Transavantgarde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Transavantgarde, auch italienisch Transavanguardia (jenseits der Avantgarde), in der späteren Phase auch als Arte Cifra[1] definiert, bezeichnet eine Stilrichtung des Postmodernismus, die Mitte der 1970er Jahre hauptsächlich aus der italienischen Arte Povera hervorgegangen ist.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff „Transavanguardia“ wurde 1979 von dem römischen Kunstkritiker Achille Bonito Oliva für eine Gruppe italienischer Maler geprägt. Vorreiter war der griechische Künstler Jannis Kounellis. Zu den Hauptvertretern der Transavanguardia zählen Sandro Chia, Francesco Clemente, Enzo Cucchi, Fernando Leal Audirac, Nicola de Maria, Carlo Maria Mariani und Mimmo Paladino. Aufgrund der symbolbehafteten Verschlüsselung (Chiffrierung) und Verfremdung der Bildsprache bezeichnete der Kunsthistoriker Wolfgang Max Faust diese Künstlergruppe auch als Arte Cifra.[1]

Stilistische Kennzeichen[Bearbeiten]

Die Transavantgarde zeichnete sich durch einen subjektiven Eklektizismus aus, in dem sich die Künstler wieder einer klassischen Bildsprache wie der Tafelmalerei zuwandten. In Sujet und Figuration zeigte sich eine Vorliebe für mythologische Sagenfiguren der Antike (beispielsweise Medusen, Minotauren oder Zyklopen) und heroische Szenarien in expressiver Farbigkeit.[1] Dabei bedienten sich die Künstler in ihrer Rezeption – vor allem Sandro Chia im skulpturalen Bereich – einer teilweise ironisch-kitschigen und rätselhaft-fragmentarischen Ikonografie; sie zitierten historische Quellen und archaische Artefakte und griffen auf die Klassik zurück um mit der Betonung der sich anschließenden kulturellen Tradition des romanischen Abendlandes einen kunstgeschichtlichen Exkurs zu beenden. Achille Bonito Oliva erklärte dazu: „Die Bilder der Transavantgarde stellen Rätsel und Lösung zugleich dar. Die Transavantgarde erlaubt der Kunst eine Bewegung in alle Richtungen, einschließlich der Vergangenheit.“[1]

Als spontane, subjektiv-emotionale Gegenrichtung zum statischen, „objektiv“–rationalen Anspruch der Minimal Art und Concept Art lässt sich die Transavantgarde mit den Bewegungen des amerikanischen New Image Painting, in Deutschland mit der „heftigen“ Malerei der Neuen Wilden und in Frankreich mit der Figuration Libre vergleichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Achille Bonito Oliva, Dwight Gast (Übers.), Gwen Jones (Übers.): The Italian Transavantgarde. Giancarlo Politi, Mailand 1992, ISBN 88-7816-038-5 (englisch).
  • Ida Gianelli: Transavanguardia. Katalog, Castello di Rivoli, Museo d’Arte Contemporanea, Skira, Mailand 2002, ISBN 88-8491-460-4 (englisch/italienisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d Karin Thomas: Bis Heute. Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert., DuMont Buchverlag, Köln 1986, S. 358f, ISBN 3-7701-1939-8