Rheinland

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rheinland (Begriffsklärung) aufgeführt.
Preußische Rheinprovinz grün (anno 1830)

Mit Rheinland bezeichnet man nicht genauer definierte Gebiete am deutschen Mittel- und Niederrhein.[1][2]

Begriff[Bearbeiten]

Vom Rheinland als einer umfassenden Bezeichnung für deutsche Gebiete am Mittel- und Niederrhein mit einer einheitlichen politischen und gesellschaftlichen Struktur lässt sich erst ab 1798 mit der staatlichen Integration des linken Rheinufers in das revolutionäre Frankreich sprechen. Die fortschrittliche Staats-, Gesellschafts- und Rechtsordnung, die modernen Verwaltungsstrukturen und das Wirtschaftssystem prägten die deutsche Bevölkerung links des Rheins nachhaltig, auch nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft. Die deutschen Staaten, die nach dem Wiener Kongress ihre Territorien auf das linke Rheinufer ausweiteten, respektierten die von Frankreich errichtete Rechtsordnung weitgehend. So blieb der napoleonische Code civil als bürgerliche Rechtsordnung bis zum Inkrafttreten des BGB am 1. Januar 1900 in allen linksrheinischen Territorien erhalten.

Bayern nannte sein linksrheinisches Gebiet zunächst Rheinkreis, später Rheinpfalz, das Großherzogtum Hessen bezeichnete seine linksrheinische Provinz als Rheinhessen.

Preußen schuf 1822 die Rheinprovinz, die den größten Teil des vormals französisch annektierten linksrheinischen Gebiets umfasste und rechtsrheinisch im Wesentlichen durch das Gebiet des von Napoleon Bonaparte hinterlassenen Großherzogtums Berg ergänzt wurde. Die Provinz bestand aus den Regierungsbezirken Aachen, Düsseldorf, Köln, Koblenz und Trier.[2][3] Speziell für diese Provinz bürgerte sich der Name Rheinland ein, auch in seiner latinisierten Form Rhenania.

Das Rheinland in diesem Sinne verteilt sich in der deutschen Nachkriegsordnung als Folge der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten eingerichteten Besatzungszonen auf Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Im engeren Sinne meint man seitdem oft nur den nordrhein-westfälischen Teil, wenn vom Rheinland gesprochen wird. Namentlich gilt das für den Landschaftsverband Rheinland. Für die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich über alle geschichtlichen Umwälzungen hinweg nichts an der ursprünglichen Ausdehnung der Kirchenprovinz geändert, die mit dem Gebietsstand der Rheinprovinz deckungsgleich war.[4]

Der Begriff Rheinland erfuhr zeitweilig eine neue Bedeutungsebene durch die Alliierte Rheinlandbesetzung nach dem Ersten Weltkrieg. Wenn vom besetzten Rheinland gesprochen wurde, so meinte man nicht nur das gesamte linksrheinische Deutschland, sondern auch die rechtsrheinisch besetzten „Brückenköpfe“ (30-km-Zone) um Köln, Koblenz und Mainz.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Mündung der Mosel in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz
Petersberg mit Bundesgästehaus im Siebengebirge (Königswinter bei Bonn)
Burg Eltz über dem Elzbach in der Osteifel (Maifeld)
Aachener Dom, die Grabstätte Karls des Großen mit vorromanischem Oktogon (Mitte). Bis 1531 wurden hier 30 römische bzw. römisch-deutsche Könige gekrönt.
Für Büros und Freizeit neu genutzte ehemalige Speicherzeile im Duisburger Innenhafen
Stadttor Porta Nigra in Trier, dem einstigen römischen Augusta Treverorum
Benrather Schloss im Süden Düsseldorfs
Kölner Rheinpanorama mit dem Dom (links) und der Hohenzollernbrücke
Emil Krupa-Krupinski: Loreley (1899)
Heinrich Heine, geboren in Düsseldorf

Das Rheinland in Nordrhein-Westfalen grenzt im Norden und Westen an die Niederlande sowie im Südwesten an Belgien und im Osten an Westfalen. Der rheinland-pfälzische Teil grenzt im Westen an Belgien und Luxemburg, im Südwesten an das (früher ebenfalls zum Rheinland gezählte) Saarland und im Süden an das Nordpfälzer Bergland und die Rheinhessische Schweiz. Östlich stößt er an Hessen, nordöstlich an Westfalen. Die höchste Erhebung des nordrhein-westfälischen Landesteils ist der in der Eifel gelegene Berg Weißer Stein mit 689 m. Der Erbeskopf im Hunsrück ist mit 816 m die höchste Erhebung des rheinland-pfälzischen Landesteils und damit des Rheinlandes insgesamt und auch der höchste deutsche Berg links des Rheins, der das Land von Südosten nach Nordwesten durchfließt. Zwischen Bingen und Bonn zerschneidet jener das Rheinische Schiefergebirge. Die die Norddeutsche Tiefebene begrenzende Mittelgebirgsschwelle verläuft östlich des Rheins am Unterlauf der Ruhr entlang, dann in südlicher Richtung ungefähr auf der Linie Mülheim an der Ruhr–Solingen–Bergisch Gladbach–Bonn, dann westlich bis nordwestlich in einem Bogen über Düren nach Aachen.

Landschaften[Bearbeiten]

Bevölkerung und Gemeinwesen[Bearbeiten]

Bei der Bevölkerung des Rheinlandes handelte es sich ursprünglich um Franken, und zwar am Niederrhein um Niederfranken (Salfranken) und weiter südlich um Rheinfranken, die auch als Ripuarische Franken bezeichnet werden. Auf diese gehen auch die Moselfranken als Splittergruppe zurück. In Ortsnamen und Familiennamen wird die fränkische Herkunft noch deutlich. Linksrheinische Städte haben indes häufig lateinische Namen und verfügen über reichhaltige Funde aus der Römerzeit. Auf diese Epoche geht z. B. der Weinbau an Rhein, Mosel und diversen Nebenflüssen zurück. Ferner hinterließen die niedersächsischen Westfalen, die sich ebenso wie die Romanen mit den Franken vermischten, vor allem im Norden merkliche Spuren. Während der Katholizismus traditionell meistenteils überwiegt, leben im Bergischen Land, am nördlichen Niederrhein und im Südosten ebenfalls viele (mitunter auch mehrheitlich) Protestanten. In den Ballungsräumen gibt es zudem einen erhöhten Anteil von Muslimen.

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

Nordrhein-Westfalen: Aachen**, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Essen*, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen*, Remscheid, Solingen, Wuppertal*

Rheinland-Pfalz: Koblenz, Mainz, Trier

Kreise/Landkreise[Bearbeiten]

Nordrhein-Westfalen: Kleve, Wesel*, Viersen, Heinsberg, Rhein-Kreis Neuss, Mettmann*, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Euskirchen, Düren, Städteregion Aachen; der Kreis Borken zählt zu Westfalen, die kreisangehörige Stadt Isselburg lag indes bis zur Auflösung des Kreises Rees 1975 im Gebiet des LVR.

Rheinland-Pfalz: Altenkirchen (Westerwald), Neuwied, Ahrweiler, Mayen-Koblenz, Rhein-Hunsrück-Kreis, Cochem-Zell, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel, Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg, Birkenfeld, Bad Kreuznach, Rhein-Lahn-Kreis, Mainz-Bingen

* Die Kommunen sind zwar Mitglieder des LVR, jedoch gehören Teile ihrer Gebiete – wie beispielsweise Essen-Burgaltendorf, Oberhausen-Osterfeld, Wuppertal-Langerfeld, Dingden oder die rechts des Deilbachs liegenden Ortsteile von Velbert-Langenberg – historisch zu Westfalen.
** Die Stadt Aachen gehört zwar seit 2009 zur Städteregion Aachen, bleibt aber basierend auf dem Aachen-Gesetz kreisfreie Stadt.

Kultur[Bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten]

Im nördlichen Rheinland, am Niederrhein bzw. partiell im Bergischen, nördlich der Benrather Linie (Maken/Machen-Isoglosse), herrschen die auf deutscher Seite relativ niederdeutsch geprägten, vom Standarddeutschen beeinflussten, aber gleichwohl als „Niederländisch“ und Rheinmaasländisch klassifizierten Dialekte des Niederfränkischen vor: Kleverländisch/Ostbergisch unterhalb und Limburgisch (Südniederfränkisch) oberhalb der den Niederrhein teilenden Uerdinger Linie (Ick/Ich-Isoglosse). Südniederfränkisch kann als Übergangsmundart zwischen nieder- und hochdeutschem Sprachgebiet betrachtet werden.

Die Gebiete südlich davon liegen im westmitteldeutschen Teil des hochdeutschen Sprachgebiets: Bis in etwa der Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, genauer gesagt bis zur Vinxtbach-Linie (Dorp/Dorf-Isoglosse) wird der nördliche mittelfränkische Dialekt des Ripuarischen, auch als „kölsche Mundart“ bekannt, gesprochen, während es sich südlich dieser Linie um ebenfalls mittelfränkisches Moselfränkisch handelt. Östlich bzw. südlich der Sankt Goarer Linie (Dat/Das-Isoglosse) beginnen die rheinfränkischen Mundarten, zu denen auch Rheinhessisch zählt.

Eine Ausnahme bilden der Kreis Kleve und Teile des Kreises Wesel. Hier lässt sich streiten, ob der ursprüngliche Dialekt ein deutscher mit starkem niederländischen Einfluss oder ein niederländischer mit starkem deutschen Einfluss ist. Allerdings war bis vor 100 Jahren die Schulsprache Niederländisch.

Dokumentiert werden die Dialekte des Rheinlands im Rheinischen Wörterbuch.

Brauchtum[Bearbeiten]

Besonders bekannt ist im Rheinland der Karneval. Besonders der Karneval in Köln, Mainz und Düsseldorf ist auch überregional bekannt, ebenso wie die traditionelle Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf, die sich unter anderem in ihren verschiedenen Karnevalsrufen („Alaaf“ für Köln, „Helau“ für Düsseldorf) sowie in Meinungsverschiedenheiten über den Geschmack der jeweiligen regionalen Biersorten (Alt in Düsseldorf, Kölsch in Köln) ausdrückt. In kleineren Städten und auf dem Lande wird der Karneval auch gefeiert, hier ist oft die ganze Bevölkerung an den traditionellen Umzügen beteiligt. (Siehe Düsseldorfer Karneval, Eschweiler Karneval, Kölner Karneval, Koblenzer Karneval, Neusser Karneval.)

Ebenfalls traditionelles Brauchtum stellen die Schützenfeste am Niederrhein und darüber hinaus dar. Besonders das Neusser Bürger-Schützenfest ist aufgrund seiner hohen Teilnehmerzahl (über 6000 Aktive) bekannt. Die alljährlich für die Dauer von neun Tagen stattfindende Annakirmes in Düren gilt mit rund einer Million Besucher als eines der größten Volksfeste im Rheinland.

Küche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rheinische Küche

UNESCO-Welterbe[Bearbeiten]

Bislang wurden eine Reihe von Sehenswürdigkeiten bzw. Ensembles aus dem Rheinland in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen:

Bekannte Rheinländer[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Soziale Marktwirtschaft, die unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard entwickelt wurde, wird auch Rheinischer Kapitalismus genannt – als mildere Form des Kapitalismus in Abgrenzung zum Manchesterkapitalismus.

IHK-Initiative Rheinland[Bearbeiten]

Seit 2010 wird von den IHK-Kammerbezirken Aachen, Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Köln und Bonn/Rhein-Sieg die Idee einer Metropolregion Rheinland, die sich über die Kammerbezirke erstreckt, pressewirksam kommuniziert. Die seit Oktober 2010 auf der Expo Real in München kommunizierte Gründung einer Metropolregion Rheinland[5] ist aber eher als Marketingoffensive zu verstehen, denn als tatsächlich strukturpolitisch tätige Metropolregion, wie sie durch die Ministerkonferenz für Raumordnung definiert wurde. Die IHK-Initiative ist ein erster Schritt, die Region Rheinland auf sich selber aufmerksam zu machen, muss sich aber eher über Themen als über räumliche Zuschnitte (Kammerbezirkszuschnitt) finden. Eine Metropolregion Rheinland braucht neben dem rein wirtschaftlichen Motor der IHK auch die gesellschaftliche und soziale Entwicklung des Verdichtungsraumes.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Rheinland – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rheinland in: Microsoft Encarta
  2. a b Meyers großes Taschenlexikon – Band 18. Bibliographisches Institut, Mannheim 1992
  3. Das Rheinland in NRW, Wissensarchiv WDR
  4. Gerhard Muller: Theologische Realenzyklopädie: Religionspsychologie, Samaritaner, Band 29. de Gruyter, 1998, ISBN 3-11-016127-3, S. 167–176 (Kapitel Rheinland), eingeschränkte Online-Version auf Google Books
  5. „Rheinland soll Metropolregion werden“ aus Rheinische Post vom 6. Oktober 2010
  6. Sieger war Volkstumspolitiker und Geograph, Erfinder des Begriffs „Donauschwaben“