Rhyolith

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Angeschliffenes Handstück eines Rotliegend-Rhyoliths („Quarzporphyr“) mit relativ kleinen Einsprenglingen („Feinporphyr“) und Verwitterungsrinde aus dem Oberpfälzer Wald (Zone von Erbendorf-Vohenstrauß), Bayern. Die rot-bräunliche Farbe im äußeren Bereich des Handstückes geht auf die verwitterungsbedingte Oxidation von Magnetit zu Hämatit zurück („Rost“).
Angeschliffenes Handstück eines Rotliegend-Rhyoliths aus Löbejün („Quarzporphyr“), Sachsen-Anhalt.
Rotliegend-Rhyolith („Quarzporphyr“) des Saar-Nahe-Beckens im Aufschluss. Wöllstein nahe Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz

Rhyolith ist ein felsisches und daher in seiner chemischen und mineralogischen Zusammensetzung dem Granit ähnliches vulkanisches Gestein. Es ist das SiO2-reichste unter den felsischen Vulkaniten (Gesamt-SiO2-Gehalt: 65-75 Gew.-%). Die veraltete Bezeichnung für geologisch ältere (Paläozoikum und älter) Rhyolithe ist Quarzporphyr. Ein ebenfalls veralteter Begriff für Rhyolith ist Liparit.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Rhyolith ist eine Wortschöpfung aus den griechischen Wörtern ῤεῖν, rheîn, „fließen“ und λίθος, líthos, „Stein“. Das Gestein wurde erstmals 1860 von Baron Ferdinand von Richthofen wissenschaftlich beschrieben.

Aussehen und Mineralbestand[Bearbeiten]

Rhyolith im Dünnschliff bei gekreuzten Polarisatoren: Deutlich erkennbar die Einsprenglinge aus Plagioklas (das „gestreifte“ Korn links), Alkalifeldspat (u.a. das längliche weiße, „schmutzig“ wirkende Korn am unteren Bildrand) und Quarz (u.a. das große rundliche „klare“ weiße Korn oben rechts im Bild) sowie kleineren Biotit-Einsprenglinge (braun) in der feinkörnigen Grundmasse aus den gleichen Mineralen.
Roter Rhyolith mit Fließtextur. Dunn-Point-Formation (Ordovizium), nahe Arisaig, Neu-Schottland, Kanada.

Rhyolithe sind für gewöhnlich relativ helle Gesteine. Graue, hellgrüne oder hellrote Farbtöne dominieren.

Ein Rhyolith besteht überwiegend aus Quarz und Feldspat. Der Quarzanteil schwankt zwischen 20 und 60 %, wobei Quarz-Anteile von mehr als 50 % vermutlich nicht durch Kristallisation einer rhyolithischen Schmelze zustandekommen, sondern erst durch nachträgliche Anreicherung des Gesteins. Für quarzarme Rhyolithe steht die Abkürzung QAR und für quarzreiche Typen das Kürzel QRR. Die restlichen 40 bis 80 % bestehen hauptsächlich aus Feldspat, wobei davon beim Rhyolith im engeren Sinn zwischen 10 und 65 % auf Plagioklas und entsprechend 35 bis 90 % auf Alkalifeldspat entfallen. Ein felsischer Vulkanit mit mehr als 90 % Alkalifeldspat im Feldspat-Anteil heißt Alkali-Rhyolith, einer mit mehr als 65 % Plagioklas heißt Rhyodazit (leitet zum Dazit über).

Zudem weist ein Rhyolith geringe Anteile (maximal 15 %, meist aber kaum mehr als 2 %) mafischer Minerale auf (Rhyodazit maximal 20 %). Diesbezüglich sehr häufig ist Biotit. Daneben kommen Hornblende oder Augit vor. Weiterhin enthalten Rhyolite in meist sehr geringen Mengen (weniger als 1 %) Minerale wie Magnetit, Hämatit, Cordierit, Granat oder Olivin.

Für gewöhnlich besitzt Rhyolith ein porphyrisches Gefüge. Das bedeutet, er besteht aus einer dichten, feinkörnigen Grundmasse, bei der man die einzelnen Kristalle nur unter dem Mikroskop erkennen kann und in der verstreut sich größere Kristalle, sogenannte Einsprenglinge, befinden, die meist aus Quarz und Feldspat bestehen und wenige Millimeter bis einige Zentimeter groß sind. Jedoch gibt es auch einsprengling-freie, d.h. aphyrische oder felsitische, Rhyolithe, die dann meist sehr feinkörnig sind. Teilweise zeigt Rhyolith-Gestein auch gut erkennbare Fließtexturen.

Ein rhyolithisches Magma kann beim Erstarren ein regelmäßiges Klüftungsmuster ausbilden, bei dem das Gestein in Form sechskantiger Säulen absondert, wie es auch von Basalt her bekannt ist.

Vor allem geologisch junge Rhyolithe weisen sehr häufig Hohlräume im Gestein auf, bei denen es sich ursprünglich um Gasblasen handelte, vergleichbar mit Löchern im Käse. Bei geologisch alten Rhyolithen sind diese Blasenhohlräume meist mit Mineralen verfüllt, die im Laufe der Zeit dort ausgefällt wurden. Dadurch kann sich z. B. der Quarzgehalt eines Rhyoliths nachträglich beträchtlich erhöhen.

Vulkanische Glase, welche die gleiche chemische Zusammensetzung haben wie Rhyolith, werden als Obsidiane bezeichnet.

Entstehung[Bearbeiten]

Rhyolithe entstehen aus einem relativ SiO2-reichen Magma bzw. einer entsprechenden Lava. Eine solche Anreicherung, auch Magmatische Differentiation genannt, findet fast ausschließlich beim Aufstieg von Magmen innerhalb einer relativ dicken Erdkruste statt, die nur Kontinente und relativ große Inselbögen besitzen.

Das Porphyrische Gefüge entsteht, wenn die Temperatur des bereits differenzierten Magmas in der Magmakammer unterhalb eines Vulkans oder Vulkangebietes sehr langsam absinkt, sodass sich allmählich wenige, aber relativ große Kristalle bilden können. Kommt es dann irgendwann zu einem schnellen Aufstieg des Magmas bei einem Vulkanausbruch, kühlt es nach dem Austritt als Lava oder im Vulkanschlot verhältnismäßig rasch ab und erstarrt schließlich komplett. Durch die schnelle Abkühlung können nur mikroskopisch kleine Kristalle entstehen, die dann die sogenannte Grundmasse bilden. Die vorher entstandenen, großen und mit bloßem Auge gut sichtbaren Kristalle sind die Einsprenglinge. Verweilt das differenzierte Magma nur sehr kurz in der Magmakammer, sodass sich keine Einsprenglinge bilden können, entsteht ein Rhyolith mit aphyrischem bzw. felsitischem Gefüge. Bei extrem schneller Abkühlung (Abschreckung) einer rhyolithischen Lava entsteht gar kein Rhyolith sondern Obsidian.

Vorkommen[Bearbeiten]

Ehemaliger Rhyolithsteinbruch in den Hohburger Bergen nordwestlich von Wurzen, Sachsen. Diese Vorkommen gehören zum Rotliegend des sogenannten Nordwestsächsischen Vulkanit-Komplexes.
Rhyolithsteinbruch in Löbejün in Sachsen-Anhalt
Die sogenannte „Devil's Honeycomb“ („Teufelswabe“) des Hughes Mountain: Rhyolith-Säulen eines präkambrischen Rhyolithkörpers. Washington County, Missouri, USA.
Geologisch junger Rhyolith (links im Bild) in den Kaldaklofsfjöll, Landmannalaugar, Island

Rhyolithe finden sich fast immer im Zusammenhang mit kontinentalem Vulkanismus, an den Hängen rezenter Vulkane, wie z. B. rund um den Torfajökull auf Island (Landmannalaugar) oder aber im durch Erosion freigelegten Inneren von Vulkanen der geologischen Vergangenheit, wie z. B. im heutigen Thüringer Wald. Darüber hinaus können magmatische Inselbögen im fortgeschrittenen Stadium, z. B. im Fall der Taupo Volcanic Zone der Nordinsel Neuseelands, verstärkt Rhyolithe produzieren.

Europa[Bearbeiten]

In Mitteleuropa kommen vor allem geologisch ältere, kontinentale Rhyolithe („Quarzporphyre“) vor, die im unteren Perm entstanden sind und der Rotliegend-Gesteinsserie zugerechnet werden:

Außerhalb Europas[Bearbeiten]

Verwendung[Bearbeiten]

Natursteinsorten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Halldór Kjartansson: Das isländische Grundgebirge. In: Ari Trausti Guðmundsson: Lebende Erde. Facetten der Geologie Islands. Mál og Menning, Reykjavík 2007, ISBN 978-9979-3-2778-3, S. 26–77.
  • Roland Vinx: Gesteinsbestimmung im Gelände. 2. Auflage. Springer-Verlag. Berlin/ Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-1925-5, S. 236 ff.
  • Wolfhard Wimmenauer: Petrographie der magmatischen und metamorphen Gesteine. Enke, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-94671-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhyolith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alan W. Owen, Matthew A. Parkes: Trilobite faunas of the Duncannon Group: Caradoc stratigraphy, environments and palaeobiogeography of the Leinster Terrane, Ireland. Palaeontology, Bd. 43, 2000, S. 219–269.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRhyolite Ghost Town auf National Park Service (unter Death Valley). Abgerufen am 22.12.09.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatYandang Shan auf Geoparchi/Geoparks (italienische Geotouristik-Website). Abgerufen am 22.12.11.