Franz Haniel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Unternehmer Franz Haniel. Zu seinem Enkel siehe Franz Haniel junior; zu seinem Urenkel siehe Franz Haniel (Großindustrieller).
Franz Haniel, Gemälde von Max Volkhart

Johannes Franciscus (Franz) Haniel (* 20. November 1779 in Ruhrort, heute Duisburg; † 24. April 1868 ebenda) war ein deutscher Unternehmer und Namensgeber der Franz Haniel & Cie. GmbH.

Person[Bearbeiten]

Erstes Wohn- und Geschäftshaus der Firma Haniel in Ruhrort, errichtet 1756. Hier lebte Franz Haniel von 1779 bis 1868.

Franz Haniel ist das jüngste Kind von Aletta und Jacob Wilhelm Haniel. Er wurde am 20. November 1779 im Packhaus in Ruhrort geboren. Noch vor seinem dritten Geburtstag starb sein Vater.

Die maßgeblichen Impulse seiner Kindheit kamen also von seiner Mutter Aletta. Sie legte Wert auf umfassende Bildung und so wurde Franz – wie er später selbst notierte – „in dem Knabenalter von 5–10 Jahren […] in Ruhrort im Lesen, Schreiben, Orthografie, Geografie, französisch, Tanz, Flöte, Geige unterrichtet“. Das Rechnen erwähnte er nicht, möglicherweise lernte er das eher im Kontor seiner Mutter als in der Schule.

Während der Französischen Revolution, die dem Haus Haniel massenhaft Aufträge durch Flüchtlinge bescherte, musste der 15-Jährige auf die Schule verzichten und im Kontor aushelfen. Ab 1796 war Franz Haniel dort, ebenso wie sein Bruder Gerhard Haniel, angestellt.

Sein schon in Ruhrort gewecktes Interesse an der Spedition vertiefte Franz Haniel während einer Weiterbildung im Mainzer Handelshaus J. Hr. Weingärtner Sohn. Diese begann er als 18-Jähriger im Januar 1798.

Im März 1799 beendete er die Ausbildung auf Wunsch seiner Mutter vorzeitig und kehrte nach Ruhrort zurück.

Seit 1806 war Franz Haniel mit Friederike Christine Huyssen (1785–1867) verheiratet, einer Tochter des Essener Ratsherren Karl Isaac Arnold Huyssen (1751–1834).

Im Jahre 1808 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard, sowie seinen Schwägern Gottlob Jacobi und Heinrich Arnold Huyssen die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen in Sterkrade, aus der später die Gutehoffnungshütte hervorging, obwohl es im Vorfeld der Gründung zu schweren Spannungen gekommen war. Diese beruhten auf dem Vorgehen Huyssens bei den Verhandlungen mit Helene Amalie Krupp über den Verkauf der Hütte „Gute Hoffnung“ in Sterkrade. Eigentlich hatte Huyssen die Verhandlungen im Auftrag der Brüder Haniel und ihres Schwagers Gottlob Jacobi führen sollen. Sie wollten die Hütte „Gute Hoffnung“ zusammen mit den Hütten „St. Antony“ und „Neu-Essen“, die ihnen schon gehörten, in einer Gewerkschaft zusammenführen, um so die ungünstige Konkurrenzsituation zu beenden. Huyssen erwarb die Hütte dann aber für sich allein. Die Abtretung der Hütte „Gute Hoffnung“ an die neu zu gründende Gewerkschaft machte er von seiner Aufnahme als Teilhaber abhängig. Dieses Vorgehen trug ihm Franz Haniel bis an sein Lebensende nach.[1]

Außerdem betrieb Franz Haniel eine Spedition, eine Kohlenhandlung und eine Reederei, der mehrere Ruhr- und Rheinschiffe gehörten, sowie eine Reihe weiterer Geschäfte. In der Zeit der Kontinentalsperre beteiligte er sich am äußerst lukrativen Getreideschmuggel nach England. Dies gelang ihm, wie fast alle seine Geschäfte, mit großem Erfolg.

Für seine Verdienste erhielt Franz Haniel zahlreiche Ehrungen. 1845 ernannte ihn das Königshaus zum Kommerzienrat, 1856 zum Geheimen Kommerzienrat.

1842 wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen.

1864 erhielt er den Roten Adlerorden III. Klasse.

Das Ehepaar Haniel feierte 1866 das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Franz und Friederike Haniel hatten zehn Söhne und eine Tochter. Allerdings überlebten nur fünf Söhne und die Tochter ihre Eltern. Sein Sohn Hugo Haniel trat die Nachfolge des Unternehmens an.

Franz Haniel starb wenige Monate nach dem Tod seiner Frau am 24. April 1868 in seinem Geburtshaus in Ruhrort.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Ein Gymnasium in Duisburg-Homberg wurde nach Franz Haniel benannt. Ebenso der Franz-Haniel-Platz in Duisburg-Ruhrort und die Franz-Haniel-Straße in Moers.
  • Die Familie Haniel erbaute in den Jahren 1927/28 in Dabringhausen (Bergisches Land) eine große schlossähnliche Villa. Sie bildete mit zwei Bauernhöfen, einer Gärtnerei, einem Pferdestall (mit Kutschen- und Autogaragen) und Tennisplätzen die arrondierte Einheit „Schloss Haniel“, heute ein Tagungshotel im Besitz des Erzbistums Köln.
  • Die Familie Haniel besitzt im Raum Bad Münstereifel umfangreichen forstlichen Grundbesitz. Die ehemals drei Reviere werden heute von einem Forstmann sowie einem Revierjäger betreut.
  • Die Zeche Franz Haniel in Bottrop sowie dazugehörige Halde Haniel wurden nach Franz Haniel benannt.

Der Volksmund interpretierte das Akronym GHH der Gutehoffnungshütte mit Gehört Hauptsächlich Haniel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Haniel-Museum (Hrsg.): Franz Haniel. Kurzbiographie. Duisburg 1999
  • Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel. Duisburg-Ruhrort 1956
  • Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel 1756–2006 – Eine Chronik in Daten und Fakten. Duisburg 2006
  • Bodo Herzog: Franz Haniel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 616 f. (Digitalisat).
  • Wilhelm und Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. In: Die Blauen Bücher. 6., um einen Exkurs nach S. 216 erweiterte und in energiepolitischen Teilen aktualisierte Auflage 2008 der 5., völlig neu bearb. u. erweiterten Auflage. Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, bes. S. 48-54.
  • Bodo Herzog / Hans J. Mattheier: Franz Haniel : Materialien, Dokumente und Untersuchungen zu Leben und Werk des Industriepioniers Franz Haniel ; 1779 - 1868. Röhrscheid, Bonn 1979, ISBN 3-7928-0423-9
  • Michael Knieriem Hrsg.: "Michels Erwachen". Emanzipation durch Aufstand? Studien und Dokumente zur Ausstellung. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1998, ISBN 3-87707-526-6, S. 221–225
  • Georg W. Oesterdiekhoff; Hermann Strasser: Köpfe der Ruhr. 200 Jahre Industriegeschichte und Strukturwandel im Lichte von Biografien. Klartext Verlag, Essen 2009, S. 34–39
  • Hans Spethmann: Franz Haniel. Sein Leben und seine Werke. Duisburg (Haniel) 1956
  • Daniela Stemmer-Kilian: Franz Haniel - vom Kaufmann zum Großindustriellen. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen 9, 2010, S. 227–246
  • Ernst Werner: Die Haniel-Brücke zwischen Ruhrort und Duisburg. In: Duisburger Forschungen 17, 1972, S. 101–164
  • Heinrich Zähres: Geschichte der „Haniels Krankenstiftung“ Duisburg-Ruhrort 1862-1977 in Dokumenten. In: Duisburger Forschungen 37, 1990, S. 87–162

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Haniel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Haniel 1756–2006: eine Chronik in Daten und Fakten; Duisburg 2006; S. 68ff.