Stalag XI B

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Das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager Stalag XI B (357) in Fallingbostel war eines von vier Mannschaftsstammlagern im Wehrkreis XI Hannover. Die weiteren Stalags waren: XI C Bergen-Belsen sowie XI D in Oerbke, die auch in jeweils im heutigen Niedersachsen lagen und XI A Dörnitz-Altengrabow, dass im heutigen Sachsen-Anhalt lag. Das Stalag XI B war dabei die Einsatzzentrale für Arbeitskommandos Kriegsgefangener aller Nationen im Gebiet Hannover/Braunschweig. Dabei gab es als Maximalzahl etwa 80.000 Gefangene, die in ca. 1.500 Kommandos zur Arbeit in Landwirtschaft und Industrie abgestellt wurden.

Entstehung[Bearbeiten]

Für die Arbeitskräfte, die das Westlager des Truppenübungsplatzes Bergen erbauten, heute NATO-Lager Oerbke, war ab 1937 an der Straße von Fallingbostel nach Oerbke ein Barackenlager errichtet worden. Das Stalag XI B wurde am 23. September 1939 in Betrieb genommen. Es verfügte auf einer Fläche von 30 ha über 58 Baracken.

Zeit 1941 bis 1945[Bearbeiten]

Nach einer allerdings unvollständigen Aufstellung der Gefangenenzahlen, waren hier vom 1. September 1941 bis zum 1. Dezember 1944 zwischen 54.581 und 95.294 Kriegsgefangene aus Australien, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Serbien, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und den USA registriert. Davon waren im selben Zeitraum zwischen 51.760 und 82.902 zur Arbeit abkommandiert. Nur ca. 2.500 Kranke, Arbeitsunfähige und Hilfskräfte hielten sich im Stammlager auf. Ab Juli 1941 quartierte man im hinteren Teil des Stalag ca. 10.000 Offiziere der Roten Armee ein. Die Mehrzahl der sowjetischen Soldaten wurden jedoch in das nur einige hundert Meter östlich gelegenen Stalag XI D Oerbke eingewiesen. Wie in allen Lagern erging es den Inhaftierten abhängig von ihrer Nationalität. Während die Insassen aus westlichen Ländern verhältnismäßig gut über die Zeit kamen, sind insbesondere Osteuropäer vollkommen unzureichend versorgt worden. Die von den Kriegsgefangenen selbst organisierten Kulturangebote, wie Theateraufführungen, Sportfeste, Weiterbildung und der Betrieb einer Bibliothek, konnten allerdings nicht über Hunger und Krankheiten hinwegtäuschen. So kam es auch im Stalag Fallingbostel aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung und Hygiene im Winter 1941/42 zu einer Fleckfieberepidemie, während der tausende Gefangener verstarben. Wie auch in den anderen mit Rotarmisten belegten Stalags, sind im Herbst 1941 Selektionen durchgeführt worden. Dabei überstellte man Parteifunktionäre, führende Persönlichkeiten, Juden und Asiaten der SS. Diese tötete alle überstellten in den Konzentrationslagern KZ Sachsenhausen (Brandenburg) und KZ Neuengamme (Hamburg) durch Erschießen bzw. durch Vergasen.

Ab Frühjahr 1942 kam es zu einer Veränderung der Lage der sowjetischen Gefangenen, sie wurden für einen Arbeitseinsatz vorgesehen. Dazu verbesserte man die Versorgungslage soweit, dass zumindest ausreichende Körperkräfte für Arbeiten gegeben sein sollten. Dabei wurde jedoch weiterhin so unzureichend kalkuliert, dass viele Gefangene schließlich an Entkräftung verstarben. Ab dem 12. August 1942 wurde das nur einige hundert Meter entfernte Stalag XI D dem Stalag XI B angegliedert.

Am 13. April 1945 erreichten britische Truppen das Kriegsgefangenenlager und befreiten die Insassen.

Zeit nach 1945[Bearbeiten]

Ab dem Kriegsende sind die Baracken des Stalag XI B als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt worden. Nachdem Ende der 1940er Jahre die Baracken abgerissen wurden, entstand auf dem westlichen Teil eine Wohnsiedlung. Im Bereich der Wohnsiedlung sind sämtliche Spuren überbaut worden. Im östlich an die Bebauung angrenzenden Teil des Lagers sind noch einige Fundamente von großen Baracken im Unterholz erhalten geblieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hinrich Baumann Die Heidmark - Wandel einer Landschaft - Die Geschichte des Truppenübungsplatzes Bergen Walsrode, Gronemann 2005, ISBN 978-3000171857.
  • Sowjetische Kriegsgefangene 1941 - 1945. Leiden und Sterben in den Lagern Bergen-Belsen, Fallingbostel, Oerbke, Wietzendorf; Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, 1991.

Weblinks[Bearbeiten]