Tomozuru-Klasse

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Flagge
Tomozuru-Klasse
Torpedoboot Chidori nach 1934
Torpedoboot Chidori nach 1934
Übersicht
Typ Torpedoboot
Einheiten 4
Dienstzeit

von 1933 bis 1945

Technische Daten
Verdrängung

Standard: 535 ts / 543 t (ab 1936: 600 ts / 609 t)
Einsatz: 737 ts / 748 t (ab 1936: 815 ts / 828 t)

Länge

Lpp: 77,50 m
Lüa: 82,02 m

Breite

7,4 m

Tiefgang

2,5 m (1934)
3,1 m (1936)

Besatzung

113 Mann

Antrieb

2 Kampon-Kessel
2 Satz Getriebeturbinen
11.000 WPS auf 2 Wellen

Geschwindigkeit

ab 1934: 30 kn (55 km/h)
ab 1936: 28 kn (52 km/h)

Reichweite

9.000 sm bei 10 kn

Bunkermenge

150 ts / 152 t Öl

Bewaffnung

ab 1934:

  • 3 x 12,7-cm-Geschütze Typ 3
  • 1 x 4-cm-Flak
  • 4 x 53,3-cm-Torpedorohre

ab 1936:

  • 3 x 12-cm-Geschütze Typ 11
  • 1 x 7,7-mm-Fla-MG
  • 2 x 53,3-cm-Torpedorohre

ab 1944:

  • 2 x 12-cm-Geschütze Typ 11
  • 10 x 2,5-cm-Flak Typ 96
  • 2 x 53,3-cm-Torpedorohre
  • 4 x Wasserbombenwerfer

Die Tomozuru-Klasse war eine Torpedobootsklasse der Kaiserlich Japanischen Marine, welche im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. Die Tomozuru-Klasse wurde unter dem Bauprogramm 1931 als kleines Torpedoboot entworfen, um unter die 600-ts-Kategorie des Londoner Flottenvertrages zu fallen.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Zu Beginn des Krieges im Pazifik kamen die Boote als Sicherungsfahrzeuge während der japanische Offensiven in Richtung der Philippinen und gegen Borneo zum Einsatz. Alle vier Schiffe nahmen dabei an der Schlacht um Tarakan im Januar 1942 teil. Im späteren Verlauf des Krieges dienten die Torpedoboote zumeist als Geleitsicherungsfahrzeuge und eskortierten japanische Konvois, die mit Rohstoffen von den Philippinen und von chinesischen Häfen aus nach Japan liefen. Drei der Schiffe dieser Klasse gingen dabei in den letzten beiden Kriegsjahren durch Feindeinwirkung verloren.

Liste der Schiffe[Bearbeiten]

Name Werft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib
Tomozuru Maizuru Naval Arsenal, Japan 11. September 1932 1. Oktober 1933 24. Februar 1934 versenkt am 24. März 1945 durch Luftangriff im Ostchinesisches Meer.
Chidori Maizuru Naval Arsenal, Japan 13. Oktober 1931 1. April 1933 20. November 1933 versenkt am 24. Dezember 1944 durch amerikanisches U-Boot USS Tilefish vor Yokosuka.
Manazuru Fujinagata Shipyards, Japan 22. Dezember 1931 11. Juli 1933 30. November 1934 versenkt am 1. März 1945 durch Luftangriff vor Okinawa.
Hatsukari Fujinagata Shipyards, Japan 6. April 1933 19. Dezember 1933 15. Juli 1934 Kapitulation 1945; 1946 abgewrackt.

Der Tomozuru-Zwischenfall[Bearbeiten]

Der Versuch der japanischen Konstrukteure, eine vergleichsweise starke Bewaffnung auf der Basis einer im Vergleich dazu recht geringen Wasserverdrängung unterzubringen (immerhin 22,7 Prozent des Gesamtgewichtes entfielen nur auf die Bewaffnung), wirkte sich später verhängnisvoll aus, da die beiden zuerst gebauten Einheiten dadurch stark topplastig waren.

So kam es, dass das Torpedoboot Tomozuru in den Morgenstunden des 12. März 1934, während eines Übungsschießens mit Torpedos vor Sasebo in stürmischem Wetter kenterte. Das kieloben treibende Wrack konnte erst zehn Stunden später von einem Suchflugzeug gefunden werden. Das gekenterte Torpedoboot konnte zwar am darauffolgenden Tag nach Sasebo eingeschleppt werden (und wurde später wieder repariert), doch hatten bei dem Unglück 97 Seeleute den Tod gefunden. Nach diesem sogenannten Tomozuru-Zwischenfall überprüfte eine Untersuchungskommission der japanischen Marine den Vorfall und kam zu dem Ergebnis, dass alle Schiffe der Klasse erhebliche Stabilitätsschwierigkeiten hatten.

Nachfolgend wurden alle vier Einheiten bis Dezember 1936 in Maizuru umgebaut. Dabei kamen unter anderem 98 Tonnen Ballast an Bord und wurde der Brückenaufbau in der Höhe um ein Stockwerk verringert. Ferner wurden die drei 12,7-cm-Geschütze (L/50) des Typs 3, die in einem Doppelturm und einer Einzellafette untergebracht waren, durch drei leichtere und in einzelnen Turmschilden stehende 12-cm-Kanonen (L/45) des Typs 11 ausgetauscht. Zudem kam einer der beiden Zwillingstorpedorohrsätze von Bord, und die 4-cm-Flak wurde durch ein leichtes 7,7-mm-MG ersetzt. Diese Umbaumaßnahmen, vor allem die Zufügung des Ballastes, ließen die maximale Wasserverdrängung auf etwa 815 ts ansteigen; hierdurch wuchs der durchschnittliche Tiefgang auf etwa 3,1 m. Die Höchstgeschwindigkeit sank auf 28 kn ab. Nach den Umbauten zeigte es sich, dass die Stabilitätsprobleme weitgehend behoben waren, und die Torpedoboote kamen später, vor allem im Geleitsicherungsdienst, ohne weitere Zwischenfälle zum Einsatz.

Weitere Modifikationen[Bearbeiten]

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges erhielten alle vier Einheiten der Klasse nach und nach eine verbesserte Flugabwehr. So kam bis 1944 zumeist eines der drei 12-cm-Geschütze von Bord, um Platz für leichtere Flugabwehrkanonen zu schaffen. Insgesamt verfügten die Torpedoboote um 1944 je über bis zu zehn 2,5-cm-Flak des Typs 96 (zumeist in vier Einzel- und drei Doppellafetten). Ferner wurden auch die U-Jagd-Fähigkeiten verbessert, so kamen bis 1944 vier Wasserbombenwerfer mit insgesamt 48 Wasserbomben an Bord.

Untergang der Tomozuru am 24. März 1945 nach einem US-Luftangriff.

Literatur[Bearbeiten]

  • M. J. Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-613-01426-2.