Stille-Nacht-Kapelle

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Stille-Nacht-Kapelle

Die Stille-Nacht-Kapelle steht in der Stadt Oberndorf im österreichischen Bundesland Salzburg und ist dem Gedächtnis des Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht und seines Textdichters Joseph Mohr sowie seines Komponisten Franz Xaver Gruber gewidmet. Sie steht an Stelle der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche (St. Nikola), in der am 24. Dezember 1818 das Weihnachtslied zum ersten Mal aufgeführt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Flut von 1899

Die Kirche St. Nikola (früher auch Pfarrkirche St. Nicola) wurde am Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals vom Hochwasser der Salzach beschädigt. Salzachhochwasser trat vermehrt nach den Begradigungen der Salzach 18511873 in und um der Stadt Salzburg auf, insbesondere wurde davon der Ortsteil Altach 1899 zerstört. Dies führte zu dem Entschluss, den ganzen Ort Oberndorf inklusive der Pfarrkirche St. Nikolaus ca. 800 m flussaufwärts neu zu errichten. Die Nikolauskirche, deren ältesten Teile auf das 12. Jahrhundert zurückgingen, wurde anschließend demoliert, wobei Einrichtungsgegenstände in die neue Kirche übernommen wurden, wozu nicht dir Orgel gehörte, die Franz Xaver Gruber konzeptioniert hatte.

Alte St.-Nikolaus-Kirche

Orgel[Bearbeiten]

Karl-Mauracher-Orgel von 1825

Im Jahre 1825, anscheinend gleichzeitig wie in Faistenau, hatte der Tiroler Orgelbauer Karl Mauracher (* 1789; † 1844) eine von ihm geschaffene Orgel aufgestellt. Sie war das erste Instrument mit chromatischer Klaviatur im Land - damals Herzogtum - Salzburg.[1] Conrad Franz Xaver Gruber war 1816–1829 Organist in Oberndorf und spielte ab 1825 auf diesem Instrument.

Disposition[2]

Manual
Principal 8'
Copel 8'
Gamba 8'
Octav 4'
Flauto Ottavo 4' [3]
Flauto duodez 3'
Superoctav 2'
Mixtur V 2'
Pedal
Subbaß 16'
Oktavbaß 8' (von Holz)
Posaun 8' (von Zinn)

Von einer Renovierung der beschädigten St. Nikola-Kirche wurde aus zwei Gründen abgesehen: Zum einen scheute man die Kosten und das weiterhin drohende Risiko von Überschwemmungen, zum anderen wollte man die Kirchengemeinde zur Annahme der 1906 errichteten, weniger attraktiven Kirche im neuen Ortszentrum bewegen. So wurde die alte Pfarrkirche abgerissen und ab 1913 erinnerte nur noch ein Schuttkegel an den historischen Entstehungsort des inzwischen weitum bekannten Weihnachtsliedes.

Das 100-jährige Jubiläum des Liedes im Dezember 1918 fiel in die schwere Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Umso mehr wollten die Bürger von Oberndorf der Friedensbotschaft von Mohr und Gruber ein Denkmal setzen. Der 1924 beschlossene Bau einer Gedächtniskapelle kam aber unter den schwierigen Bedingungen (politische und wirtschaftliche Krisen der Ersten Republik) nur langsam in die Phase der Realisierung. Letztlich wurde am 15. August 1937 (Mariä Himmelfahrt) der Bau abgeschlossen. Inzwischen wurde die Gedächtniskapelle zum sichtbaren Symbol für das Lied Stille Nacht, heilige Nacht.

Alljährlich ziehen die Gedächtniskapelle und das daneben befindliche Museum besonders im Advent tausende Besucher aus aller Welt an. Am 24. Dezember findet alljährlich um 17 Uhr eine feierliche Gedächtnismesse statt, bei der das Weihnachtslied in den zahlreichen Sprachen der Besucher gesungen und als völkerverbindendes Erlebnis empfunden wird. Diese Feier wird seit 2002 mittels der dortigen Webcam im Internet übertragen.

Stille-Nacht-Kapelle[Bearbeiten]

Die Stille-Nacht-Gedächtniskapelle wurde am ursprüngliche Standort der Pfarrkirche von 1924 bis 1936 erbaut. Die Kapellenform ist ein Oktogon mit einem Glockenhelm und einer Laterne, das Portal hat eine abgewalmtes Vordach. Die Rundbogenfenster wurden 1935 von der Tiroler Glasmalereianstalt geschaffen. Der Altar mit einem Hochrelief Geburt Christi ist vom Bildhauer Hermann Hutter aus 1915. Ein Predellenrelief Anbetung der Könige, Kreuzigung, Flucht aus Ägypten ist vom Bildhauer Max Domenig aus 1936.[4]

Nachbildungen[Bearbeiten]

Nachgebaute Modelle der Stille-Nacht-Kapelle existieren im Freizeitpark Minimundus bei Klagenfurt in Kärnten (Maßstab 1:25) und im Modellpark Mönichkirchen in Niederösterreich. Des Weiteren gibt es eine Nachbildung im Maßstab 1:1 in Frankenmuth im US-Bundesstaat Michigan.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Salzburg. Stadt und Land. Oberndorf bei Salzburg. Stille-Nacht-Gedächtniskapelle. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1986, ISBN 3-7031-0599-2, Seite 290.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stille-Nacht-Kapelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 266.
  2. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 170.
  3. in der Tiefe von Holz in der Höhe von Zinn. Dieß klingt sehr schön.
  4. Dehio Salzburg 1986

47.945512.9364Koordinaten: 47° 56′ 43,8″ N, 12° 56′ 11,04″ O