Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

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Außenansicht des Neubaus
Haupteingang des Neubaus
Außenansicht des Neubaus
Skulptur "Der Lesende" von Walter Schembs

49.876538.657634Koordinaten: 49° 52′ 36″ N, 8° 39′ 27″ O

Die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (ULB) ist die Zentralbibliothek der Technischen Universität Darmstadt. Sie dient der Forschung, der Lehre und dem Studium an der TU Darmstadt und an den Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen der Region. Als öffentliche wissenschaftliche Bibliothek versorgt sie auch die Bevölkerung Südhessens sowie die hier angesiedelten Behörden und Kulturinstitute mit Literatur.

Die Bibliothek bietet ein breites Spektrum aktueller Informationsmedien in gedruckter und digitaler Form. Ihre Sammelschwerpunkte sind naturwissenschaftlich-technische Werke, geistes- und gesellschaftswissenschaftliche sowie landeskundliche Literatur. Insgesamt stehen ca. 1,8 Millionen Bücher, 2000 gedruckte und 20.000 Online-Zeitschriften sowie eine Vielzahl von Datenbanken zur Verfügung. Die aktuell benötigte, ausleihbare Literatur inkl. der Lehrbuchsammlung ist freihand aufgestellt, ältere, weniger gefragte Bestände müssen aus dem geschlossenen Magazin bestellt werden. Alle Bestände können online recherchiert, bestellt oder vorgemerkt werden.

Seit 1805 hat die ULB das Pflichtexemplarrecht für den Bereich Südhessen und die Region Gießen. Sie ist Depot- und Tauschbibliothek für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und den Verein für hessische Geschichte und Landeskunde.

Zur Universitäts- und Landesbibliothek gehören das Patentinformationszentrum und eines der 50 bundesweiten Europäischen Dokumentationszentren (EDZ).

Geschichte[Bearbeiten]

Der alte Standort der Universitäts- und Landesbibliothek im Darmstädter Residenzschloss

Den Grundstock der Bibliothek bildete die Büchersammlung Landgraf Georgs I. Das Jahr 1568, in dem erste Bücherkäufe belegt sind, wird als Gründungsdatum der Darmstädter Hofbibliothek angenommen. 1685 wurde die Hofbibliothek erstmals geschlossen aufgestellt. Den größten Zuwachs erlebte die Bibliothek unter Ludwig X., der sich durch den gezielten Erwerb von Privatbibliotheken für die Vermehrung des Bestandes einsetzte. Während der Säkularisation von 1803 gelangten eine Reihe von Klosterbibliotheken in die Hofbibliothek. 1817 öffnete sich die Hofbibliothek für das Publikum. 1871 wurden die Großherzogliche Militärbibliothek und 1873 die Musikalien der Hofmusikbibliothek eingegliedert.

1902 besaß die Darmstädter Bibliothek 454.000 Bände und zählte zu den neun größten Bibliotheken des Deutschen Reiches. 1920 erhielt sie den Titel „Hessische Landesbibliothek“. 1921 wurden die Bibliothek des Landestheaters und 1931 die Bibliothek des Hessischen Gewerbemuseums übernommen. Auf diesem Wege gelangte auch die Patentschriftenauslegestelle ins Schloss. Als Dauerleihgabe kam 1922 die Freiherrlich von Closen-Günderrodische Fideikommiß-Bibliothek aus Höchst an der Nidder in die Landesbibliothek (Schriften des 16.–18. Jahrhunderts).

Die bislang größte Zäsur in der Geschichte der Landesbibliothek setzte 1944 der große Bombenangriff auf Darmstadt, durch den ca. 400.000 von 720.000 Bänden verbrannten. Ein ähnliches Schicksal erlitt die 1872 gegründete Bibliothek der Technischen Hochschule, die ca. 80.000 von 120.000 Bänden verlor. Ein Erlass des Hessischen Ministers für Kultus und Unterricht vom 16. Juli 1948 verfügte die Zusammenlegung der beiden Bibliotheken zur „Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek“.

1971 erhielt die Bibliothek auf dem Campus der Technischen Universität Darmstadt auf der Lichtwiese einen zweiten Standort. Auf Grund der Raumnot im Schloss mussten 1989 das Patentinformationszentrum sowie 1993 die Theatergeschichtliche Sammlung und die Kartensammlung ausgelagert werden. 1994 bis 1997 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Lesesäle im Ostflügel des Schlosses. Die 90er Jahre waren geprägt durch die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung.

Bis 1999 war die „Hessische Landes- und Hochschulbibliothek“ dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst unmittelbar unterstellt. Sie wurde im Januar 2000 organisatorisch in die Technische Universität Darmstadt eingegliedert und heißt seit dem 24. Februar 2004 „Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt“ (ULB).

Am 12. November 2012 wurde der Neubau der Zentralbibliothek auf dem Campus Stadtmitte, der auch eine Vielzahl von Bereichsbibliotheken zusammenführt, für die Benutzer eröffnet.[1] Die neue ULB sieht von oben betrachtet wie ein „kleines b" oder die „Ziffer 6 oder 9" aus.[2] Im Außenbereich wurde die Skulptur Der Lesende des Wormser Künstlers Walter Schembs aufgestellt.

Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde am 7. Mai 2013 der Neubau eines Hösaal- und Medienzentrums auf dem Campus Lichtwiese für das Publikum freigegeben. Die ca. 400.000 Medien sind auf die Bedürfnisse der dort angesiedelten Fachgebiete ausgerichtet.[3]

Zukunft[Bearbeiten]

Am bisherigen Standort im Schloss, der die Bibliothek 444 Jahre beherbergt hat, soll nach Abschluss der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ein "Fachlesesaal Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften" eingerichtet werden.

Handschriften- und Musikabteilung[Bearbeiten]

Majestas Domini aus dem Hitda-Codex, einer der wertvollsten Handschriften der Bibliothek

Die ältesten Bestände der ULB entstammen der landgräflichen Hofbibliothek. Nach der Säkularisation gelangten weitere wertvolle mittelalterliche Handschriften aus südhessischen und westfälischen Klöstern in die Bibliothek. Diese Bestände wurden durch die Sammlung Hüpsch ergänzt, die als Vermächtnis an Ludwig X.. fiel. Insgesamt umfasst der Bestand heute über 8.600 Handschriften und 2.050 Wiegendrucke verschiedener Wissensgebiete vom 9. bis ins 20. Jahrhundert. Zu den schönsten Codices zählen der Hitda-Codex, der Gero-Codex und die Goldene Bulle (beide aufgenommen in die Liste des UNESCO Weltdokumentenerbes), die Vita Annonis Minor und das Lochner Gebetbuch. Neben Handschriften und Inkunabeln umfasst die Abteilung historische Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts sowie bibliophile Ausgaben, Pressendrucke und Künstlerbücher.

Die Musiksammlung verwahrt 4.774 Autografen vor allem aus barocker und frühklassischer Zeit, in deren Zentrum das Gesamtwerk des Darmstädter Hofkapellmeisters Johann Christoph Graupner steht.

Einen weiteren Sammelschwerpunkt bilden die 150 Nachlässe von Persönlichkeiten mit historischem Bezug zur Stadt Darmstadt bzw. zur Region. Zu den bedeutendsten gehören die Nachlässe des Philosophen Hermann Graf Keyserling und seines Großvaters Alexander Graf Keyserling.

Werkstätten[Bearbeiten]

Die Fotowerkstatt besteht seit 1950 und ist für alle Arten fotografischer Reproduktion, vom Mikrofilm über das hochwertige Dia bis zum digitalen Bild, zuständig. Die Restaurierwerkstatt ist mit ihren fünf hauptamtlichen Mitarbeitern die größte in Hessen. Seit 1972 widmet sie sich der Restaurierung wertvoller Bände. Die Buchbinderei ist ein anerkannter Ausbildungsbetrieb.

Sondersammlungen[Bearbeiten]

Die Theatersammlung dokumentiert die Aufführungen des Darmstädter Staatstheaters und seiner Vorläufer und gehört zu den wenigen Spezialsammlungen dieser Art im deutschen Sprachraum. Die ältesten Belege stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Heute werden hauptsächlich Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Szenenfotos, Künstlerporträts, Programmhefte und -bücher, Plakate, Presseberichte, Bühnenjahrbücher und Theaterzeitschriften archiviert.

Die Kartensammlung der ehemaligen Hofbibliothek reicht bis in die Anfänge der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im 16. Jahrhundert zurück. Der größte Teil besteht aus gedruckten Karten mit ca. 26.000 Einzelblättern. Weitere Teile beinhalten Kriegs- und Manöverkarten, sowie handgezeichnete Karten und Pläne, darunter Stadt- und Gemarkungspläne, Gartenanlagen und Parks. Sammlungen von Ortsansichten und Porträts sowie eine Plakatsammlung mit politischen und graphischen Plakaten schließen sich an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Zimmermann (Hrsg.): Durch der Jahrhunderte Strom: Beiträge zur Geschichte der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt [ zum 400jährigen Bestehen der Bibliothek]. Frankfurt am Main: Klostermann, 1967.
  • Nolte-Fischer, Hans-Georg: Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. In: Bernd Hagenau (Hrsg.): Regionalbibliotheken in Deutschland: mit einem Ausblick auf Österreich und die Schweiz. Frankfurt am Main: Klostermann, 2000 (ZfBB: Sonderheft; 78); S. 263–269 ISBN 3-465-03085-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst vom 31. Oktober 2012.
  2. Informationen zum Neubau auf den Seiten der Technischen Universität Darmstadt.
  3. Mitteilung zur Eröffnung des Hörsaal- und Medienzentrums auf den Seiten der Technischen Universität Darmstadt.