Triplofusus giganteus

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Triplofusus giganteus
Triplofusus giganteus in situ

Triplofusus giganteus in situ

Systematik
Ordnung: Sorbeoconcha
Teilordnung: Neuschnecken (Neogastropoda)
Überfamilie: Buccinoidea
Familie: Fasciolariidae
Gattung: Pleuroploca
Art: Triplofusus giganteus
Wissenschaftlicher Name
Triplofusus giganteus
(Kiener, 1840)
Ein Triplofusus giganteus frisst eine Große Fechterschnecke, Dry Tortugas National Park, Florida, Juni 2010.

Triplofusus giganteus (früher Pleuroploca gigantea)[1] ist eine Schneckenart aus der Familie Fasciolariidae (Gattung Triplofusus), die im westlichen Atlantik verbreitet ist. Sie ernährt sich vor allem von Mollusken. Es handelt sich um die größte Schneckenart in amerikanischen Gewässern und eine der größten überhaupt.

Merkmale[Bearbeiten]

Das rechtsgewundene, spindelförmige Schneckenhaus von Triplofusus giganteus, das bei ausgewachsenen Schnecken eine Länge von 40 bis 60 cm erreicht, hat bis zu 10 Umgänge. Es ist mit 5 bis 7 spiralig verlaufenden Bändern und schwachen axialen Rippen versehen, die zur Naht hin manchmal Knoten bilden. Die Columella hat 3 Falten. Die Oberfläche der Schale ist gräulich weiß bis lachsfarben, bei Jungtieren meist orangefarben. Die Gehäusemündung ist orange. Das dunkelbraune bis hellbraune Periostracum blättert manchmal schuppenartig ab. Das ovale Operculum ist lederbraun gefärbt und hat einen endständigen Kern.

Die Schnecke hat einen sehr großen, kräftigen Fuß. Das Tier ist lebhaft ziegelrot gefärbt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Triplofusus giganteus ist im westlichen Atlantik und im Golf von Mexiko an der Küste Amerikas von North Carolina (USA) bis nach Yucatán und Belize zu finden.

Sie lebt in der Gezeitenzone und etwas unterhalb auf Sand, Schlamm und in Seegraswiesen.

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Wie andere Neuschnecken ist Triplofusus giganteus getrenntgeschlechtlich. Das Männchen begattet das Weibchen mit seinem Penis. In der Zeit von März bis Mai legen die Weibchen ihre bis über 15 cm großen ballförmigen Gelege, bei denen etwa 35 bis 140 (oder auch bis 400) Eikapseln an einem zentralen Punkt miteinander befestigt sind, auf sandigem oder schlammigem Substrat ab, wo sie in der Strömung weiterrollen können. Eine Eikapsel ist nach Messungen in Florida im Durchschnitt etwa 35 mm hoch, 18,5 mm breit und 7 mm dick. Sie enthält zahlreiche Eier, von denen sich etwa 44 bis 61 (durchschnittlich 54) zu Schnecken entwickeln, während die anderen als Nähreier dienen. Die Entwicklung des Veliger-Stadiums findet in der Eikapsel statt, so dass fertige Schnecken schlüpfen.[2]

Ernährung[Bearbeiten]

Triplofusus giganteus ist ein Fleischfresser, der sich von Schnecken und Muscheln ernährt. Die Beute wird mit dem Fuß umfasst und auf das Operculum bzw. die Muschelschalen mit Hilfe des Fußes ein solcher Druck ausgeübt, dass sich die Schale öffnet. Ausgewachsenen Tieren fallen auch sehr große Schnecken zum Opfer, darunter die Große Fechterschnecke (Lobatus gigas) sowie große räuberische Schnecken wie die Echte Tulpenschnecke (Fasciolaria tulipa), die Blitzschnecke (Busycon contrarium) und einige Stachelschneckenarten. Auch Kannibalismus ist beobachtet worden. Untersuchungen in Florida von 1963 legen nahe, dass eine ausgewachsene Schnecke etwa alle vier Tage eine große Schnecke frisst.[3] Auch große Muschelarten wie Atrina rigida gehören zu den bevorzugten Beutetieren.[4]

Bedeutung für den Menschen[Bearbeiten]

Triplofusus giganteus (ursprünglicher Name Fasciolaria gigantea)[5] wird wegen seines Gehäuses gesammelt, das als Schmuck verkauft wird. In manchen Gegenden Mexikos wird das Fleisch gegessen.

Insbesondere in der klassischen Maya-Kultur, aber auch in Teotihuacan wurde das Haus dieser Schnecke, die auf Mayathan chak pel, „rote Schnecke“ heißt (daher im lokalen Spanisch auch chacpel), zu Schneckentrompeten verarbeitet.[6][7] Darüber hinaus dienten sie als Farbbehälter für Kunstmaler. Einige Ethnien im südlichen Florida, darunter die Calusa und Tequesta, verwendeten das Gehäuse oder auch nur die Columella in Verbindung mit einem hölzernen Stiel als Hammer oder zur Holzbearbeitung. Der Körperumgang diente als Trinkgefäß.[8]

Der Staat Florida erklärte 1969 die Schnecke, die auf Englisch horse conch („Pferdeschnecke“) heißt, zur „Schnecke das Staates“ (state seashell).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. World Register of Marine Species, Triplofusus giganteus (Kiener, 1840), Pleuroploca gigantea (Kiener, 1840)
  2. Charles N. d'Asaro: Egg Capsules of Prosobranch Mollusks from South Florida and the Bahamas and Notes on Spawning in the Laboratory. In: Bulletin of Marine Science. 20 (2), 1970, S. 414–440.
  3. Robert T. Paine: Feeding Rate of a Predaceous Gastropod, Pleuroploca gigantea. In: Ecology. 44 (2), 1963, S. 402–403.
  4. Pinnidae: Atrina rigida (Lightfoot, 1786). Aus: José H. Leal: Gastropods. In: Kent E. Carpenter (Hrsg.): FAO Species identification guide for fishery purposes. The living marine resources of the Western Central Atlantic. Volume 1: Introduction, molluscs, crustaceans, hagfishes, sharks, batoid fishes and chimaeras. Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome 2002, S. 119.
  5. Louis Charles Kiener: Spécies général et iconographie des coquilles vivantes: comprenant la collection du Muséum d'histoire naturelle de Paris. Chez Rousseau: J.-B. Baillière, Paris 1840. Genre Fasciolaire. (Fasciolaria, Lam.), S. 5. Nr. 3. Fasciolaire géante. Fasciolaria gigantea. Nobis.
  6. Arnd Adje Both: Shell Trumpets in Mesoamerica. Music-Archaelogical Evidence and Living Tradition (Schneckentrompeten in Mesoamerika. Musikarchäologische Belege und lebendige Traditionen) (PDF-Datei; 3,11 MB). In: Ellen Hickmann, Ricardo Eichmann (Hrsg.): Music-Archaeological Sources: Finds, Oral Transmission, Written Evidence. (Studien zur Musikarchäologie 4); Papers from the 3rd Symposium of the International Study Group on Music Archaeology at Monastery Michaelstein, 9-16 June 2002. (Orient-Archäologie Nr. 15). Verlag Marie Leidorf, Rahden 2004, S. 261–277.
  7. Alexander Wolfgang Voß: Die nichtkeramischen Kleinfunde aus Xkipché, Yucatán, Mexiko (PDF-Datei; 9,90 MB). Dissertation. Universität Hamburg, 2004.
  8. Victor D. Thompson, John Worth: Dwellers by the Sea: Native American Coastal Adaptations along the Southern Coasts of Eastern North America. In: Journal of Archaeological Research. 19, 2011, S. 51–101.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pleuroploca gigantea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien