Mailand

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Mailand (Begriffsklärung) aufgeführt.
Mailand
Wappen
Mailand (Italien)
Mailand
Staat: Italien
Region: Lombardei
Provinz: Mailand (MI)
Lokale Bezeichnung: Milan
Koordinaten: 45° 28′ N, 9° 11′ O45.46259.1863888888889120Koordinaten: 45° 27′ 45″ N, 9° 11′ 11″ O
Höhe: 120 m s.l.m.
Fläche: 182 km²
Einwohner: 1.262.101 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 6.935 Einw./km²
Postleitzahl: 20100
Vorwahl: 02
ISTAT-Nummer: 015146
Volksbezeichnung: Milanesi, Meneghini
Schutzpatron: Ambrosius von Mailand
Website: www.comune.milano.it

Mailand (italienisch Milano, lombardisch Milàn oder Milà [mi'laŋ][2], lateinisch Mediolanum) ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Italiens und Hauptstadt der Region Lombardei sowie der Provinz Mailand. Die Metropolregion war 2006 mit 7,4 Millionen Einwohnern der größte italienische Ballungsraum.[3]

Einst eine Gründung keltischer Siedler, erlebte die Stadt im Römischen Reich einen raschen Aufschwung. Mailand unterstand in seiner Geschichte dem Einfluss deutscher, französischer und österreichischer Kaiser und wuchs nach der Einigung Italiens zur größten Industriestadt des Landes. Sie ist heute die führende Kultur-, Medien- und Modemetropole Italiens, eine Universitätsstadt und ein internationaler Finanzplatz als Sitz der Italienischen Börse. Sie beherbergt ein Weltkulturerbe, historisch bedeutsame Bauwerke und vielfältige Kunstschätze, die mehrere Millionen Touristen im Jahr anziehen. Die Messestadt ist dank ihrer verkehrsgünstigen Lage in der oberitalienischen Poebene ein Knotenpunkt des Schienen- und Autobahnnetzes und zweitgrößtes Luftfahrtdrehkreuz Italiens mit drei internationalen Flughäfen.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Mailand leitet sich vom italienischen Milano ab, das aus der ursprünglich keltischen Bezeichnung Mediolanum hervorging und „in der Mitte der Ebene“ bedeutet. Gleiches gilt auch für die lombardische Bezeichnung Milàn. Mailands Einwohner nennen sich Milanées oder Meneghìt[4].

Geographie und Klima[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Mailand und die Berge des Comer See.

Mailand liegt in der nordwestlichen Poebene, etwa mittig zwischen dem Fluss Po im Süden und den Ausläufern der Alpen im Norden. Die Kernstadt befindet sich in einer weitgehend flachen Ebene, der höchste Punkt ist bei 122 m über dem Meeresspiegel. Zwei Flüsse verlaufen durch die Stadt: der Olona im Westen und der Lambro im Osten. Mittelalterliche Kanäle, die Navigli, verbinden Mailand mit den oberitalienischen Seen und den lombardischen Flüssen und waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von maßgeblicher Bedeutung für die lokale Wirtschaft[5].

Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 182 km² mit 1.343.230 Einwohnern. Zur Mailänder Agglomeration mit insgesamt über fünf Millionen Einwohnern zählen zahlreiche Vororte, die vor allem nach Norden bis nach Varese, Como, Lecco und Bergamo reichen. In der Metropolregion leben über 7,6 Millionen Menschen.

Angrenzende Gemeinden sind Arese, Assago, Baranzate, Bollate, Corsico, Peschiera Borromeo, Rho, Sesto San Giovanni, Cormano, Cologno Monzese, Bresso, Novate Milanese, Vimodrone, Pero, Segrate, Settimo Milanese, Cusago, Cesano Boscone, Trezzano sul Naviglio, San Donato Milanese, Buccinasco, Rozzano und Opera.

Klima[Bearbeiten]

Mailand liegt in einem subkontinentalen Ostseitenklima. Die Alpen und der Apennin bilden eine natürliche Barriere gegen Wettereinflüsse aus Nordeuropa und vom Mittelmeer. Wie in vielen Teilen Norditaliens, sind sehr warme bis heiße Sommer, mäßig kalte, regnerische Winter und eine ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit typisch. In den Wintermonaten kommt es des Öfteren zu starker Nebelbildung, gelegentlich auch zu Schneefällen, und im Sommer steigen die Temperaturen vor allem in den Monaten Juli und August häufig auf 35 °C und mehr. Spürbar beeinflusst der Föhn das Wetter, der besonders im Frühjahr auftritt. Zu dieser Zeit können auch starke orkanartige Stürme auftreten.

Die niedrigste gemessene Temperatur beträgt -17,3 °C die höchste 40,4 °C.

Mailand, Lombardei
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO 1961–1990; Luftfeuchtigkeit, Sonnenscheindauer: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mailand, Lombardei
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 5 8 13 18 23 28 30 29 24 17 10 6 Ø 17,6
Min. Temperatur (°C) -1 1 5 9 13 17 19 19 15 10 5 1 Ø 9,5
Niederschlag (mm) 64,3 62,6 81,6 82,2 96,5 65,4 68,0 93,0 68,5 99,7 101 60,4 Σ 943,2
Sonnenstunden (h/d) 2,0 3,3 5,2 6,3 7,1 8,3 9,4 8,0 6,2 3,7 1,5 1,5 Ø 5,2
Regentage (d) 7,2 6,7 7,9 8,3 8,1 7,6 5,8 7,1 5,2 6,8 8,5 6,3 Σ 85,5
Luftfeuchtigkeit (%) 85 77 66 61 60 58 55 59 66 76 82 85 Ø 69,1
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60,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: WMO 1961–1990; Luftfeuchtigkeit, Sonnenscheindauer: wetterkontor.de

Politik[Bearbeiten]

Die Legislative bildet ein Stadtrat (Consiglio Comunale) aus 48 Abgeordneten, die alle fünf Jahre gewählt werden. Ein Magistrat (Giunta Comunale) stellt die Exekutive dar. Die 16 Assessoren oder Beigeordneten der Stadtregierung werden vom direkt gewählten Bürgermeister bestimmt. Der parteilose Giuliano Pisapia ist derzeit als Bürgermeister von Mailand im Amt und führt eine Mitte-Links-Koalition mit 29 von 48 Sitzen im Stadtrat. Er beendet damit eine längere Regierungszeit der rechtspopulistischen Lega Nord und Forza Italia, die von 1993 bzw. 1997 bis 2011 den Bürgermeister stellten.[6]

Die neun Zonen Mailands

Mailand ist in neun Stadtbezirke (Zona) eingeteilt. Die ursprünglich zwanzig Bezirke wurden 1999 reduziert. Heute umfasst Zona 1 den historischen Stadtkern, alle übrigen acht Bezirke sind als Kreissegmente im Uhrzeigersinn um die Altstadt angeordnet. Die Mailänder Stadtbezirke erhalten durch einen Bezirksrat (Consigli di Zona) und einen Bezirkspräsidenten einen teilsouveränen Status, u. a. in der Finanzverwaltung.

  • Zone 1: Centro Storico (Stadtkern)
  • Zone 2: Stazione Centrale (Hauptbahnhof), Gorla, Turro, Greco, Crescenzago
  • Zone 3: Città Studi, Lambrate, Porta Venezia
  • Zone 4: Porta Vittoria, Forlanini
  • Zone 5: Vigentino, Chiaravalle, Gratosoglio
  • Zone 6: Barona, Lorenteggio
  • Zone 7: Baggio, De Angeli, San Siro
  • Zone 8: Fiera, Gallaratese, Quarto Oggiaro
  • Zone 9: Garibaldi, Niguarda

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Antike bis zur Einigung Italiens[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Mailands
Karte der römischen Stadt Mediolanum

Um 400 v. Chr. wurde die Gegend um Mailand durch die keltischen Insubrer besiedelt. 222 v. Chr. eroberten die Römer diese Siedlung und verwendeten den lateinischen Namen Mediolanum. Ob es sich um einen Neologismus eines keltischen Namens oder einen neuen Namen aufgrund der Lage handelt, ist noch nicht ermittelt. Nach mehreren Jahrhunderten römischer Herrschaft wurde Mailand 286 von Kaiser Diokletian zur Hauptstadt der Weströmischen Reichshälfte erklärt. 313 wurde hier das sog. Mailänder Toleranzedikt (Mailänder Konvention) verkündet, in dem die Kaiser Konstantin und Licinius den Christen Glaubensfreiheit zusicherten.

402 wurde die Stadt von den Westgoten belagert (worauf die Kaiserresidenz nach Ravenna verlegt wurde), 50 Jahre später (452) nahmen die Hunnen die Stadt ein. 539 eroberten und zerstörten die Ostgoten Mailand im Verlauf des sog. Gotenkrieges gegen Kaiser Justinian. 569 fiel Mailand dann an die Langobarden, bis es 774 Teil des Frankenreiches wurde. Während des Eroberungskrieges des Kaisers Friedrich I. Barbarossa gegen die lombardischen Städte wurde Mailand 1162 größtenteils zerstört.

Im 1167 gegründeten Lombardischen Städtebund übernahm Mailand die führende Rolle. Nach der Unabhängigkeit, die den lombardischen Städten im Konstanzer Frieden 1183 zugesprochen wurde, entwickelte sich Mailand zur Signoria, zuerst unter den della Torre, ab 1277 unter den Visconti. 1395 wurde Gian Galeazzo Visconti zum ersten Herzog von Mailand. 1450 fiel Mailand an das Adelsgeschlecht der Sforza, die die Stadt zu einer der führenden der italienischen Renaissance ausbauten. 1492 erhob der französische König Ludwig XII. erstmals Ansprüche auf das Herzogtum. Nach seinem Sieg über die Schweizer 1515 in der Schlacht bei Marignano wurde das Herzogtum Frankreichs König Franz I. zugesprochen.

Zeitgenössische Ansicht Mailands mit spanischer Stadtmauer
aus dem 17. Jahrhundert

Nach dem Sieg Karls V. über Franz I. 1525 fiel mit Norditalien auch Mailand an das Haus Habsburg. 1556 dankte Karl V. zugunsten seines Sohnes Philipp II. und seines Bruders Ferdinand von Habsburg ab, so dass die italienischen Besitzungen an die hierdurch von Philipp II. begründete spanische Linie der Habsburger übergingen. 1700 starb mit dem Tode Karls II. diese spanische Linie des Hauses Habsburg jedoch aus. Danach begann 1701 der Spanische Erbfolgekrieg mit der Besetzung aller spanischen Besitzungen durch französische Truppen unter dem französischen Thronprätendenten. 1704 wurden die Franzosen in Ramillies und Turin geschlagen und mussten Norditalien zugunsten der österreichischen Habsburger räumen.

1714 wurden im Frieden von Rastatt die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand sowie das Herzogtum Mantua dann auch formell den österreichischen Habsburgern zugesprochen. Napoleon eroberte 1796 die Lombardei. Mailand wurde zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik erklärt. Nach dem Ende der Besatzung durch Napoleon wurden im Wiener Kongress 1815 Mailand und die Lombardei sowie Venetien wiederum Österreich zugesprochen. Im Jahr 1848 kam es zum Fünf-Tage-Aufstand der Bevölkerung gegen die österreichische Besatzung, in dessen Zuge Feldmarschall Radetzky mit seinen Truppen aus der Stadt vertrieben wurde, welche die Stadt aber drei Monate später wieder einnahmen. Nach der Niederlage Österreichs gegen die mit Frankreich verbündeten Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs bei der Schlacht von Solferino fiel die ganze Lombardei 1859 an das Haus Sardinien-Piemont unter Viktor Emanuel II., der Keimzelle des damals entstehenden italienischen Königreichs (Risorgimento).

Vom Königreich Italien bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

Verkehr auf der Piazza del Duomo
um 1900

Durch die Industrialisierung wuchs die Stadt durch Zuwanderer aus anderen Landesteilen, v. a. aus dem ländlichen Nordost- und Süditalien, stark an und entwickelte sich zu einer der frühen Hochburgen der Arbeiterbewegung. Seit 1914 stellten die Sozialisten den Bürgermeister. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete sich 1919 der faschistische Fascio di Combattimento (Squadristi) in Mailand. 1922 begann Benito Mussolini von Mailand aus seinen Marsch auf Rom, mit dem die faschistische Diktatur in Italien ihren Anfang nahm; während des Faschismus gab es hier aber auch starke Aktivitäten der Resistenza. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt 1944 starke Zerstörungen. Seit dieser Zeit ist Mailand bekannt dafür, Erscheinungen vorwegzunehmen, die einige Jahre später auch in anderen Landesteilen auftreten. Gaetano Salvemini prägte dafür die Worte: « Quello che oggi pensa Milano, domani lo penserà l’Italia. » („Das, was heute Mailand denkt, wird morgen Italien denken.“).

So war Mailand auch während der Zeit der 68er-Bewegung und der politisch unruhigen 1970er Jahre Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen revoltierenden Studenten und der Staatsmacht bzw. zwischen den opposti estremismi, d. h. kommunistischen und faschistischen Jugendgruppen. 1969 ereignete sich hier der nie ganz aufgeklärte, aber vermutlich rechtsterroristische Bombenanschlag auf der Piazza Fontana.

In den 1980er Jahren entwickelte die Stadt dagegen den Ruf einer ruhigen, bürgerlichen und wirtschaftlich prosperierenden Metropole. Hier begann auch der Aufstieg des Bau- und Medienunternehmers Silvio Berlusconi, der zwischen 1993 und 2011 dreimal italienischer Ministerpräsident war.

Im 20. Jahrhundert wuchs Mailand infolge der Industrialisierung sehr schnell. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren zogen viele Millionen Italiener, insbesondere aus Süditalien, nach Mailand und dessen Hinterland. Von 1971 bis 2001 ist die Einwohnerzahl der Stadt selbst vom bisherigen Höchstwert von offiziell ca. 1.732.000 Einwohnern bis auf 1.256.000 drastisch gesunken. Dieser Rückgang erklärt sich mit der Abwanderung der Einwohner ins direkte Umland, hauptsächlich aufgrund der hohen Immobilienpreise in der Stadt, aber auch mit den praktisch unverändert gebliebenen Stadtgrenzen trotz eines fast durchgängig fließenden Übergangs in die (etwa 50) wachsenden Vorstädte, die der Provinz, aber nicht der Stadt Mailand zugehören. Seit 2001 verzeichnet auch Mailand selbst wieder ein leichtes Einwohnerwachstum.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Mailänder Dom ist ein Wahrzeichen der Stadt.

Eines der seltenen Zeugnisse aus der Zeit des Römischen Reiches stellen die antiken Ruinen der Colonne di San Lorenzo dar. Die Kolonnaden aus der Zeit des 2. Jahrhunderts waren wahrscheinlich Teil eines Tempels oder Badehauses. Nach dem Edikt von Mailand wurde die erste Mailänder Kirche Sant’Ambrogio erbaut, trotz zahlreicher Umbauten in späteren Jahrhunderten immer noch exemplarisch für eine frühchristliche Kirche.

Im frühen 13. Jahrhundert wurde der Palazzo della Ragione erbaut – ein städtischer Bau, der zur Abhaltung von Gerichtsprozessen, Märkten, Ratsversammlungen etc. diente. Unter dem Herzog der Familie Visconti begann 1386 der Bau des Mailänder Doms. Die gotische Kathedrale des Erzbistums Mailand wurde zwar im Jahr 1572 eingeweiht, aber erst 1965 endgültig fertiggestellt. Sie gilt heute als flächenmäßig drittgrößte Kirche der Welt und als ein herausragendes Beispiel der italienischen Architektur des späten Mittelalters.

Im 15. Jahrhundert entstand unter der Herrschaft der Sforza das Castello Sforzesco als prächtiges Beispiel der Renaissance-Architektur. Das große Kastell wurde anstelle einer zerstörten Burg erbaut und war der Sitz der Mailänder Herzöge. Mit dem Ospedale Maggiore entstand ab 1456 eines der frühesten europäischen Krankenhäuser. Das Gebäude ist heute der Hauptsitz der Universität von Mailand. Ein weiteres herausragendes Zeugnis dieser Epoche stellt das Kloster Santa Maria delle Grazie dar, das seit 1980 als Welterbe von der UNESCO anerkannt ist.

Im Jahr 1560 wurde eine neue Stadtmauer eingeweiht, deren prunkvolle Tore größtenteils heute noch erhalten sind. Aus der Zeitspanne der Gegenreformation stammt die Biblioteca Ambrosiana, die heute mit rund einer Million Dokumente und Schriften eine bedeutende Bibliothek mittelalterlicher Kulturgüter darstellt.

Triumphbogen am Eingang zur Galleria Vittorio Emanuele II

Unter Maria Theresia erlebte die Stadt im 18. Jahrhundert eine erneute kulturelle Blüte. Die Einweihung der Teatro alla Scala von 1778, heute eines der weltweit bekanntesten Opernhäuser, und die Neugestaltung des Königlichen Palastes fanden unter der Ägide der österreichischen Kaiserin statt. Von 1805 bis 1814 unterlag Mailand der napoleonischen Herrschaft. Als Hauptstadt eines französischen Satellitenstaates wurde die Stadt baulich aufgewertet, neue repräsentative Plätze und Boulevards geschaffen und von 1807 bis 1838 der Arco della Pace, ein monumentaler Triumphbogen, errichtet.

Im Rahmen der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Mailand zum florierenden industriellen Zentrum Italiens. Giuseppe Mengoni erbaute von 1865–1877 die Galleria Vittorio Emanuele II, die älteste überdachte Einkaufspassage der Welt. Dem Stil der Neuromanik folgt die Ehrenhalle des Cimitero Monumentale, die 1866 fertiggestellt wurde.

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich zahlreiche progressive Stile, so wurden Architekten vom Art Nouveau, dem Art Deco und vor allem ab den späten 1920er Jahren auch von der Faschistischen Monumentalarchitektur beeinflusst. Ein Zeugnis dieser Epoche ist der monumentale Hauptbahnhof, der 1931 fertig gestellt wurde.

Markante Bauwerke der Nachkriegszeit sind vor allem Hochhäuser, gleichzeitig ein Zeichen der wirtschaftlichen Prosperität Italiens in den 1950er und 1960er Jahren. Das Pirelli-Hochhaus (1956–1960) und Velasca-Hochhaus (1956–1958) gelten heute als Meilensteine der Architektur Mailands. Ein großes Bauprojekt der jüngsten Zeit ist die Neubebauung des alten Messegeländes in der Innenstadt, an dem sich die Architekten Zaha Hadid, Isozaki Arati und Daniel Libeskind beteiligen. Nach Fertigstellung wird dort das höchste Hochhaus Italiens stehen.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Das letzte Abendmahl schmückt das Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie.

Die Blütezeit der mittelalterlichen Kunst begann unter dem Patronat der Familie Visconti. Unter ihrem Einfluss stieg Mailand zu einem bedeutenden Zentrum der gotischen Kunst und Architektur auf. Mit der Stadt besonders verbunden ist das Wirken von Leonardo da Vinci. Dessen berühmtes Wandgemälde Das letzte Abendmahl kann heute im Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie besichtigt werden. Im Zeitalter des Barock, d. h. im 17. und 18. Jahrhundert war die Stadt Wirkungsstätte zahlreicher bekannter Künstler und Architekten, wie Caravaggio und Francesco Hayez. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging von Mailand die avantgardistische Bewegung der Futuristen aus. Begründet durch Filippo Tommaso Marinetti veröffentlichte er 1909 "Das futuristische Manifest". Der Mailänder Künstler Umberto Boccioni zählt zu den bekanntesten Vertretern des Futurismus.

Museen[Bearbeiten]

Eingangstor zum Castello Sforzesco

Die Pinacoteca di Brera, die im barocken Palazzo Brera liegt, gilt als bedeutendste Gemäldegalerie Mailands. Es umfasst eine facettenreiche Sammlung größtenteils lombardischer Künstler und ist eine Ausgründung der Akademie der Schönen Künste.

Das Castello Sforzesco beheimatet den größten Museumskomplex Mailands mit neun Museen und Kunstgalerien. Die Gemäldesammlung der Pinacoteca del Castello Sforzesco widmet sich Werken aus dem fünfzehnten bis achtzehnten Jahrhundert, etwa von Canaletto, Tiepolo, Vincenzo Foppa, Tiziano Vecellio und Tintoretto. Herausragendes Exponate sind Michelangelos letzte Skulptur Pietà Rondanini, Pala Trivulzio von Andrea Mantegna oder der Codex Trivulzianus, eine Sammlung wertvoller Manuskripte von Leonardo. Weitere Museen im Kastell sind u. a. das Museum für Kunst der Antike (Museo d’Arte Antica), Archäologische Museum (Museo della Preistoria), Ägyptische Museum, Museum für Musikinstrumente und das Möbelmuseum.

Im neoklassizistischen Gebäude der Villa Reale ist seit 1921 die Galerie für moderne Kunst eingerichtet. Das Museo del Novecento zeigt bedeutende Werke des 20. Jahrhunderts, insbesondere des Futurismus und der Arte Povera. Die Triennale, ein Kunst- und Kulturzentrum in der größten Mailänder Parkanlage, dem Parco Sempione. Regelmäßig finden Ausstellungen und Veranstaltungen zu zeitgenössischem Design, Städtebau, Architektur, Musik und Medienkunst statt. Das Naturhistorische Museum Mailands wurde 1838 gegründet und zeigt Exponate aus der Naturgeschichte und Geologie auf rund 5.500 m² Ausstellungsfläche. Das Museo della Scienza e della Tecnologia «Leonardo da Vinci» ist das größte Technikmuseum Italiens. Dem Namenspaten Leonardo da Vinci ist ein separater Ausstellungsbereich gewidmet. Im Palazzo Moriggia ist das Museo di Risorgimento eingerichtet, das Exponate aus der historischen Epoche des Risorgimento zeigt.

Musik und Theater[Bearbeiten]

Die Mailänder „Scala“, ein weltbekanntes Opernhaus.

Mailand ist als Zentrum für darstellende Künste bekannt. Viele einflussreiche Musiker und Komponisten wie Gioseppe Caimo, Giuseppe Verdi und Giulio Gatti-Casazza lebten oder arbeiteten in der Stadt.

Internationales Renommee genießt das Opernhaus Teatro alla Scala. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1778 fanden zahlreiche Erstaufführungen einflussreicher Opern statt, beispielsweise Nabucco von Verdi, La Gioconda von Amilcare Ponchielli, Madama Butterfly und Turandot von Giacomo Puccini. Das traditionsreiche Piccolo Teatro di Milano war bei seiner Gründung das erste ständige Theater mit einem festen Ensemble in Italien.

Weitere große Theaterhäuser sind das Teatro degli Arcimboldi, Teatro Dal Verme, Teatro Lirico und das Teatro Regio Ducal. Seit 1993 besteht ein Sinfonieorchester, das regelmäßig im städtischen Konzerthaus Auditorium di Milano Fondazione Cariplo auftritt.

Mode[Bearbeiten]

Mailand zählt neben Paris, New York und London zu den weltweit führenden Modemetropolen und blickt auf eine traditionsreiche Mode-, Bekleidungs- und Textilindustrie. Viele bekannte italienische Modemarken wie Valentino, Gucci, Versace, Prada, Armani und Dolce & Gabbana sind in der Stadt beheimatet. Zweimal im Jahr findet die Mailänder Modewoche statt, die ein bedeutendes Ereignis in der internationalen Modeszene darstellt.


Wirtschaft[Bearbeiten]

Skyline von Mailand; Blick vom Dom, im Hintergrund die Alpen

Mailand ist die führende Wirtschafts- und Industriestadt Italiens. Mit einem Bruttosozialprodukt von 132 Mrd. € trägt die Stadt 9 % zur nationalen Wirtschaftsleistung bei, die Region Lombardei erwirtschaftet sogar rund 20 % des italienischen Bruttosozialprodukts[7]. Von den 200 größten Unternehmen des Landes hat rund die Hälfte ihren Sitz in Mailand. Bedeutende Wirtschaftszweige sind die Automobilindustrie (u. a. mit den Unternehmen Alfa Romeo und Pirelli), die Mode- und Bekleidungsbranche, chemische Industrie, Medizintechnik und Biotechnologie, Maschinenbau und der Finanzsektor.

Als Sitz der Mailänder Wertpapierbörse und zahlreicher Großbanken ist die Stadt das Finanzzentrum des Landes. In Mailand sind die führenden italienischen Medienkonzernen, viele Verlage (z. B. Edizioni Il Polifilo) und Nachrichtenagenturen beheimatet, u. a. der öffentlich-rechtliche Rundfunk Italiens (RAI). Internationale Messen sind zum Beispiel die SMAU für Computertechnik, EICMA für Motorräder oder die Mailänder Möbelmesse. Einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschaftsleistung liefert außerdem der Tourismus. 2010 registrierte die Stadt über 2,3 Mio. internationale Besucher.

Verkehr[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Autobahn

Mailand ist Italiens größter Verkehrsknotenpunkt. Hier kreuzen sich die Autobahnen A1 (nach Rom und Neapel), A4 (TurinTriest), A7 (nach Genua) sowie die A8/A9 (Verbindung zur Schweiz). Sie münden allesamt in die Mailänder Ringautobahn, die sich aus den Autobahnen A50 (Westtangente), A51 (Osttangente) und A52 (Nordosttangente) zusammensetzt. Aufgrund von Luftverschmutzung und Verkehrsstaus wurde 2008 an Wochentagen eine City-Maut für Pkw, Lkw und Reisebusse eingeführt.

Eisenbahn

Der Eisenbahnknotenpunkt umfasst unter anderem den 1931 eröffneten monumentalen Kopfbahnhof Milano Centrale und im Osten an der Strecke nach Venedig einen großen Rangierbahnhof (Milano Smistamento). Weitere Fernbahnhöfe Mailands sind Milano Porta Garibaldi, Milano Rogoredo und Milano Lambrate.

Flugverkehr

Mailand wird durch die internationalen Flughäfen Linate und Malpensa einerseits sowie auch Orio al Serio bei Bergamo bedient. Malpensa stellt dabei ein interkontinentales Drehkreuz dar, während der sehr nah an der Innenstadt am Stadtrand gelegene Flughafen Linate überwiegend für den inländischen (insbesondere die Verbindung Mailand–Rom) und europäischen Flugverkehr genutzt wird. Der Flughafen Bergamo-Orio al Serio in 45 km Entfernung von Mailand wird vor allem von Low-Cost-Airlines wie Ryanair angeflogen und von diesen meist als Mailand-Orio al Serio vermarktet.

Nahverkehr[Bearbeiten]

U-Bahnen

Die lombardische Eisenbahngesellschaft Trenord betreibt ein S-Bahn-Netz in der Metropolregion. Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch die städtische Nahverkehrsgesellschaft ATM Milano durchgeführt.

Mit der Straßenbahn Mailand besitzt die Stadt eines der größten Straßenbahnnetze Europas. Mit dem sogenannten Typ 1928 sind in Mailand noch heute Vorkriegs-Straßenbahnwagen nach US-Bauart im Einsatz, gebaut zwischen 1928 und 1930. Ergänzt wird die Straßenbahn vom Oberleitungsbus Mailand.

Der Schienenschnellverkehr wird mit M-S-R gekennzeichnet – diese Buchstaben stehen für die U-Bahn (Metro), die S-Bahn (Linee Suburbane) und den Regionalverkehr.

Wissenschaft und Bildung[Bearbeiten]

Innenhof des Hauptgebäudes der Mailänder Universität

An sieben Universitäten mit insgesamt 48 Fakultäten waren 2011 rund 185.000 Studenten eingeschrieben, das entspricht rund 11 % aller italienischen Studenten.[7]

Die Technische Hochschule (Politecnico di Milano) ist die älteste Universität Mailands. Die 1863 gegründete Hochschule umfasst 16 Fachbereiche und neun angeschlossene Institute für Ingenieurswissenschaften, Architektur und Design. Mit rund 38.000 immatrikulierten Studenten ist sie die größte Technische Universität Italiens.

Die Universität Mailand, 1923 gegründet, stellt die größte Universität Mailands dar und umfasst neun Fakultäten mit 58 Fachbereichen und 48 Instituten. Sie ist die sechstgrößte Universität Italiens mit 60.000 eingeschriebenen Studenten und 2.500 Professoren.

Die private Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi bietet seit 1902 ein Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an und bietet rund 12.800 Studenten einen Studienplatz. Die Katholische Universität vom Heiligen Herzen hat ihren Hauptsitz in Mailand und ist mit insgesamt 14 Fakultäten und ca. 42.000 immatrikulierten Studenten an fünf Standorten die größte private Universität Europas und die größte Katholische Universität weltweit.

Mailand besitzt außerdem bekannte Akademien und Kunsthochschulen. Die Mailänder Akademie für bildende Kunst gründete 1776 die österreichische Kaiserin Maria Theresia, die Neue Akademie für bildende Kunst ist die größte private Einrichtung ihrer Art in Italien. Das Mailänder Konservatorium lehrt seit 1807 und ist heute mit 1700 Studenten und 240 Musiklehrer die größte Musikhochschule Italiens.

Sport[Bearbeiten]

Mailand ist die Heimat von zwei Fußballclubs in der ersten Fußballliga: AC Mailand und Inter Mailand. Sie ist die einzige Stadt in Europa mit zwei Mannschaften, die die UEFA Champions League gewonnen haben. Beide Vereine tragen ihre Heimspiele im Giuseppe-Meazza-Stadion im Stadtviertel San Siro aus, das mit einer Kapazität von über 80.000 Zuschauern zu den größten in Europa zählt. Ein dritter Verein, der Brera Calcio F.C. spielt in der Seconda Categoria.

Im Basketball ist Olimpia Milano mit 25 nationalen Titelgewinnen und dreimaligen Gewinnen des Europapokals der Landesmeister in Italien führend. Auch im Eishockey dominieren Mailänder Mannschaften: insgesamt acht verschiedene Teams holten 32 Meisterschaften in die Stadt.

Das Radrennen Mailand–Sanremo ist mit über 290 Kilometern das längste Eintagesrennen im Profi-Radsport. Die Rad-Rundfahrt Giro d’Italia endet traditionell in Mailand. Die bekannte Rennstrecke in Monza, auf der unter anderem einmal jährlich die Formel 1 zu Gast ist, liegt nördlich der Stadt.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Mailand aufgeführt. Dazu zählen unter anderem der Publizist und Politiker Ernesto Teodoro Moneta, der Komponist Nino Rota, der Politiker Silvio Berlusconi, der Pianist Maurizio Pollini sowie der Fußballtorhüter Walter Zenga.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Mailand – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Mailand – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Vorlage:Cita libro
  3. OECD: Territorial Reviews. Milan, Italy (PDF; 3,2 MB), S 29.
  4. www.etymologie.info/~e/i_/it-__lo__.html‎
  5. [1] (PDF; 1,8 MB),
  6. Information des italienischen Innenministeriums, abgerufen am 31. Mai 2011
  7. a b Milano in Cifre (Italienisch)
  8. Beschluss des Mailänder Gemeinderats vom 22. November 2012. Siehe: kontury.info (online abgerufen am 30. November 2012) und www.milanotoday.it (online abgerufen am 30. November 2012).