Tiefbau (Bergbau)

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Der Tiefbau ist im Untertagebau der Abbau von Rohstoffen in größerer Tiefe, wobei die Grubengebäude ganz oder teilweise unterhalb der am Standort tiefstmöglichen Stollensohle liegt. Dem Tiefbau zuströmendes Grubenwasser kann somit nicht mehr (wie beim Stollenbau) natürlich abgeführt werden, sondern muss mit maschineller Unterstützung an die Erdoberfläche gehoben werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Um zunächst den Betrieb als Unterwerksbau auf tiefer gelegene Teile der Lagerstätte auszudehnen, bediente man sich verschiedener Lösungen: Kleine Vorhaben wurden mit Menschenkraft (Handpumpen, Eimer) von den Pumpenknechten bewältigt. Größere Tiefen waren nur mit Wasserkünsten wie der Heinzenkunst oder der Pumpenkunst möglich.

Erst die Anwendung der Dampfmaschine, vorrangig zum Antrieb einer Wasserhaltung, jedoch auch als Fördermaschine und zum Antrieb der Ventilatoren zur Bewetterung, ermöglichte im breiten Rahmen den Vorstoß in größere Teufen und damit den heutigen Tiefbau.

Zu den Pionieren des Tiefbaus zählte Franz Haniel. Unter seiner Mitwirkung wurde ein seigerer Schacht (Victoria) mit einer Teufe von 46 Metern 1808 auf der Zeche Vollmond in Werne (heute Bochum) durch das grundwasserführende Deckgebirge abgeteuft. Die zu hebenden Wassermengen waren zunächst noch vergleichsweise gering, da das oberhalb des Tiefbaus zuströmende Wasser nach wie vor über Stollen abgeführt werden konnte.[2]

Ein weiterer Schritt in der technischen Entwicklung der Tiefbauzechen vollzog sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau von Bergwerken im ebenen Gelände. Hier war ständig sämtliches Grubenwasser maschinell abzuführen, was nur durch den Einsatz noch leistungsfähigerer Pumpen möglich wurde. Zahlreiche durch Wassereinbrüche verursachte Unglücksfälle dieser Zeit künden von den mit dem Tiefbau verbundenen Schwierigkeiten. Im Ruhrgebiet war erst mit der technischen Beherrschung des Tiefbaus die Möglichkeit zur Ausdehnung des Ruhrbergbaus aus dem Tal der Ruhr nach Norden gegeben.[3]

Anwendung[Bearbeiten]

Der Tiefbau wird dort angewendet, wo der Stollenbau seine Grenze findet, nämlich sobald die Talsohle unterschritten wird. Um die Lagerstätte unterhalb der Talsohle im Tiefbau auszubeuten, muss die Lagerstätte durch andere Grubenbaue zugänglich gemacht werden. Dies kann entweder über eine nach unten geneigte Strecke oder, bei größeren Teufen, durch einen Schacht erfolgen.[4] Hierzu können seigere oder tonnlägige Schächte verwendet werden.[5] Zur Aufschließung tiefer Lagerstätten mit meist mächtigem Deckgebirge werden überwiegend seigere Schächte verwendet. Bei Lagerstätten mit geringerer Teufe, wie sie im Erzbergbau des Öfteren vorkommen, werden auch vermehrt tonnlägige Schächte verwendet.

Zum Aufschluss einer Lagerstätte im Tiefbau ist ein System von untertägigen Grubenbauen erforderlich.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Huske: Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seinen Anfängen bis zum Jahr 2000. 2. Auflage, Regio-Verlag Peter Voß, Werne 2001, ISBN 3-929158-12-4
  2. Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 1994, ISBN 3-7845-6992-7
  3. Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. 3. Auflage, Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum, 2006, ISBN 3-937203-24-9
  4. Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1982, ISBN 3-7739-0390-1
  5. Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7
  6. Wirtschaftsvereinigung Bergbau e.V.: Das Bergbau Handbuch. 5. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1994, ISBN 3-7739-0567-X