Swifterbant-Kultur

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Die Swifterbant-Kultur ist eine spätmesolithische bzw. neolithische Kultur, die in den Feuchtgebieten der Niederlande einschließlich der Regionen zwischen Antwerpen, in Belgien und Niedersachsen zwischen 5000 und 3400 v. Chr. existierte. Die Standorte am Rande der neolithischen Linearbandkeramischen Kultur (LBK) zeigen starke Ähnlichkeit mit denen der spätmesolithischen Ertebölle-Ellerbeck-Kultur. Swifterbant ist ein Ort, der zur Gemeinde Dronten gehört und in der Provinz Flevoland liegt. Der Fundplatz wurde von der Universität Groningen ausgegraben.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Swifterbant-Kultur ist an mehreren Orten (Bergschenhoek, Brandwijk-Kerkhof, Hazendonk, Schokkerhaven, Swifterbant) als kleine Lager auf den Dünen in den Niederlanden belegt. Die Standorte datieren zwischen 5700 und 4100 v. Chr., und wurden im Sommer in drei Phasen jeweils als kleine saisonale Fischerlager bewohnt. Mindestens zwei kleine Gräberfelder und Beweise für Rinder und Schweine wurden erkannt. Die Knochen von Bibern, Fischottern, Hirschen und Wildschweinen wurden gefunden.

Töpfe und andere Artefakte der materiellen Kultur der LBK wurden von den Swifterbant-Leuten ziemlich früh adaptiert, aber die Forschungen von Cappers und Raemaekers legen nahe, dass es bis etwa 4300 v. Chr. dauerte, bis dem neolithischen Repertoire der Getreideanbau hinzugefügt wurde. Die Belege für lokalen Getreideanbau der Swifterbant-Kultur umfassen Pollendiagramme, die Getreidepollen enthalten, und Spuren auf Feuersteinartefakten, die als Sichelglanz interpretiert wurden. Die Funde umfassen Einkorn, Emmer und Nacktgerste. Schlafmohn wurde in Brandwijk-Kerkhof gefunden, wobei seine genaue Verwendung in der Kultur unklar blieb.

Verzögerung der Landwirtschaft[Bearbeiten]

Keramik und anderen kulturelle Besonderheiten der LBK kamen etwa 5300 v. Chr. in den Südosten der Niederlande (Limburger Kultur). Aber Kulturpflanzen wurden auf den Swifterbant-Plätzen frühestens 4370 v. Chr. gefunden. Das genaue Datum ist derzeit jedoch noch unbekannt. Warum die Swifterbant-Menschen die Errungenschaften der LBK und der folgenden neolithischen Kulturen (Rössen und Michelsberg) nicht adaptierten, ist eine offene Frage. Mögliche Gründe sind:

  • 1. Umweltbedingungen (die westlichen Niederlande wurden durch den etwa zu dieser Zeit den Höchststand erreichenden Meeresspiegelanstieg zum Gezeitenareal),
  • 2. die Vielzahl von Nahrungsquellen in den Feuchtgebieten macht Landwirtschaft unnötig[1]
  • 3. kultureller und ideologischer Widerstand gegen Veränderungen.
  • 4. angesichts der wenigen Fundplätze, kann eine Forschungslücke das Bild verzerren.

Nachfolger der Swifterbant-Kultur ist die Vlaardingen-Kultur, die ebenfalls im äußersten Westen der Niederlande als semimesolithische Kultur überlebte.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. T. J. Cappers & D. C. M. Raemaekers: Cereal cultivation at Swifterbant? Current Anthropology 49(3) 2008 S. 385-402.
  • A. Out Welmoed: Growing habits? Delayed introduction of crop cultivation at marginal Neolithic wetland sites. Vegetation History and Archaeobotany 17(Supplement 1): 2008 S. 131-138.
  • A. Out, Welmoed: Neolithisation at the site Brandwijk-Kerkhof, the Netherlands: natural vegetation, human impact and plant food subsistence. Vegetation History and Archaeobotany 17(1):2007 S. 25-39.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frage eines San der Kalahari: why should we plant?