TOEFL
Der Test of English as a Foreign Language (TOEFL) ist ein standardisierter Test, in dem die Kenntnis der englischen Sprache von Nicht-Muttersprachlern überprüft wird. Der Test wird von vielen Universitäten im englischsprachigen Raum, insbesondere in den USA, als Zulassungsvoraussetzung anerkannt. In seiner derzeitigen Form (iBT) ist er in die Abschnitte
- Reading Comprehension (Verständnis geschriebener Sprache)
- Listening Comprehension (Verständnis gesprochener Sprache)
- Speaking (Sprechen)
- Written Expression (Selbständiges Schreiben)
gegliedert. Grammatik wird in allen vier Testformen berücksichtigt. Die Antworten in den ersten beiden Testteilen werden im Multiple-Choice-System gegeben. Die Gültigkeit ist auf zwei Jahre beschränkt, da nach wissenschaftlichen Studien u.a. des Educational Testing Service, der Testentwickler von TOEFL und auch TOEIC, die weitere Verwendung der Englischen Sprache nach dem absolvierten Test entscheidend für die Sprachkompetenzen in der Zukunft ist. Spricht der getestete Kandidat nach dem Test nie wieder Englisch oder ausschließlich in Ausnahmefällen, so würde seine Kompetenzen sich negativ verändern. Aus diesem Grunde kann der Educational Testing, der Testentwickler von TOEFL und auch TOEIC, wissenschaftlich belegt keinen Sprachstand über einen längeren Zeitraum als 2 Jahre garantieren. Der Educational Testing Service, der Testentwickler von TOEFL und auch TOEIC, empfiehlt hier spätestens nach 2 Jahren eine erneute Sprachstandsmessung zum Nachweis des aktuellen Sprachstands bzw. zum Nachweis der aktuellen sprachlichen Kompetenzen.
Der TOEFL wird weltweit vom Educational Testing Service (ETS) durchgeführt. Er existiert seit 1964 und wurde seither von mehr als 22 Millionen Personen absolviert.[1]
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Internet-based Test (iBT)[Bearbeiten]
Ende 2005 wurde der TOEFL als Internet-based Test (iBT) in den USA, Deutschland, Frankreich und Italien eingeführt. Dieses neue Testformat löste in diesen Ländern alle vorherigen TOEFL-Testformen ab. Für Kandidaten mit Behinderung werden allerdings angepasste Tests angeboten. Die anderen Länder folgten 2006/2007. Der Internet-TOEFL erfasst nun zusätzlich die mündlichen Sprachfertigkeiten des Teilnehmers. Die Maximalpunktzahl beträgt 120 Punkte, wobei pro Fertigkeit maximal 30 Punkte vergeben werden.
Der gesamte Test dauert mit Einchecken, Anweisungen, Ladezeiten, vollem Ausnutzen nicht zeitlich gesteuerter Instruktionsseiten und 10-minütiger Pause maximal viereinhalb Stunden. Die Kosten für den Test variieren in den verschiedenen Ländern, in Deutschland und Österreich kostet er 240 US-Dollar, in der Schweiz 250 US-Dollar (Stand Januar 2013)[2]. Die Anmeldung erfolgt online oder telefonisch in den USA beziehungsweise in den Niederlanden. Die Tests selber werden dann an lokalen Testzentren durchgeführt (in Deutschland derzeit etwa 5 größere und 15 kleinere). Es gibt pro Land jeden Monat zwischen 3 und 5 Prüfungstermine (wenn auch nicht unbedingt an allen Testzentren). Die Auswertung erfolgt laut ETS innerhalb von 15 Werktagen.
| Aufgabe | iBT | Zeitlicher Umfang |
|---|---|---|
| Lesefähigkeit (Reading) | 3-5 Texte mit 36-70 Fragen | 60-100 Minuten |
| Hörverständnis (Listening) | 2 bis 3 Unterhaltungen, 4 bis 6 Vorlesungen, 34-51 Fragen | 60-90 Minuten |
| Sprachfertigkeiten (Speaking) | 6 Aufgaben mit 6 Fragen | 20 Minuten |
| Schreibfertigkeiten (Writing) | 2 Aufgaben mit 2 Fragen | 50 Minuten |
Alte Testformen[Bearbeiten]
Der alte Test wird in zwei Varianten abgenommen, die verschiedene Punkteskalen haben, aber als gleichwertig anerkannt sind: PBT (paper-based test, 310 bis 677 Punkte) und CBT (computer-based test, 0 bis 300 Punkte). Von Universitäten werden typischerweise mindestens 550 bis 600 Punkte (PBT-Skala) für die Aufnahme in postgradualen Studiengängen (Master) verlangt. Zusammen mit dem TOEFL wird auch der Test of Written English durchgeführt, aber separat bewertet. ETS bietet eine Vergleichstabelle (PDF; 1,0 MB) an.
Computer-Based Test[Bearbeiten]
| Aufgabe | Zeitlicher Umfang | Anzahl der Fragen |
|---|---|---|
| Listening Section | 40 bis 60 Minuten | 30 bis 50 Fragen |
| Listening and Structure Section | 15 bis 20 Minuten | 20 bis 25 Fragen |
| Reading Comprehension | 70 bis 90 Minuten | 44 bis 60 Fragen |
| Writing Section | 60 Minuten | 2 Fragen |
(insgesamt also 96 bis 137 Fragen in 3 Stunden, 05 Minuten bis 3 Stunden, 50 Minuten)
Kritik an Kosten und Geschäftsmodell[Bearbeiten]
Kostensteigerungen[Bearbeiten]
Seit 2006 hat sich der Preis des TOEFL in Deutschland von 155 auf 240 US-Dollar um 55% verteuert (siehe Grafik, Quelle: Berechnung aus Werten in der Wikipedia-Versionsgeschichte). Der Educational Testing Service gibt an, dass die Kosten für Entwicklung, Produktion, Verwaltung und Benotung bezahlt werden müssten und kein Gewinnstreben besteht. Der Preisanstieg wird auf erhöhte "administrativen Ausgaben" zurückgeführt. Dies erscheint insofern fraglich, als dem Autor Jan Willmroth für den Zeitraum von 2000 bis 2011 allein für Deutschland jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich 8% mehr Tests genannt wurden und daher abnehmende Grenzkosten pro Test zu erwarten wären. Bei den Testzentren in Deutschland kommt nur eine Aufwandsentschädigung von 30 bis 40 Euro von 190 Euro Testgebühr an. Genauere Zahlen zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit in Deutschland sind aufgrund der Verschwiegenheit des Unternehmens nicht bekannt. [3]
Gewinne, hohe Gehälter und Bonuszahlungen trotz Gemeinnützigkeit[Bearbeiten]
In den USA steht ETS bereits seit 2002 in der Kritik, weil die Organisation einerseits als gemeinnützig anerkannt und so von der Steuer befreit ist, andererseits aber hohe Gehälter und Bonuszahlungen bekannt geworden sind, seitdem Kurt Landgraf 2001 CEO wurde. Die Bonuszahlungen für Führungskräfte befanden sich in seinem ersten Jahr in derselben Größenordnung wie deren Jahresgehälter, während im akademischen und Stiftungsbereich sonst nur fünf bis zehn Prozent üblich sind. Einmalzahlungen von bis zu 366.000 US-Dollar wurden an 15 Angestellte gezahlt, Landgraf selbst bekam für seine ersten zehn Monate 800.000 US-Dollar. Insgesamt kamen im fiskalischen Jahr 2001 so circa zwei Millionen US-Dollar Boni zusätzlich zum Gehalt zusammen, bei einem Gewinn von 34 Millionen US-Dollar.[4] Auch im Jahr 2010 beliefen sich die Gewinne auf circa 27 Millionen US-Dollar, das Gehalt Landgrafs auf rund 1,2 Millionen US-Dollar und die Gehälter in der Führungsriege auf über 200.000 US-Dollar.[5]
Marktbeherrschende Stellung[Bearbeiten]
Robert Schaefer, der für öffentliche Bildung zuständige Direktor der US-Interessenvereinigung "Fairtest", kritisierte nicht nur die Verwendung der Gewinne der Non-Profit-Organisation für Bonuszahlung anstelle einer Reduzierung der Testgebühren, sondern auch die Monopolstellung von ETS: "Dieses Geld kommt aus den Taschen der Testnehmer, deren Eltern und von Steuerzahlern aus Bundesstaaten, die einen Vertrag mit ETS haben, von Menschen, die keine andere Wahl haben als für diese Tests zu zahlen." ETS führt in den USA Zulassungstests für das College durch (SAT, GRE, GMAT) und hat mit GRE und GMA für bestimmte Fachrichtungen quasi ein Monopol.[6] Auch deutsche Studienbewerber sind für den Nachweis ihrer Englischkenntnisse häufig auf TOEFL angewiesen, da viele Universitäten nur diesen oder den ähnlich teuren IELTS-Test anerkennen. Eigenen Angaben zufolge ist das Unternehmen mit jährlich 50 Millionen Tests und 5300 Beschäftigten das größte der globalen Testindustrie. Der Umsatz von ETS 2010 betrug rund eine Milliarde US-Dollar.[7]
Infragestellung des Tests an deutschen Universitäten[Bearbeiten]
Die Universität Hamburg hat den TOEFL als Zugangsvoraussetzung für den Anglistik-Bachelor im Mai 2012 abgeschafft.[8] Studiendekanin Prof. Susanne Rupp begründet dies mit dem hohen Administrationsaufwand, dem problematischen Rückgriff auf externe Dienstleister und die Benachteiligung sozial Schwächerer durch die hohen Testgebühren. Die Erfahrungen mit der Abschaffung seien "durchweg positiv" und diese habe sich nicht merklich auf die Qualität der Studienbewerber niedergeschlagen. Auch beim Masterstudiengang in Agricultural and Food Economics an der Universität Bonn hat die Abschaffung der TOEFL-Zugangsvoraussetzung bei den deutschen Bachelorabsolventen sich nicht negativ ausgewirkt. [9]
Siehe auch[Bearbeiten]
- Cambridge ESOL
- Graduate Management Admission Test (GMAT)
- Graduate Record Examination (GRE)
- Test of English for International Communication (TOEIC)
Weblinks[Bearbeiten]
- TOEFL Deutschland English as a Foreign Language
- TOEFL iBT Score Comparison Tables (englisch; PDF; 1,0 MB)
- Educational Testing Service: TOEFL (englisch)
- Infos und Beschreibung zum Ablauf des TOEFL
Belege[Bearbeiten]
- ↑ The Official Guide to the TOEFL Test, Third Edition 2009, S. 2.
- ↑ http://www.ets.org/bin/getprogram.cgi?test=toefl
- ↑ Jan Willmroth: Die Sprache des Geldes. In: ZEIT Campus, Die ZEIT, 12. Dezember 2012. Abgerufen am 1. Februar 2012.
- ↑ Tamar Lewin: Corporate Culture and Big Pay Come to Nonprofit Testing Service. In: NY Times, NY Times, 23. November 2002. Abgerufen am 1. Februar 2012.
- ↑ Jan Willmroth: Die Sprache des Geldes. In: ZEIT Campus, Die ZEIT, 12. Dezember 2012. Abgerufen am 1. Februar 2012.
- ↑ Tamar Lewin: Corporate Culture and Big Pay Come to Nonprofit Testing Service. In: NY Times, NY Times, 23. November 2002. Abgerufen am 1. Februar 2012.
- ↑ Jan Willmroth: Die Sprache des Geldes. In: ZEIT Campus, Die ZEIT, 12. Dezember 2012. Abgerufen am 1. Februar 2012.
- ↑ IELTS-CODE. In: Universität Hamburg, 6. August 2012. Abgerufen am 1. Februar 2013.
- ↑ Jan Willmroth: Die Sprache des Geldes. In: ZEIT Campus, Die ZEIT, 12. Dezember 2012. Abgerufen am 1. Februar 2012.