Christkönigsfest

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Christus Pantokrator und das Jüngste Gericht, Mosaik im Baptisterium San Giovanni von Florenz

Der Christkönigssonntag (lat. Sollemnitas Domini Nostri Iesu Christi Universorum Regis „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls“, offiziell „Hochfest Christus, König der Welt“[1]) ist in der katholischen Kirche ein Hochfest im Kirchenjahr. In der römisch-katholischen Kirche, den anglikanischen Kirchen sowie in vielen englischsprachigen lutherischen Kirchen ist er der letzte Sonntag des Kirchenjahres.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Christkönigsfest ist recht jung: Es wurde erstmals in der römisch-katholischen Kirche anlässlich des Heiligen Jahres 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa 325 von Papst Pius XI. mit seiner Enzyklika Quas Primas vom 11. Dezember 1925 eingesetzt, wenige Jahre nach dem Untergang von Königs- und Kaiserreichen mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, etwa in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Das Fest wurde zunächst am letzten Sonntag im Oktober gefeiert.

Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils fällt das Fest auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres, Ende November. Zugleich wurden die liturgischen Texte revidiert und die Königsherrschaft Christi stärker als eschatologischer Zustand betont.

In Deutschland begeht die evangelische Kirche am selben Sonntag den Ewigkeitssonntag (Totensonntag), während protestantische Kirchen im englischsprachigen Ausland, die dem englischsprachigen Revised Common Lectionary folgen, den Christkönigssonntag in ihren liturgischen Kalender übernommen haben.

Christus König als Gegensatz zum nationalsozialistischen Führerkult[Bearbeiten]

Christkönigsmosaik (1936) in der Christkönigskirche (Wien)

In der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus spielte die Christkönigsverehrung bei der katholischen Jugend eine große Rolle. Entgegen dem Führerkult der säkularen Gesellschaft setzten junge Katholiken mit Prozessionen und Feiern ein Zeichen gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatten am Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten, die katholischen Jugendverbände an zentralen Orten den so genannten Bekenntnissonntag gefeiert. Im Rahmen von Gottesdiensten mit Fahnenabordnungen und durch das Tragen ihrer Uniformen bekannten sie ihre Zugehörigkeit zu Jesus Christus und boten auf diese Weise ein Zeichen gegen die diktatorische, faschistoide Vereinskultur.[2] Als die Nationalsozialisten das Reichssportfest auf diesen Termin legten, mussten die Jugendverbände ausweichen. Sie wählten stattdessen das Christkönigsfest am letzten Sonntag im Oktober als Termin für den Bekenntnissonntag.

Theologische Begründung[Bearbeiten]

Christkönigsstatue, 1944, Kanjiracode, Kollam (Distrikt), Kerala, Indien

Das Fest betont nach den Umwälzungen infolge des Ersten Weltkriegs und dem Ende großer Monarchien die wahre Königsherrschaft Christi. Die Christkönigsverehrung steht als Variante des Messianismus im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und Politik. Das Fest soll die Königsherrschaft Gottes betonen, ohne dabei in eine exaltierte Beanspruchung weltlicher Macht zu gelangen. Daher ist das Fest einerseits mit dem Königtum Jesu Christi über das Volk Gottes (Israel) verknüpft, aber auch mit der Passion Christi: „Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es“ (Lk 23,3 EU). Jesus beansprucht die Königsherrschaft vor Pilatus, ist aber bereit, eine Dornenkrone statt einer Herrscherkrone aufzusetzen: „Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden!“ (Mt 27,29 EU).

Der Gedanke wurde aufgegriffen, als die ersten Kirchen das Christkönigs-Patrozinium erhielten. Am 21. November 1926 wurde in Bischofsheim bei Mainz die wohl erste Christkönigskirche geweiht. Es folgte 1928 eine Weihe in Stuttgart-Vaihingen. Ein Jahr danach, am 27. Oktober, kam eine Kirche im bayerischen Rosenheim hinzu. Am 15. Juli 1934 erhielt die Kirche im benachbarten Wildenwart das Patrozinium. Für die Christkönigskirche in Saarbrücken hatten schon 1924 mit der Gründung des Kirchbauvereins die direkten Planungen begonnen, die Weihe fand am Christkönigsfest 1929 statt. In Österreich einigte man sich für die Friedenskirche in Linz am 1. Mai 1934 auf das Patrozinium Christkönig. Die Weihe fand am 25. November 1934 statt.

Bis heute wird in einigen Diözesen das Kirchenlied gesungen, das mit dem Fest eng verbunden ist. Der Text stammt von dem Jesuiten und Philosophen Erich Przywara SJ (1889-1972).

O Du mein Heiland hoch und hehr,
dem sich der Himmel beuget,
von dessen Liebe, dessen Macht
die ganze Schöpfung zeuget:
Christus mein König, Dir allein
schenk ich die Liebe stark und rein,
bis in den Tod die Treue.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhard Bieger: Das Kirchenjahr zum Nachschlagen. Entstehung - Bedeutung - Brauchtum. 4. Auflage. Butzon & Bercker, Kevelaer 1997, ISBN 3-7666-9961-X, S. 211.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grundordnung des Kirchenjahres, 1. Kap., Abschn. I. III. ([1] [2])
  2. Florian Michel: Das Christkönigsfest: Liturgie im Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit und Politik. In: Communio. Internationale katholische Zeitschrift 36 (2007) S. 66-80.