glockengießerei Deutschlands, die Glocken- und Kunstgießerei Rincker, beheimatet. Zur Gießereitechnik gehören auch der Modell- und Formenbau und der Armaturenbau. Weitere ansässige Branchen sind Antriebs- und Steuerungstechnik, Maschinenbau, Werkzeug- und Vorrichtungsbau, Umformtechnik, Galvanotechnik sowie die Mess- und Regelungstechnik.
Verkehr [Bearbeiten]
Die Gemeinde ist mit der 4 km entfernten Anschlussstelle Herborn-Süd der A 45 (Sauerlandlinie) an das Fernstraßennetz angeschlossen. Durch den Ort führt die B 277 Dillenburg–Wetzlar.
In den Ortsteilen Sinn und Edingen befinden sich Haltestellen an der Dill-Strecke, Regionalbahnzüge der RMV-Linie 40 Siegen – Gießen halten hier.
Gebäude [Bearbeiten]
Die Villa Haas, um 1892 erbaut, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude des Historismus.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011 (Hilfe dazu)
- ↑ Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
- ↑ Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011, Sinn, Hessisches Statistisches Landesamt. Abgerufen am 11. April 2011.
Weblinks [Bearbeiten]
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