Tent pegging

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Tent pegging.

Tent pegging (wörtlich "zeltpflocken") bezeichnet eine Reitsportart, die in einigen Commonwealth-Staaten populär ist. Dieser Pferdesport ist offiziell von der International Federation of Equestrian Sports anerkannt.

Das Ziel dieser Disziplin ist es, mittels einer Lanze einen im Boden steckenden Zeltpflock aufzuspießen. Es wird erst im Schritttempo geübt um später den Pflock auch im Galopp treffen zu können.

Neben der engeren Bedeutung hat sich im englischen Sprachraum der Begriff "Tent pegging" zum Oberbegriff aller Pferdesportarten entwickelt, bei denen mit einem spitzen Gegenstand von Pferd aus ein Ziel anvisiert wird - dazu zählen dann auch Ringreiten / "ring jousting" (anvisieren eines aufgehängten Rings), "lemon sticking" (anvisieren einer Zitrone, die auf einem Pfahl liegt oder an einem Seil hängt), Quintana-Stechen (anvisieren einer beweglichen Figur) und Parthian Archery (Bogenschießen zu Pferd).

Dem Sport unterliegt die Legende, dass damit ein militärischer Überfall zu Pferd auf ein Zeltlager geprobt wurde. Durch das Ziehen und Umreißen der Zeltpflöcke (Zeltheringe) fielen die Unterkunftszelte zusammen und verbreiteten so Verwirrung im gegnerischen Lager. Tatsächlich finden sich keinerlei Belege, dass diese Taktik tatsächlich jemals im Kampf zum Einsatz kam. Eine neue Interpretation, die auch von der FEI vertreten wird, verlegt die Ursprünge dagegen nach Indien, wo über viele Jahrhunderte Kriegselefanten in die Heere integriert waren. Die Reitertruppen übten als Gegentaktik, mit der Lanzenspitze die empfindlichen Füße zu treffen und insbesondere in die hochempflichen Fussnägel zu stechen, sodass der Elefant in Panik seinen Mahout abwirft, wild wegrennt und dabei womöglich feindliche Fußsoldaten niedertrampelt oder zumindest erhebliche Verwirrung in den Infanterielinien schafft. Als mit dem Aufkommen der modernen Feuerwaffen die Verwendung von Kriegselefanten schwand, so wie auch die Kavallerie zunehmend von Lanzen auf Pistolen umstieg (in Europa die Konversion der Lanzierer Regimenter zu Kürassieren), blieb nur die sportliche Lanzenübung selbst als Fähigkeitenbeweis des Reiters übrig. Entsprechend ist die Sportart vor allem in Indien weit verbreitet.

Wettkämpfe[Bearbeiten]

Die einzelnen nationalen Verbände im Tent pegging erlassen eigene Regeln für ihre Wettbewerbe. Man hat sich international auf ein Rahmenwerk geeinigt, dass den Möglichkeiten Beschränkungen auferlegt.[1] Vor dem Wettkampf wird den Reitern ein Plan ausgehändigt, in dem der Kurs mit seinen Einzeldisziplinen beschrieben ist.

  • Waffen
    • Lanze 2,5 m bis 2,75 m
    • Schwert 81 cm bis 90 cm
    • Schreckschusspistole (cap gun)
  • Ziele
    • Pflöcke im Boden, 2,5cm dick, 6/4/3 cm breit, 17 cm über Grund
    • Ballons, handelsübliche Größe, auf Ständer verschiedener Höhe (max 2 m)
    • Ringe, 6 cm Innendurchmesser, 2,13 m über Grund, mittels Galgen 2,5 hoch
  • Kurs
    • 130m bis 200 m lang und 25 m bis 30 m breit
    • Zeitmessung von Startlinie am Rand bis Ziellinie am Rand
    • Wettkämpfe sollen mit durchschnittlich 750-800 m/min absolviert werden
  • Disziplinen
    • Einzellauf Tent pegging (Grundqualifikation)
      • 2 Durchläufe zu maximal 3 Runden, beste Runde zählt
      • Lanze oder Schwert
      • 100 m Strecke, erster Pflock bei 70 m
      • Punktwertung nach Umwerfen, Ziehen oder Tragen der Plöcke über Distanz
    • Indian File
      • 1 Durchlauf mit Lanze und 1 Durchlauf mit Schwert
      • Reiter starten in schneller Folge
      • Plöcke in je 1 m Abstand, jeder Reiter ein Pflock
    • Ringe mit Lanze
      • zwei Galgen mit 15 m Abstand, gefolgt von Pflock nach 20 m
      • Punktwertung für Ringe auf der Lanze plus Punkte für den Pflock
    • Zitrone mit Schwert
      • zwei Galgen mit 15 m Abstand, gefolgt von Pflock nach 20 m
      • Punktwertung für zerteilte Zitronen plus Punkte für den Pflock
    • Waffengang (skill at arms)
      • maximal eine Runde je Reiter
      • in drei gegenläufigen Linien zu reiten, 1. und 2. mit Schwert oder Pistole
        • 1. Linie drei Hürden je 20 m Abstand und 60 cm hoch
          • Ballon neben jeder Hürde, erster rechts 2 m, zweiter links 1,5 m, dritter rechts 1 m
        • 2. Linie zwei Strohattrappen an Galgen mit Herzmarkierung zu 8 cm
          • Positionierung je auf Hälfte zwischen Hürden der erste Linie (20 m Abstand)
        • 3. Linie zwei Ringe und Pflock
          • Aufnehmen einer Lanze, Galgen je 15 m Abstand plus Pflock nach 20 m
    • Stechen
      • Pflock mit 3 cm minimaler Breite, beste Zeit zählt

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rules for Tent Pegging, 2nd edition, Fédération Équestre Internationale, Oktober 2006

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tent pegging – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien