Theologisches Seminar St. Chrischona

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Das Theologische Seminar St. Chrischona ist ein unabhängiges evangelisches theologisches Seminar in Bettingen-St. Chrischona in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Einrichtung mit heute über 130 Studenten ist Mitglied der Evangelischen Allianz und der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten.

Das Theologische Seminar St. Chrischona hat seine Tradition in pietistischen Kreisen in Deutschland und der Schweiz. Es beschäftigte sich seit dem 18. Jahrhundert mit Themen wie der antireligiösen Aspekte der Aufklärung und der aufkommenden kritisch-liberalen Theologie.[1] Im Jahre 1782 wurde die „Gesellschaft zur Beförderung reiner Lehre und wahrer Gottseligkeit“ (eigene Kurzbezeichnung: Christentumsgesellschaft) gegründet. Aus ihr ging das heutige theologische Seminar hervor.[1] Das Seminar wurde seit 1991 von Karl Albietz geleitet, der eine Zusammenlegung des Männer- und Frauenzweiges vornahm. Zusammen mit den Theologischen Seminaren Tabor (bei Marburg) und Liebenzell knüpfte das Theologische Seminar Chrischona in den 1990er Jahren erste Kontakte mit der Middlesex University in London hinsichtlich einer Validierung der Studiengänge. Diese Allianz mit der Middlesex University konnte 1999 endgültig geschlossen werden und wird regelmäßig evaluiert. Von 2001 bis 2012 leitete der Pädagoge Markus Müller, im Amt des Direktors, die Pilgermission. 2006 wurde Dr. Horst Schaffenberger zum Leiter des theologischen Seminars berufen, zuvor war der Direktor des Missionswerkes immer auch der theologische Seminarleiter. Seit 2012 hat der Schweizer Prediger René Winkler das Amt des Direktors inne.

Ehemalige Seminarleiter[Bearbeiten]

Im Jahre 1801 übernahm der württembergische Pfarrerssohn und Verwaltungsangestellte

  • Christian Friedrich Spittler (1782–1867) die Leitung der Missionsgesellschaft und somit des Seminares.[2] In dieser Funktion gründete Spittler viele missionarisch-diakonische Werke, von denen einige bis heute Spuren hinterlassen. 1815 gründete Spittler die Evangelische Missionsgesellschaft in Basel. 1820 errichtete er das Errettungshaus in Beuggen und 1823 die Judenmissions-Anstalt in Sitzenkirch bei Kandern. Die endgültig Gründung der Mission Chrischona als Institution erfolgte jedoch erst im Jahr 1940. Ihm folgte im Jahr 1868
  • Carl Heinrich Rappard (1837–1909) und seine Frau
  • Dora Rappard-Gobat (1842–1923) in der Leitung der Pilgermission. Er legte erste Grundlagen für eine damals noch separate Bibelschule für Frauen.[3] In den Wirren des Ersten Weltkrieges erlebte der Nachfolger Rappards sehr wechselhafte Zeiten im Seminar.
  • Friedrich Veiel (1866–1950) war von 1909 bis 1947 im Amt, er erlebte, wie mit 112 Studenten eine neue Höchstzahl an Seminaristen in der „Pilgermissions-Anstalt“ (damaliger Eingenname) studierten. Der Erste Weltkrieg führte zur rapiden Abnahme der Studentenzahl, 38 deutsche Studenten kehrten von ihrem Wehrdienst nicht mehr zurück. Nach Ende des Krieges stieg die Studentenzahl wieder auf 97 an.[4]
  • Hans Staub (1898–1967): unter ihm bekam die Bibelschule für Frauen einen Aufschwung und zählte mittlerweile über 40 Studentinnen. Staub hatte selber die Ausbildung auf Chrischona durchlaufen und war somit der erste Missionsleiter aus den eigenen Reihen.[5] 1948 nahmen die Studentenzahlen erneut zu, bereits 1959 begannen wieder weit über 100 junge Männer das Studium. Staub trat 1967 von seinem Amt zurück und starb noch im selben Jahr.
  • Edgar Schmid (1923–2003) wurde Nachfolger Staubs. 1968 wurde eine Kurzbibelschule für ehrenamtliche Mitarbeiter gegründet, die auf viel Interesse stieß. Schmid legte großen Wert auf eine praxisnahe Ausbildung und führte Sommerpraktika ein. 1975 wurde die Bibelschule für Frauen um ein weiteres Studienjahr (auf drei) erweitert.[6]

Studiengänge[Bearbeiten]

Es werden mehrere Studiengänge angeboten: Der seit 2010 angebotene Studiengang "Bachelor of Arts in Theology (BATh)"[7] soll dazu befähigen, den christlichen Glauben auszuüben. Nach einem zweijährigen Grundstudium folgt im Hauptstudium innert zwei Jahren eine Spezialisierung in Mission, Gemeindebau, Evangelisation oder Leiterschaft.[7]

Ein weiterer Schwerpunkt bildet der Studiengang "Bachelor in Gemeindepädagogik (BACE)".[8] Die Studenten erhalten eine biblisch-theologische Grundausbildung und eine gefächerte Methodenkompetenz. Es erfolgt eine praxisnahe Ausbildung für die pädagogische Arbeit mit Menschen jeden Alters. Nach einem Grundstudienjahr ist es möglich sich in den folgenden zwei Jahren für verschiedene Berufswege zu spezialisieren.[8] Daneben besteht der einjährige "tsc Jahreskurs (JK)", der Inhalte aus verschiedenste Gebiete des theologischen Denkens und des konkreten christlichen Handelns vermitteln will.[9]

Zusammenleben[Bearbeiten]

Wie in vielen Orden und christlichen Gemeinschaften herrschte historisch bedingt eine Geschlechtertrennung. In St. Chrischona galten strenge Regeln in verschiedenen Bereichen des gemeinsamen Lebens. So war beispielsweise bereits der Kontakt zwischen den Studenten des Seminars und den Bibelschülerinnen untersagt.[10]

Reformen[Bearbeiten]

Das ursprünglich von Spittler gegründete Seminar war ausschließlich Männern vorbehalten. Unter Rappard kam es dann zur Gründung einer einjährigen Bibelschule für Frauen. Beide Institutionen befanden sich zwar an einem Ort, waren aber organisatiorisch voneinander getrennt. Noch in der Zeit als die beiden Einrichtungen 1994 miteinander verschmolzen, galt die Regelung: Zwischen den Geschlechtern dürfen während des Studiums keine Freundschaften geschlossen werden. 1999 wurde sie ersatzlos gestrichen und auch die Eheschließung während der Ausbildung ermöglicht.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • C.H. Rappard: Christian Friedrich Spittler, in: Fünfzig Jahre der Pilgermission auf St. Chrischona, Basel 1890
  • Erich Schick, Klaus Haag: Christian Friedrich Spittler: Handlanger Gottes. Giessen; Basel: Brunnen-Verlag ²1982 ISBN 3-7655-3146-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte der Pilgermission St. Chrischona - Eigendarstellung
  2. Persönlichkeiten C.F. Spittler- Erster Missionsleiter
  3. Persönlichkeiten C.H. Rappard (Missionsleiter)
  4. Persönlichkeiten F. Veiel (Missionsleiter)
  5. Persönlichkeiten H. Staub (Missionsleiter)
  6. Persönlichkeiten E. Schmid (Missionsleiter)
  7. a b Studiengang Bachelor Theologie
  8. a b Studiengang Gemeindepädagogik
  9. Kurzstudiengang
  10. a b Regeln des Zusammenlebens in der Gemeinschaft - Reformbericht

Weblinks[Bearbeiten]