Streuselkuchen

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Streuselkuchen
Schlesischer Streuselkuchen mit Füllung

Streuselkuchen ist ursprünglich ein flacher Blechkuchen aus süßem Hefeteig mit einem Belag aus Streuseln, einer krümeligen Mischung aus Zucker, Fett und Mehl, die im Verhältnis 1:1:2 gemischt werden.[1] Er war früher vor allem in Schlesien verbreitet, ist aber heute in ganz Deutschland bekannt. Eine Variante ist der Shoofly Pie der deutschstämmigen Pennsylvania Dutch in den USA.

Zur Herstellung wird zunächst ein süßer Hefeteig dünn auf einem gefetteten Backblech ausgerollt. Anschließend werden Streusel aus zwei Teilen Weizenmehl sowie je einem Teil Fett und Zucker geknetet und reichlich auf den Teigboden gestreut. Zur besseren Haftung wird der Teig vor dem Belegen mit Wasser, Eistreiche oder mit Zucker- oder Honigwasser bestrichen. Unzählige Varianten sind bekannt, beispielsweise mit Vanillecreme, Obst, Mohn oder Quark, die dann mit Streuseln bedeckt werden.

Häufig wird als Fett Butter verwendet. Nach dem Deutschen Lebensmittelbuch muss Butterstreusel 30 Prozent Butter oder die entsprechende Menge Butterreinfett, berechnet auf Getreidemahlerzeugnisse und/oder Stärke, enthalten. Andere Fette dürfen nur als Trennmittel verwendet werden. Aromastoffe, die einen Buttergehalt vortäuschen, dürfen zum Einsatz kommen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl die Erfindung des Streuselkuchens oft der schlesischen Küche zugesprochen wird, gibt es für diese Annahme keine schriftlichen Belege. „Auch wenn sich heute nicht mehr genau sagen lässt, wo der Streuselkuchen erstmals gebacken wurde, so gehörte er im 19. Jahrhundert und später sowohl in Schlesien als auch in den angrenzenden preußischen Provinzen zu den bekanntesten hausgebackenen Kuchen. Von dort aus verbreitete sich der Streuselkuchen weiter. Letzteres wird (…) unter anderem mit den Wanderbewegungen der Schlesier in andere Regionen erklärt.[3]

Spätestens im 19. Jahrhundert war er in Schlesien auf jeden Fall allgemein bekannt und verbreitet und wurde zu zahlreichen Gelegenheiten in den Privathaushalten gebacken, unter anderem zur Kirmes. So berichtete der Dichter Eichendorff im August 1857 in einem Brief: „Heute ist das Kirchweihfest der Schloßkapelle, es gab daher einen großen Sträuszelkuchen zum Frühstück.“ Weitere Anlässe waren das Erntedankfest, Hochzeiten und Taufen. Belegt ist der Streuselkuchen für das 19. Jahrhundert auch in Ost- und Westpreußen.[4]

Spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts war der Streuselkuchen auch im Rheinland allgemein bekannt, wo er häufig nach Beerdigungen gegessen wurde, weshalb er dort den Beinamen „Beerdigungskuchen“ erhielt.[4]

Zitat/Gedicht[Bearbeiten]

Welches schlesische Gemüth würde nicht aufs Innigste ergriffen, denkt es an Streuselkuchen, an dies Wahrzeichen unseres Vaterlandes.“ (Karl von Holtei, Schriftsteller aus Schlesien)

Und der niederschlesische Mundartdichter Hermann Bauch widmete dem Sträselkucha ein acht-strophiges Gedicht:

1) Schlä'scher Kucha, Sträselkucha,
doas is Kucha, sapperlot,
wie's uff Herrgoots grußer Arde
narnt nich su woas Gudes hot.
Wär woas noch so leckerfetzig,
eim Geschmack ooch noch su schien:
Über schlä'sche Sträselkucha
tutt halt eemool nischt nich giehn.

2) Woas is Spritz- und Äppelkucha,
Babe mit und ohne Moh?
Woas sein Krabbla, Pratzeln, Torte,
Striezel, Ee- und Zwieback o?
Nischt wie latschiges Gepomper,
doas ma garne läßt ei Ruh;
doch vom schlä'scha Sträselkucha
koan ma assa immerzu!

(Strophen 1 und 2)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IREKS-Arkady-Institut für Bäckereiwissenschaft (Hrsg.): IREKS-ABC der Bäckerei. 4. Auflage. Institut für Bäckereiwissenschaft, Kulmbach 1985
  2. Leitsätze für Feine Backwaren Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 4. Februar 2010
  3. Irene Krauß, Chronik bildschöner Backwerke, Stuttgart 1999, S. 79
  4. a b Irene Krauß, Chronik bildschöner Backwerke, a.a.O. S. 76 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Streuselkuchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Streuselkuchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen