Luginsland (Stuttgart)

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Wappen von Stuttgart
Luginsland
Stadtteil von Stuttgart
Karte
Koordinaten 48° 47′ 35″ N, 9° 15′ 28″ O48.79319.2579Koordinaten: 48° 47′ 35″ N, 9° 15′ 28″ O
Fläche 0,697 km²
Einwohner 2873 (2011)
Bevölkerungsdichte 4122 Einwohner/km²
Postleitzahl 70327
Vorwahl 0711
Stadtbezirk Untertürkheim
Quelle: Datenkompass Stuttgart

Die Gartenstadt Luginsland ist ein Wohngebiet der Landeshauptstadt Stuttgart (Baden-Württemberg) und gehört zum Stadtbezirk Untertürkheim. 2001 wurde der ursprüngliche gleichnamige Stadtteil Luginsland in die drei Stadtteile Luginsland, Gehrenwald und Flohberg aufgeteilt.

Typisches Gartenstadt-Wohnhaus von 1915

Geschichte[Bearbeiten]

Das ab 1911 durch die dafür gegründete Baugenossenschaft neu entstandene Wohngebiet für Arbeiter der Firmen Daimler-Motoren-Gesellschaft und Robert Bosch GmbH wird wegen des genossenschaftlichen Prinzips und der typischen Bebauung mit kleinen Reihenhäusern (jeweils mit Vorgärten) als „Gartenstadt“ bezeichnet.

Durch weitere Neubaugebiete (z. B. Flohberg, Gehrenwald und Goldberg) wurden im Laufe der Jahre die Baulücken zwischen Luginsland und dem historischen Kern von Untertürkheim vollständig geschlossen.

Ein Seniorenpflegeheim, benannt nach dem evangelischer Verleger Paul Collmer, wurde 1988 eröffnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die evangelische Gartenstadtkirche wurde 1969 als wuchtiger Betonbau des Architekten Heinz Rall erbaut. Sie ist ausgestattet mit prächtigen Bildern von Emil Kiess an der Altarwand. Das „Alte Gartenstadtkirchle“ von 1931 wurde 1944 durch Fliegerbomben zerstört, ab 1948 wiederaufgebaut und dient seit 1969 vorwiegend als Begegnungsstätte.
  • Sehenswert ist der 1990 gebaute und mit mehreren Preisen ausgezeichnete Kindergarten „Schiff im Weinberg“ von Architekt Günter Behnisch.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Widerstandsgruppe Schlotterbeck aus Luginsland[Bearbeiten]

Zehn Mitglieder der kommunistischen „Widerstandsgruppe Schlotterbeck“ aus Luginsland, die dem Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben, wurden am 30. November 1944 im KZ Dachau ermordet. Eine Gedenktafel in der Annastraße 6 in Luginsland und eine Gedenkstätte im Friedhof Untertürkheim erinnern an sie.

Kopf der Gruppe war Friedrich Schlotterbeck. Der frühere württembergische KJVD-Landesvorsitzende und aktive Widerständler war am 27. August 1943 aus 10-jähriger Haft (zuletzt im Schutzhaftlager Welzheim) entlassen worden und war danach wieder für die KPD aktiv. Zusammen mit seinen Eltern Gotthilf und Maria Schlotterbeck, seinen Geschwistern Hermann Schlotterbeck und Gertrud Lutz, sowie anderen Mitgliedern wie Karl Stäbler arbeiteten sie von Luginsland aus gegen das NS-Regime, z. B. durch Weitergabe von Informationen über die Rüstungsindustrie an die Alliierten. Zur Gruppe gehörte auch Friedrichs Verlobte Else Himmelheber. Sie wurde in Stuttgart-Ostheim geboren und wohnte von 1911 bis 1944 mit Unterbrechungen in Heslach in der Adlerstraße 24. Von 1933 bis 1938 war sie als politische Gefangene im Gefängnis oder in Schutzhaft. Im Mai 1944 wollten sie und Friedrich Schlotterbeck heiraten. Kurz zuvor wurden die Gruppe verraten. Friedrich und Hermann Schlotterbeck, Himmelheber und Stäbler versuchten einzeln, in die Schweiz zu fliehen. Else Himmelheber wurde im Juni 1944 verhaftet. Am 30. November 1944 wurde sie mit den Eltern Schlotterbeck, Gertrud Lutz und anderen kommunistischen Widerstandskämpfern im KZ Dachau ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Hermann Schlotterbeck wurde zusammen mit dem Fallschirmagenten Andreas Wiedemann-Stadler und dem Kommunisten Gottlieb Aberle am 19. April 1945 auf Befehl der Gestapo von einem Kommando der Stapoleitstelle Stuttgart im Wald bei Riedlingen erschossen.[1] Mehrere Bekannte und Nachbarn wurden 1945 im Zuchthaus Halle ermordet. Friedrich Schlotterbeck gelang die Flucht; nach Kriegsende schrieb er ein Buch über die Widerstandsgruppe und seine KZ-Zeit. Karl Stäbler überlebte in einem Versteck, die 1942 geborene Tochter von Gertrud Lutz kam zu einer Pflegefamilie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, ISBN 3-89657-145-1, S. 409f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stuttgart-Luginsland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fotos[Bearbeiten]