Ulrich Gregor

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Ulrich Gregor (* 18. September 1932 in Hamburg) ist ein deutscher Filmhistoriker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der Sohn des Organisten Gerhard Gregor (Gerhard Gregor an der Funkorgel) arbeitete nach dem Abitur in seiner Heimatstadt in der Elektroindustrie und auf einer Werft. Er studierte Physik, Romanistik und Publizistik in Hamburg, Paris und West-Berlin.[1]

Seit 1956 verfasste er Filmkritiken und filmjournalistische Arbeiten für in- und ausländische Zeitungen und Zeitschriften, darunter Filmforum, Film 56, Filmkritik, Cinema Nuovo (Mailand) und Cinéma 56 (Paris). Er arbeitete für Rundfunk und Fernsehen.

1962 erschien eine zusammen mit Enno Patalas verfasste, an Siegfried Kracauer geschulte Geschichte des Films. Gregor und Patalas bemühten sich, die Beschreibung der einzelnen Filme in die Analyse der gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Entwicklung einzubetten. In der Taschenbuchausgabe von 1976 dokumentierten Patalas und Gregor ihr mittlerweile unterschiedliches Verständnis von Filmgeschichte.[2] Gregor ergänzte die Filmgeschichte 1978 durch eine „Geschichte des Films ab 1960“, die auch dem Film abseits von Westeuropa und Nordamerika den ihm gebührenden Platz einräumte.

1963 war er gemeinsam mit seiner Ehefrau Erika Mitbegründer der Freunde der Deutschen Kinemathek. Er lehrte an der FU Berlin, der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und der damaligen Hochschule der Künste Berlin. 1970 wurde er Mitgründer des Kinos „Arsenal“. Von 1971 bis 1979 war er Sprecher sowie ab 1980 bis 2000 Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films der Berlinale, von 1981 bis 2000 zusammen mit Moritz de Hadeln Leiter der Berliner Filmfestspiele. Seit 1970 organisierte er Retrospektiven und thematische Programme sowie Seminare im Kino „Arsenal“.

Er engagiert sich in Auswahlausschüssen der Filmförderung (Kuratorium Junger Deutscher Film, Bundesministerium des Innern, BKM) sowie im Filmbeirat des Goethe-Instituts. Er ist Mitglied der Akademie der Künste.

1988 erhielt er den Helmut-Käutner-Preis, 2003 wurde ihm der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen. Im Rahmen der 60. Filmfestspiele von Berlin wird Gregor gemeinsam mit seiner Frau Erika die Berlinale Kamera verliehen.[3] 2014 wurden seine Frau und er mit der Preisverleihung der deutschen Filmkritik mit dem „Ehrenpreis“ ausgezeichnet.[4]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • (mit Enno Patalas), Geschichte des Films – Gütersloh, S. Mohn, 1962
  • wie sie filmen, Fünfzehn Gespräche mit Regisseuren d. Gegenwart, hrsg. u. eingel. von Ulrich Gregor, Gütersloh, S. Mohn, 1966.
  • Geschichte des Films ab 1960, München, Bertelsmann, 1978

Filme[Bearbeiten]

  • Filmstil und Filmtechnik. 6-teilige Dokumentation über Filmgeschichte, Produktion: ProVobis Film für WDR Westdeutsches Fernsehen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Berger, Hans-Michael Bock: „Spiel mit schwierigen Faktoren“ Gespräch mit Ulrich Gregor in: Eppendorfer Medienbrief, Nr. 18/19, Juni/Juli 1978, S. 3–27
  2. Enno Patalas, „Zehn Jahre später“ in: Ulrich Gregor, Enno Patalas, Geschichte des Films, Reinbek 1976, Band 2, S. 514–517
  3. vgl. Berlinale-Kamera aus Düsseldorf. In: Rheinische Post, 9. Februar 2010 (aufgerufen am 11. Februar 2010 via LexisNexis Wirtschaft)
  4. Preis der deutschen Filmkritik 2014: Preise und Jurybegründungen in der Übersicht bei vdfk.de, abgerufen am 24. Februar 2015