Yucatán (Halbinsel)

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Yucatán
Satellitenaufnahme der Halbinsel Yucatán
Satellitenaufnahme der Halbinsel Yucatán
Gewässer 1 Karibisches Meer
Gewässer 2 Golf von Mexiko

Geographische Lage

18° 50′ 42″ N, 89° 7′ 32″ W18.845-89.125555555556Koordinaten: 18° 50′ 42″ N, 89° 7′ 32″ W
Karte von Yucatán

Yucatán (auf Mayathan früher Yucal Peten, auch Mayab „Land der Maya“), deutsch auch Yukatan, ist eine Halbinsel Mittelamerikas, die den Golf von Mexiko vom Karibischen Meer trennt. Der nördliche Teil gehört politisch zu Mexiko, verteilt auf die drei Bundesstaaten Yucatán, Campeche und Quintana Roo. Der Süden gehört zu Guatemala und Belize. Der östlichen Küste der Halbinsel vorgelagert ist Cozumel, die größte bewohnte Insel Mexikos.

Das Klima ist tropisch und heiß. Im feuchten Süden nehmen Regenwälder einen großen Teil der Vegetation ein. Im mittleren Teil dominiert dichter Wald. Bis auf wenige Hügel im Süden ist das Gebiet sehr flach. Im Kalksteinboden sind oft wassergefüllte Einbrüche (Cenotes) zu finden. Nach Norden hin wird das Klima immer trockener. Yucatán ist hurrikangefährdet.

Etymologie[Bearbeiten]

Im Chilam Balam wird der Name Yucal Peten für das heutige Yucatán erwähnt. Die Bedeutung des Namens kann erklärt werden mit u (Kragen), cal („Hals“) und peten (Insel, Provinz, Region, vgl. Petén, von pet „rund“), also Yucal Peten „Hals-Region“ oder „Hals-Insel“ im Sinne von „Halbinsel“. Es ist jedoch nicht bewiesen, dass von daher der spanische Name Yucatán abgeleitet ist, da es sich bei Yucal Petén ebenso um eine Maya-Volksetymologie des damals schon von den Spaniern benannten Yucatán handeln kann.

Eine verbreitete Namenserklärung ist ein angebliches Missverständnis zwischen neu angekommenen Spaniern und einheimischen Maya. Die Spanier fragten, wie dieses Land heiße, und die Maya antworteten: Yuk ak katán (oder Ma' k u'uyik a t'àani'), was so viel heißt wie: „Ich verstehe deine Sprache nicht“.

Auch Nahuatl wird als Ursprungssprache des Namens herangezogen, da in dieser Sprache -tlan eine häufige Ortsnamensendung ist. Yuhcatla wird in Simeons „Wörterbuch der Sprache Nahuatl“ als „verlassener Ort“ übersetzt. Molinia übersetzt yuc mit „zu den anderen gehörig“. Andere führen Yucatán auf das Nahuatl-Wort Yokatlān zurück, das „Ort des Reichtums“ bedeutet. Ebenso könnte es sich jedoch um ein Lehnwort (Yucca-Pflanze) handeln.

Naturraum[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Der durchschnittliche Anteil an Regentagen pro Monat variiert von 7 Prozent im April bis zu 25 Prozent im Oktober. Brisen können einen kühlenden Effekt haben; die Luftfeuchtigkeit ist generell hoch, besonders in den Regenwäldern. Heftige Stürme können das ganze Jahr über auftreten. Obwohl diese Stürme schwere Regenfälle und Winde mit sich bringen, sind sie vorwiegend kurzlebig, und der Sturm flacht nach ca. einer Stunde wieder ab.

Wie der Großteil der Karibik liegt auch Yucatán im atlantischen Hurrikan-Gürtel, und aufgrund der Ebenheit der Landfläche ist die Halbinsel gefährdet. Die Atlantische Hurrikansaison 2005 wirkte sich negativ auf den Tourismus aus, denn es wüteten zwei Hurrikans der Stufe 5, Hurrikan Emily und Hurrikan Wilma. Die Atlantische Hurrikansaison 2006 war typisch, denn Yucatán blieb unversehrt, aber in der folgenden Hurrikansaison überquerte Hurrikan Dean die Halbinsel. Es gab jedoch einen vergleichsweise geringen Schaden, der sich auf eine große Flut belief.

Vegetation[Bearbeiten]

Bewuchs von Yucatán

Tropische Dschungel stellen die vorherrschende Vegetationsart Yucatáns dar. An den Grenzen zu Nordguatemala (El Petén), Mexiko (Campeche und Quintana Roo) und Westbelize stehen die größten zusammenhängenden Gebiete tropischen Regenwalds in Mittelamerika. Diese Wälder sind jedoch durch die extensive Abholzung gefährdet. In Richtung Nordwesten nimmt der jährliche Niederschlag stark ab, der Bewuchs ist (ohne Berücksichtigung der Kultivierung) Trockenwald und im äußersten Nordwesten eine Savanne und steppenartige Landschaft.

Wasservorkommen[Bearbeiten]

Wegen der extrem kargen Landschaft finden sich im nördlichen Teil der Halbinsel keine Flüsse. An Stellen, an denen es Seen und Sümpfe gibt, ist das Wasser schlammig und nicht genießbar. Da Yucatán eine Halbinsel ist, ist ihre gesamte Unterseite von einer zusammenhängenden dichten grundwasserführenden Schicht, der Süßwasserlinse, bedeckt. Süßwasser ist leichter als Salzwasser, weshalb sich dieses über der salzhaltigen Schicht befindet. Die tausendfach vorhandenen Kalksteinlöcher, die Cenoten, die in der gesamten Region verbreitet sind, bieten Zugang zum Grundwasser und auch die Maya nutzen damals wie heute das in den Cenoten vorhandene Süßwasser.

Geologie[Bearbeiten]

Geologie von Yucatán

Die Halbinsel stellt den offenen Teil der eigentlich größeren Landmasse Yucatáns dar, die aus Karbonat, also löslichen Gesteinen wie Kalkstein und in manchen Bereichen auch aus Dolomit und Evaporit besteht. Die Gesamtfläche der Halbinsel Yucatán ist eine freiliegende, flache und verkarstete Landschaft. Die für die Halbinsel typischen schachtartigen Kalksteinlöcher werden Cenoten genannt und sind besonders im nördlichen Flachland weitverbreitet.

Der Alvarez-Hypothese nach wurde das Aussterben der Dinosaurier zwischen dem Übergang von der Kreidezeit ins Paläogen vor 65 Millionen Jahren verursacht durch einen Asteroideneinschlag im Karibischen Meer (KT-Impakt). Der tiefliegende Chicxulub-Krater an der Nordküste liegt nahe der Stadt Chicxulub. Der heutzutage bekannte „Cenotenring“ begrenzt eine der Schockwellen dieses Einschlags in das Gestein, das ca. 65 Millionen Jahre alt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Politische Gliederung um 1500
Spanische Erkundung und Eroberung Yucatáns

Vom 4. bis 10. Jahrhundert war Yucatán Zentrum der indigenen Maya-Kultur, die unzählige archäologische Stätten hinterlassen hat. Die bekanntesten sind Chichén Itzá, Uxmal, Tulúm und Edzná.

Ab dem 12. Jahrhundert zeichnete sich eine Aufgliederung in mehrere unabhängige politische Einheiten ab, die zum Teil miteinander in Fehde lagen (siehe Cuchcabal).

Europas Einfluss auf die Region begann zwischen 1517 und 1518. Erstmals erreichte Francisco Hernández de Córdoba 1517 die Küste bei Cabo Catoche, ihm folgte Juan de Grijalva 1518. Die Eroberung Yucatáns begann 1527 mit Francisco de Montijo d. Ä., der seine Hauptstadt in Tho, dem heutigen Mérida aufschlug, das 1542 unter spanische Kontrolle gekommen war, fand aber erst 1547 ihren Abschluss. Die Verwaltung dieses Gebietes wechselte oft zwischen Neuspanien (dem heutigen Mexiko) und Guatemala, bis es sich 1822 dem neuen Staat Mexiko anschloss.

Als im Jahr 1821 Mexiko seine Unabhängigkeit von Spanien erlangte, wurde Yucatán am 2. November desselben Jahres als „Staat von Yucatán“ Teil des unabhängigen Mexikos. Zum damaligen Zeitpunkt umfasste das Territorium auch noch die Gebiete der heutigen Bundesstaaten Campeche und Quintana Roo.

Im Jahr 1835 wurde in Mexiko eine zentralistisch ausgerichtete Regierung installiert. Yucatán wurde zu einer Provinz herabgestuft. Alle Regierungsgeschäfte wurden von Mexiko-Stadt aus wahrgenommen.

Im Mai 1838 entflammten in Yucatán (Tizimin) erste Aufstände gegen die Zentralregierung. Auch wurden erste Unabhängigkeitsforderungen laut. Als 1840 die örtliche Kongressversammlung in Merida eine Unabhängigkeitserklärung verabschiedete, blockierte der mexikanische Gouverneur von Yucatán, Santiago Mendez, diese zunächst, jedoch unter der Bedingung, dass die mexikanische Regierung die Verfassung von 1824 wiederherstellte. Der mexikanische Präsident Santa Anna delegierte daraufhin den Emissär Andres Quintana Roo nach Merida, dem es gelang, die Differenzen zu beseitigen und einen Friedensvertrag mit der örtlichen Regierung von Yucatán zu schließen.

Schon im März 1841 zeigte Präsident Santa Anna kein besonderes Interesse mehr an der Einhaltung der geschlossenen Vereinbarungen. Während einer Ratsversammlung in Merida wurde diese am 16. März 1841 von der Menge gestürmt.

In einer historischen Quelle (Juan Francisco Soles) heißt es:

„Am Abend des 16. März 1841 – während einer konstituierenden Versammlung – wurde der Hauptsaal von einer unbewaffneten Menge gestürmt, angeführt von Barbachano, Francisco Martin Peraza und einigen weiteren, die die volle Unabhängigkeit Yukatans forderten. Unter dem Druck der Menge willigten die Abgeordneten ein, ihre Verfassungsvorschläge noch einmal zu überdenken, (…) einigen Personen der aufgebrachten Menge gelang es, auf das Dach zu steigen, die mexikanische Flagge abzunehmen und die Nationalflagge von Yukatan zu hissen.“

Flagge von Yucatán 1841–1843

Einige Monate später, am 20. Oktober 1841, ließ Gouverneur Mendez sämtliche mexikanischen Flaggen entfernen und überall die neue Nationalflagge hissen. Gleichzeitig wurde die unabhängige Republik Yucatán deklariert. Die Nationalflagge wurde wie folgt beschrieben: „Die Flagge Yukatans ist in zwei Felder unterteilt: Eins auf der linken Seite in Grün und eins auf der rechten Seite – wiederum unterteilt in 3 Streifen: rot-weiß-rot. Das grüne Feld enthält fünf wundervolle Sterne, die für die fünf Departements stehen, in die Yukatan lt. Dekret vom 30. November 1840 geteilt ist: Mérida, Izamal, Valladolid, Tekax und Campeche.“

Die neue Verfassung von Yucatán baute auf der vorherigen von 1825 und auf der mexikanischen von 1824 auf.

Der mexikanische Präsident Santa Anna lehnte die Anerkennung von Yucatáns Unabhängigkeit ab. Er befahl, alle yukatanischen Schiffe und den gesamten Handel zu blockieren. Zudem ließ er im Jahr 1843 eine Armee entsenden, um die Separation zu beenden. Die Invasionsarmee wurde jedoch von der yukatanischen besiegt. In Anbetracht der Tatsache, dass Yucatán wirtschaftlich ohne den mexikanischen Staat nicht überleben konnte, entschied Yucatáns Gouverneur Miguel Barbachano – aus der Position der erhaltenen Stärke heraus – mit Santa Anna zu verhandeln. Man stimmte zu, Yucatán wieder in den mexikanischen Staatsverband zu integrieren, sofern die Rückkehr zur Verfassung von 1825 und umfassende Selbstverwaltungsrechte eingeräumt würden. Am 15. Dezember 1843 wurde der entsprechende Vertrag ratifiziert. In Artikel 15 hieß es u.a.: „Yukatan soll keine andere als die Flagge der Nation führen“ (d. h. die mexikanische).

Bereits im Jahr 1845 wurden die Vereinbarungen erneut von der mexikanischen Regierung ignoriert, woraufhin Yucatán zum 1. Januar 1846 nochmals seine Unabhängigkeit erklärte. Als im gleichen Zeitraum der Mexikanisch-amerikanische Krieg ausbrach, erklärte Yucatán seine Neutralität.

Die Lage wurde weiter kompliziert durch Ausbruch des sogenannten „Kastenkriegs“ (Guerra de Castas) im Jahr 1847. Die indigene Maya-Bevölkerung erhob sich gegen die politische und wirtschaftliche Kontrolle der spanischen Bevölkerung, was im Jahr 1848 dazu führte, dass der spanische Bevölkerungsanteil in Yucatán weitgehend vertrieben wurde. Verschont blieben lediglich die befestigten Städte Mérida und Campeche.

Die yukatanische Regierung in Merida wandte sich daraufhin an das Ausland mit der Bitte um Unterstützung im Kampf gegen die aufständischen Mayas. Der Gouverneur schickte gleichlautende Noten an die Regierungen von Großbritannien, Spanien und die USA. In diesen bot er die volle Souveränität über das Territorium von Yucatán derjenigen Nation an, die zuerst Hilfe gegen den Maya-Aufstand schickte. Der US-Präsident James K. Polk empfing in Washington den Botschafter von Yucatán und die Angelegenheit wurde anschließend im amerikanischen Kongress debattiert. Gemäß der „Monroe-Doktrin“ wurde jedoch lediglich beschlossen, eine Warnung an europäische Mächte auszusprechen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Yucatáns einzumischen. Militärische Hilfe wurde nicht entsandt.

Nach dem Ende des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges richtete Gouverneur Barbachano sein Hilfegesuchen an den mexikanischen Präsidenten Jose Joaquin de Herrera. Als Gegenleistung stimmte die yukatanische Regierung einer Anerkennung der mexikanischen Zentralregierung zu. Am 17. August 1848 kam es zur Wiedervereinigung mit Mexiko.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu kleineren und größeren militärischen Auseinandersetzungen zwischen der yukatanischen Regierung und den aufständischen Mayas. Erst im Jahr 1901 eroberte die mexikanische Armee den Maya-Hauptstützpunkt Chan Santa Cruz. Einzelne Maya-Gruppen führten den Kampf jedoch bis in die 1930er Jahre weiter.

1857 wurde der westliche Teil des Bundesstaates Yucatán abgetrennt und als eigener Bundesstaat Campeche organisiert. 1902 wurde im Zusammenhang mit der Bekämpfung der aufständischen Maya Quintana Roo als zentral verwaltetes Territorium abgetrennt; es wurde erst 1974 in den Rang eines Bundesstaates erhoben.

Einwohner[Bearbeiten]

Yucatán besteht zu einem erheblichen Anteil aus dem ehemaligen Maya-Flachland (obwohl die Kultur der Maya sich auch in Richtung Süden ausbreitete, bis zum heutigen Guatemala, nach Honduras und ins Hochland Chiapas). Über die ganze Halbinsel verteilt gibt es archäologische Stätten der Maya, die bekanntesten davon sind Chichén Itzá, Tulum und Uxmal. Die einheimischen Mayastämme und die Mestizen als eine Abstammung der Maya bilden immer noch einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung in der Region, und Mayathan wird noch in vielen Gebieten gesprochen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In den späthistorischen und frühen Jahren der Moderne bestand die Wirtschaft der Einwohner aus Rinderzucht, Abholzung und der Produktion von Chicle und Henequen. Seit dem Rückgang vom Handel mit Chicle und Henequen in den 1970er Jahren, begannen die Yucataner ihre Wirtschaft in Richtung Tourismus umzuorientieren. Das kann man besonders im mexikanischen Staat Quintana Roo erkennen.

Cancún, ehemals ein kleines Fischerdorf, das im Nordosten der Halbinsel liegt, entwickelt sich nun wirtschaftlich. Die Riviera Maya erstreckt sich entlang der Ostküste zwischen Cancún und Tulum. Millionen Touristen kommen jedes Jahr in diese Gegend. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten hier sind beispielsweise die ehemalige Fischerstadt Playa del Carmen, die Stadt Campeche, die Freizeitparks Xcaret und Xel-Há und die Ruinen der Maya Tulum und Cobá.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yucatán (Halbinsel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien