Tacht-i Suleiman

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36.603947.235Koordinaten: 36° 36′ 14″ N, 47° 14′ 6″ O

Karte: Iran
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Tacht-i Suleiman
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Iran
Thron des Salomon

Der Tacht-i Suleiman (persisch ‏تخت سلیمان‎, DMG Thron des Salomo) ist ein Gebäudekomplex, bestehend aus dem Palast, dem Feuertempel mit Peribolos und Befestigungsanlagen aus der späten Sassanidenzeit (etwa 420–640 n. Chr.). Er liegt auf einem Travertinhügel in 2200 m Höhe, 250 km südöstlich von Täbris im Nordwesten des Iran. Begünstigt wurde die Nutzung dieses abgelegenen Platzes durch einen warmen Quellsee von etwa 90 m Durchmesser und bis zu 100 m Tiefe.

Geschichte[Bearbeiten]

Diese Gründung der Parther heißt mittel-persisch Shiz, neu-persisch Djiz, mongolisch Saturiq und arabisch Esch Schiz. 3 km entfernt liegen der Felskegel Zendan-i Suleiman (Gefängnis Salomos) mit einer Siedlung und einem Heiligtum, sowie der Tumulus Tepe Madjid.

Der Feuertempel Tacht i Suleiman, auch Takht e Suleiman hieß ursprünglich Azer Nush (persisch ‏آذر نوش‎, DMG Wohltuendes Feuer), auch Azar Gustasap. Joseph von Hammer-Purgstall zählt diesen Feuertempel in seinem Werk Siebenmeeres zu den sieben berühmten und bekannten zoroastristischen Feuertempeln der antiken Zeit.[1] Von Hammer-Purgstall schreibt:

Unter die geographischen Weltwunder gehören außer den schon erwähnten Quellen […] sind die Götzentempel von Sumnat[2] in Indien, Snbehar bey Ghasna,[3] der Feuertempel Newbehar[4] bey Balch, deren schon oben Erwähnung geschehen, und dann andere Feuertempel, nach den Feuern, die darinnen verehret wurden, beygenannt, als: Asernusch[5] (der zweyte der sieben Feuertempel Persiens, I 5c>), der erste von Aserabad (zu Tebris) ist schon oben vorgekommen. Aser Chordad[6] (der dritte der sieben Feuertempel, und nach einigen der zweyte oder fünfte, zu Schiras, 1.29); Äser Barsin, d.i. das Feuer des Perseus, der sechste in Chorasan; Aser Chorin,[7] der fünfte, auch Aserajin[8] genannt(1.85), so wie Aser Bersin, auch Rani Bersin[9] (Hl 27), heißt. Aser Behram, d.i. das Feuer des Mars, der dritte, und Aser Seraduscht oder Aser Serduscht,[10] d. i. das Feuer Soroaster’s, der siebente der Feuertempel Persiens.[11]
Satellitenbild von einem Teil des Sulaiman Gebirges im heutigen Pakistan

Seit 2003 gehört der Tacht-i Suleiman zum UNESCO-Weltkulturerbe. Suleiman bzw. Soleiman ist die arabisch-persische Form von König Salomo und wird von Moslems genauso wie andere Könige und Propheten vor Mohammad geehrt. Im Koran heißt es, dass der König Salomo die Herrschaft über die Dschinn hatte, die für ihn Schätze aus dem Meer beschafften und sogar den Tempel von Quds (d. h. Jerusalem) bauten. Er hatte einen Talisman, auf dem der wahre Name Gottes stand und mit dem er alles beherrschen konnte. Auch soll ihm von Allah die Macht über die Tiere übertragen worden sein, und er soll die Sprache der Vögel gesprochen haben. Im orientalischen Volksglauben, namentlich in Tausendundeine Nacht, wird Salomo (Sulaiman, Soliman, Süleyman) dargestellt als erster namhafter König, der Allah dient, als Inbegriff der Weisheit, der Menschen, Tieren und Geistern befiehlt, und der die Dschinn in Flaschen einsperrt und kurzfristig sogar Iblis, den Teufel, gefangen nimmt. Er wird dort auch als „Herr der Ifrit“ (Totengeister) bezeichnet. Süleyman war daher ein sehr beliebter Vorname, den auch mehrere Kalifen und Sultane trugen.

Eine Änderung des Namens von Azar Nush in Tacht i SoleimanSolomos Thron‘[12][13] hat selbst die Ruinen des zoroastrischen Feuertempels vor weiterer Zerstörung gerettet. Suleiman-Gebirge ist ein Gebirge des Hindukusch. Es ist nach dem König Solomo benannt und befinden sich in Khyber Pakhtunkhwa und in der Provinz Belutschistan im heutigen Pakistan. Ein Berg des Suleiman- Gebirges heißt Takht-e-Sulaiman (3487m hoch) und liegt in der Provinz Belutschistan.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Die erste Untersuchung erfolgte 1937 durch eine amerikanische Forschergruppe unter A. U. Pope. Die Erforschungen der Eurasienabteilung des DAI wurden von Rudolf Naumann, Hans Henning von der Osten, D. Huff, W. Kleiss und U. Harb in den Jahren 1959–1966 und 1968–1975 durchgeführt. Die umfangreiche Dokumentation der Ausgrabungen wird in der Eurasien-Abteilung in Berlin aufbewahrt.

Die ersten Bauten an der Stätte stammen bereits aus der Zeit der Parther (vor 224 n.Chr.). Die Grabungen ergaben, dass Tacht-i-Suleiman mit dem zoroastrische Feuerheiligtum Atur Guschnasp (auch „Adur“ geschrieben) identisch ist, während der Palast von sassanidischen Großkönigen bewohnt wurde. Spätestens seit Bahram V. kamen die sassanidischen Perserkönige nach ihrer Thronbesteigung und vor größeren Feldzügen hierher, um religiösen Zeremonien beizuwohnen. Der oströmische Kaiser Herakleios scheint die Anlage in den 620er Jahren zerstört zu haben.

Nach dem Ende des Sassanidenreiches wurde der Platz von Abaqa Khan, dem Enkel des mongolischen Herrschers Dschingis Khan beherrscht. Eine sakrale Bedeutung hatte er zu dieser Zeit nicht mehr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Huff: Takht-I-Suleiman – Der Thron des Salomo in den iranischen Bergen. In: Bild der Wissenschaft. 7/1982.
  • Wolfram Kleiss: Zendani-I-Suleiman. Die Bauwerke. Wiesbaden 1971.
  • Josef Wiesehöfer: „Königsfeuer“ und „Thron Salomons“. Der Tacht-i Sulaiman in Iranisch-Azerbaidschan. In: A. C. Messner, K. Hirschler (Hrsg.): Heilige Orte in Asien und Afrika. Räume göttlicher Macht und menschlicher Verehrung. Schenefeld/Hamburg 2006, ISBN 3-936912-19-X, S. 59–77.
  • Deutsche Übersetzung des Werkes von Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron: Zend-Avesta, ouvrage de Zoroaster. Drei Bände. Paris 1771. Hartnoch, Riga 1776–1778. Überarbeitete Neuauflage der Kleuker-Ausgabe unter dem Titel Ulrich Hannemann (Hrsg.): Das Zend-Avesta. Weißensee-Verlag, Berlin 2011.
  • Joseph von Hammer-Purgstall: Anzeige des Siebenmeers: nebst einem Verzeichnisse mit Wörtern Germanischer […]. Wien 1831.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Takht-i-Suleiman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Joseph von Hammer-Purgstall, books.google.de. Gerold, Wien 1831, S. 76f
  2. Somnath
  3. Sur Bahar Frühling bzw. Rote Frühlingsblume bei Ghazna, heute Ghazni
  4. Naubahar (Neuer Frühling bzw. Nouruz)
  5. Azer Nusch (Liebliche Feuer) bzw. Nush Azar, Feuertempel bei Balkh, Baktra
  6. Azar Khordad (Feuer des Zwillings, Feuer des Wohlbefinden bzw. Khor bedeutet Sonne, dad (gegeben), Feuer von der Sonne gegeben)
  7. gemeint: Azar Aien bedeutet Traditionsfeuer
  8. Traditionsfeuer
  9. Agni bedeutet ‚Feuer‘ und Rani bedeutet in Devnagari: रानी ‚Königin‘
  10. Azar Zaraduscht (Feuer des Zoroaster)
  11. Joseph von Hammer-Purgstall: Anzeige des Siebenmeers: nebst einem Verzeichnisse mit Wörtern Germanischer […]. Wien 1831, ebenda
  12. Karl Friedrich Alexander von Humboldt: Annalen der erd, völker- und staatenkunde […], Bd. 1. Berlin 1836, S. 343
  13. Carl Ritter: Die Erdkunde von Asien, Bd. VIII. Berlin 1848, S. 40ff