Transgression (Geologie)

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Eine Transgression (fast ausnahmslos die Kurzform für marine Transgression) bezeichnet das Vorrücken einer Küstenlinie, sowie die dadurch ausgelösten Veränderungen in der Sedimentationsdynamik des davon betroffenen Sedimentbeckens. Dies kann Folge der tektonischen Absenkung einer Landmasse oder eines Anstieges des globalen (eustatischen) Meeresspiegels, z. B. durch die klimatisch bedingte Freisetzung von Wasser aus kontinentalen Eismassen sein.

Eine Transgression äußert sich in der Sedimentabfolge durch einen Umschwung der Sedimentation von z. B. einem eher terrestrischen Ablagerungsmilieu zu einem eher marinen Ablagerungsmilieu. Insofern der geflutete Bereich vormals von Erosion geprägt war, bilden die transgressiven Ablagerungen mit den Gesteinen unterhalb der Erosionsfläche eine sogenannte Diskordanz. Durch die erosive Wirkung der Meeresbrandung ist an der Basis einer transgressiven Abfolge häufig ein sogenanntes Transgressions-Konglomerat ausgebildet.

Im Gegensatz dazu steht die Regression, bei der die Küstenlinie seewärts wandert.

Beispiele[Bearbeiten]

Die Entstehung der heutigen Nordsee und damit die jüngsten Sedimente des Nordseebeckens gehen auf die Flandrische Transgression nach endgültigem Abschmelzen der Inlandeismassen auf der Nordhalbkugel vor etwa 10.000 Jahren zurück.

Ein weiteres Beispiel für eine geologisch sehr junge marine Transgression ist die Flutung des Schwarzmeerbeckens vor etwa 9000 Jahren durch den Zustrom von Salzwasser aus dem Mittelmeer über die Meerenge des Bosporus. Spekulation bleibt bislang, ob dieser Einbruch katastrophal stattfand und ob er Vorlage für die biblische Sintflut-Legende war.

Beispiele für etwas ältere marine Transgressionen in Mitteleuropa sind der Einbruch des Muschelkalkmeeres vor rund 240 Millionen Jahren und der Einbruch des Zechsteinmeeres vor rund 255 Millionen Jahren.

Eine der bedeutendsten global nachweisbaren Transgressionen der jüngeren Erdgeschichte ist die sogenannte Oberkreide- oder Cenoman-Transgression vor etwa 90 Millionen Jahren. In ihrer Folge bildeten sich weltweit mächtige Kalksteinablagerungen („Kreide“) auf den überfluteten Kontinenten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Murawski: Geologisches Wörterbuch. 8. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 978-3-432-84108-3, S. 226.
  •  Dieter Richter: Allgemeine Geologie. 3. Auflage. de Gruyter Verlag, Berlin – New York 1985, ISBN 3-110-10416-4, S. 191.