Streitende und Triumphierende Kirche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Icon tools.svg Dieser Artikel wurde aufgrund von akuten inhaltlichen oder formalen Mängeln auf der Qualitätssicherungsseite des Portals Christentum eingetragen.

Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich bitte an der Diskussion. Artikel, die nicht spürbar verbessert werden, können gelöscht werden.

Die Streitende und Triumphierende Kirche von Andrea da Firenze

Die Gemeinschaft aller Gläubigen der christlichen Kirche in ihrer Gesamtheit wird traditionellerweise aufgeteilt in:

  • die streitende Kirche (Ecclesia militans), die aus den jetzt lebenden Christen besteht;
  • die triumphierende Kirche (Ecclesia triumphans), die die Verstorbenen im Himmel umfasst, und
  • die leidende Kirche oder büßende Kirche (Ecclesia patiens oder Ecclesia poenitens), hoffende Kirche (Ecclesia expectans) oder Kirche im Fegfeuer (Ecclesia in purgatorio), bestehend aus denjenigen Christen, die sich gerade im Fegfeuer befinden. Die letzte Gruppe von Begriffen wird hauptsächlich von katholischen Autoren benutzt.

Diese Begriffe werden oft im Kontext der katholischen Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen gebraucht. Obwohl Christen durch den Tod auf natürliche Weise voneinander getrennt sind, bleiben sie miteinander vereinigt in einer Kirche und unterstützen einander im Gebet.

Bedeutung[Bearbeiten]

Das lateinische Wort militare bedeutet zunächst »als Soldat dienen«, aber es nahm zusätzlich die hier gemeinte Bedeutung von »kämpfen, sich anstrengen« an. Christen in der Welt (die Streitende Kirche) kämpfen noch immer gegen die Sünde, in der Hoffnung, nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen und Teil der Triumphierenden Kirche zu werden, d. h. Teil derer, die über die Sünde triumphiert haben. Doch wenn dieser Kampf zwar erfolgreich war, aber nicht vollständig erfolgreich, dann werden sie im katholischen Verständnis zunächst nach ihrem Tod Teil der Leidenden Kirche, bevor sie endgültig in die Triumphierende Kirche aufgenommen werden.

Theologiegeschichte[Bearbeiten]

Nach einem auf den heiligen Augustinus zurückgehenden Vorstellung ist die Kirche in zwei Teilen verwirklicht: ein Teil, „der im Himmel allezeit mit Gott, seinem Schöpfer, verbunden blieb und niemals an sich erfahren musste, daß ein Glied von ihm zu Falle kam; dieser Teil lebt in den heiligen Engeln in ewiger Seligkeit und kommt [...] dem andern noch auf Erden pilgernden Teil zu Hilfe; diese beiden Teile werden einstmals auch eins sein im gemeinsamen Genuß der Ewigkeit, ja sie sind bereits eins durch das Band der Liebe, eine Vereinigung, die keinen anderen Zweck hat als die Verehrung Gottes“.[1]

Eine der frühesten Nennungen des Begriffspaares ecclesia militans und ecclesia triumphans findet sich im 12. Jahrhundert bei Alanus ab Insulis.[2] Da Alanus für seine Metaphern aus dem militärischen Bereich bekannt war (so schreibt er unter anderem von der militia angelorum), nimmt man an, dass er dieses Begriffspaar aufgebracht hat.[3]

Seine Fortsetzung findet dieser Gedanke bei Simon von Tournai[4]: Die ecclesia militans kämpft auf dieser Erde gegen Sünde und Teufel, während die ecclesia triumphans im Himmel thront und die Mutter der kämpfenden Kirche ist.[5]

In der Kirchenkonstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils 1964 werden die systematisierenden Begriffe nicht mehr verwendet, das Gemeinte wird jedoch in den Nummern 49 und 50 beschreibend behandelt, die irdische Kirche wird dabei „Kirche der Pilger“ (Ecclesia viatorum, LG 50) genannt: „Bis also der Herr kommt in seiner Majestät [...], pilgern die einen von seinen Jüngern auf Erden, die andern sind aus diesem Leben geschieden und werden gereinigt, wieder andere sind verherrlicht und schauen klar den dreieinen Gott selbst, wie er ist.“[6] Der Katechismus der Katholischen Kirche weist 1992 auf die dreifache Wirklichkeit hin, indem er von „drei Ständen der Kirche“ spricht, die „zusammen die eine Kirche“ bilden[7]

Liturgischer Kalender[Bearbeiten]

In der Liturgie der römisch-katholischen Kirche wird der Gedanke von den verschiedenen Ständen der Kirche an zwei aufeinander folgenden Tagen ausgedrückt: im Hochfest Allerheiligen am 1. November (die „triumphierende Kirche“) und am Allerseelentag, 2. November (die „leidende Kirche“).

Weblinks[Bearbeiten]

Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Augustinus: Enchiridion de fide, spe et caritate 15. Der Zusatz (die streitende und die triumphierende Kirche) findet sich nicht im lateinischen Urtext und stammt offenbar vom Herausgeber der deutschen Fassung - vgl. den lateinischen Text [1], caput XIX., S. 71.
  2. Alanus: Distinctiones dictorum theologicarum sive summa Quot modis. PL 210, 852A
  3. Nikolaus Häring: Auctoritas in der sozialen und intellektuellen Struktur des zwölften Jahrhunderts. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Soziale Ordnungen im Selbstverständnis des Mittelalters. 2. Halbband, Walter de Gruyter, 1980, ISBN 9783110862324, S. 517 ff., zum Thema vgl. S. 521.
  4. Simon von Tournai: Disputationes 80, 2
  5. So nach Häring bereits Alanus: Distinctiones PL 210, 852B und 745A.
  6. LG 49
  7. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 954 + 962.