Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (offizielle Abkürzung TP, selten auch TfP) beruht auf den theoretischen Grundlagen der Psychoanalyse und ihren Weiterentwicklungen in der Neopsychoanalyse. Mit gegenüber der klassischen psychoanalytischen Technik modifizierten Regeln (u. a. nur eine Therapiesitzung pro Woche oder weniger, Behandlung im Sitzen statt im Liegen, geringere Höchstanzahl von Therapiestunden) strebt sie in begrenzterer Zeit begrenztere Zielsetzungen (Symptomminderung statt Änderung der Persönlichkeit, begrenzte Einsicht in innere Konflikte) an. Der Fokus gegenüber einer psychoanalytischen Behandlung liegt eher im „Hier und Jetzt“ und nicht in der detaillierten Aufarbeitung der Lebens- und Problemgeschichte. Der Wortteil „Tiefe“ in Tiefenpsychologie verweist sowohl auf die verborgene Tiefe des Unbewussten (unbewusste oder unverstandene Wünsche, Motive und Konflikte) als auch auf die „Tiefe der Zeit“, also die fortdauernden Einflüsse aus Kindheit und Jugend. Im Vergleich zu einer Verhaltenstherapie liegt der Schwerpunkt weniger auf der unmittelbaren Beeinflussung des Verhaltens, sondern einer Klärung der zugrundeliegenden Ursachen und dadurch der Verringerung der Beschwerden.
Die TP wurde in Deutschland Ende der 1960er Jahre in Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen entwickelt und gehört neben der Verhaltenstherapie (VT) zu den am häufigsten auf Krankenkassenkosten durchgeführten Psychotherapieformen. In anderen Ländern existiert keine direkte Entsprechung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, oft gibt es aber ähnliche Konzepte mit unterschiedlichen Bezeichnungen (z. B. psychodynamische Therapie). Da Behandlungen durch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Deutschland bei Vorliegen einer krankheitswertigen psychischen Störung durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen werden, ordnen sich heute auch mehrere Psychotherapierichtungen der TP zu, die ursprünglich nicht auf der Psychoanalyse beruhten. Neben dem analytischen Hintergrund gibt es z. B. auch Institute, die aus der humanistischen Richtung kommen und tiefenpsychologisch arbeiten. Die Belange der TP werden von verschiedenen Berufsorganisationen vertreten, u. a. von der Deutschen Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie e. V. (DFT) (siehe Weblink und Liste Psychotherapeutischer Fach- und Berufsverbände).
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. In: Deutsches Ärzteblatt, Heft 31–32, 1998.
- Deutsche Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie e. V. (DFT), German Association for Psychodynamic Psychotherapy (GAPP)
- Institut für Tiefenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppentherapie, Berlin