Residenzschloss Darmstadt

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Das Residenzschloss Darmstadt
Die Westseite des Schlosses um 1900
Umbaupläne des Schlosses von 1728
Die Darmstädter Innenstadt um 1888 mit den fünf gekennzeichneten Schlössern und Palais

Das Residenzschloss Darmstadt, häufig auch Stadtschloss genannt, ist der im Zentrum der hessischen Stadt Darmstadt gelegene ehemalige Wohn- und Verwaltungssitz der Landgrafen und von 1806 bis 1919 der Großherzöge von Hessen-Darmstadt.

Lage[Bearbeiten]

Heute befindet sich das Schloss im Zentrum der Wissenschaftsstadt Darmstadt, am östlichen Ende der Rheinstraße, die von Westen kommend in die Stadt führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Schlosses liegen in der Katzenelnbogischen Zeit. Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Katzenelnbogen in Darmstadt eine Wasserburg. 1330 erhielt Darmstadt Stadtrechte, ein Jahr später wird die Burg erstmals erwähnt.[1] In den beiden folgenden Jahrhunderten bauten die Grafen von Katzenelnbogen die Burg immer wieder aus und um. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts verwandelte sich die Burg so zu einem repräsentativen Schloss und Darmstadt wurde Katzenelnbogener Nebenresidenz. Übrig geblieben von der Wasserburg sind die Form des zentralen Kirchenhofs und die Außenmauern des Herrenbaus.[1] Als 1479 der letzte Graf von Katzenelnbogen starb, fiel Darmstadt an Landgraf Heinrich III. von Hessen. Als danach Philipp der Großmütige die Regierungsämter 1518 übernahm, wurde das Schloss bei einem Angriff von Franz von Sickingen erstmals zerstört. Das Schloss wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut, allerdings mit im Wesentlichen gleichen Verteidigungsanlagen. Im Schmalkaldischen Krieg 1547 wurde es von kaiserlichen Truppen erneut zerstört. Landgraf Georg I. (der Fromme) (1547 bis 1596) erweiterte ab 1567 das Schloss erheblich zu einer Renaissance-Anlage und sicherte es mit Graben und Bastionen. Ab 1594 ließ er im Schloss Waisenkinder unterrichten.

Das Wallhäuschen, ein Torgebäude im Norden der Schlossanlage, wurde 1627 von Jakob Müller erbaut. Der Glockenbau wurde von 1663 bis 1671 nach Plänen des Architekten Johann Wilhelm Pfannmüller errichtet. 1693 wurde Darmstadt von Franzosen angegriffen. Dabei wurde der Bergfried des Schlosses zerstört. Landgraf Ernst Ludwig beauftrage 1715, nachdem die Kanzlei des Schlosses abgebrannt war, den französischen Architekten Louis Remy de la Fosse damit, ein neues Barockschloss mit vier großen Flügeln zu planen. Dieses sollte das alte Schloss komplett ersetzen. Wegen Geldmangels wurden bis 1726 allerdings nur zwei Flügel fertiggestellt. Dies sollten die letzten größeren baulichen Änderungen des Schlosses bleiben. Als Hessen-Darmstadt 1806 dem Rheinbund beitrat, wurde das Schloss Sitz der Großherzöge von Darmstadt.

In der Darmstädter Brandnacht vom 11. auf den 12. September 1944 brannte das Schloss bis auf die Außenmauern nieder. In zwanzigjähriger Arbeit wurde der äußere Zustand der Vorkriegszeit weitgehend detailgetreu wiederhergestellt.

Gegenwart[Bearbeiten]

Grundriss der Schlossanlage

Das Schloss besteht heute aus zwei senkrecht aufeinander stoßenden Flügeln mit S-förmigem Grundriss unter einem Mansarddach. Der Ostflügel ist eingeschossig, der Westflügel zweigeschossig ausgebaut.

Im Schloss sind derzeit untergebracht:

  • Institute der Technischen Universität Darmstadt
  • Die Bibliotheken des Fachbereichs 2 der TU-Darmstadt
  • Im älteren Teil des Schlosses das 1924 gegründete Schlossmuseum mit 22 Räumen. Es bietet einen Überblick über 250 Jahre höfischen Lebens und die Geschichte der ehemaligen Landgrafschaft und des späteren Großherzogtums Hessen
  • Schlosskeller (Studentenkeller)
  • Schlossgarten
  • Keller-Klub

Im Schlossmuseum befand sich bis 2004 die Darmstädter Madonna.

Zukunft[Bearbeiten]

Seit dem Umzug der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) in ein neues Gebäude im Oktober 2012 werden die ehemaligen Räume sowie das Schlossmuseum saniert. Die Sanierung soll 2015/2016 abgeschlossen sein. Anschließend soll das Präsidium sowie Teile der Zentralen Verwaltung der Technischen Universität Darmstadt einziehen. Zudem wird der Fachbereich Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften zusammen mit seinen Buchbeständen wieder im Schloss Platz finden.[2]. Darüber hinaus wird das Deutsches Polen-Institut von der Mathildenhöhe in das Schloss verlegt. Die Sanierungsmaßnahmen werden auf ca. 41 Mio. Euro geschätzt. Der westliche Teil des Schlossgrabens soll bis zum Frühjahr 2017 instandgesetzt werden.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Regensburg 2005, S. 52
  2. http://www.ulb.tu-darmstadt.de/ulb/standorte/schloss/ulb_schloss.de.jsp
  3. http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Schlossgraben-Eroeffnung-Mediterrane-Oase-mitten-in-der-Stadt;art1231,5141246

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1711-2, S. 51–56.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 73f., ISBN 3-89214-017-0

Weblinks[Bearbeiten]

49.8736111111118.6552777777778Koordinaten: 49° 52′ 25″ N, 8° 39′ 19″ O