Untermberg (Bietigheim-Bissingen)

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48.94539.0825200Koordinaten: 48° 56′ 43″ N, 9° 4′ 57″ O

Untermberg
Wappen von Untermberg
Höhe: 200 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Januar 1953
Postleitzahl: 74321
Vorwahl: 07147

Untermberg ist ein im Landkreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) gelegenes Dorf links der Enz, das im Spätmittelalter aus dem wüst gefallenen Remmigheim hervorgegangen war, 1953 von Großsachsenheim zu Bissingen umgemeindet wurde und seit 1975 Stadtteil von Bietigheim-Bissingen ist.

Blick über die ehemalige Remmigheimer Markung und die Untermberger Krautgartensiedlung
Nach 1561 kam Untermberg mit der Herrschaft Sachsenheim vorerst zum württembergischen Amt Grüningen
Untermberg mit „Eysenberg“ im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1684

Ortsbild und Wappen[Bearbeiten]

Der Ort gliedert sich in das im Tal zwischen der Enz und steilen Weinberghängen eingeengte alte Dorf und die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene Krautgartensiedlung. Der oberhalb des alten Dorfes gelegene Bereich Egartenhof mit der als Wahrzeichen Untermbergs geltenden Burgruine Altsachsenheim gehört zur Nachbarstadt Sachsenheim. In Untermbergs Wappen steht die Ruine unter den Initialen U. B. und drei Württemberger Hirschstangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der kleine Ort entstand im 15. Jahrhundert, als Einwohner Remmigheims ihren Ort südwestlich des heutigen Untermbergs verließen und sich unterhalb der Burg ihrer neuen Ortsherren von Sachsenheim ansiedelten. So wurde der neue Standort anfangs als Remmigheim unterm Berg bezeichnet,[1] dann Sachsenheim unterm Berg oder Bissingen unterm Berg und letztlich nur noch Untermberg.[2]

Anfangs gingen die Untermberger in die 1533 noch besetzte Kirche in Remmigheim. 1583 wird erstmals eine Johanniskapelle im Ort erwähnt, auf die vermutlich die heutzutage noch gefeierte „Kirbe“ (Kirchweihfest) ohne Kirche zurückgeht. Bis 1822 war Untermberg kirchliches Filial von Großsachsenheim, danach von Bissingen.[3]

Nachdem das Geschlecht der Herren von Sachsenheim 1561 erloschen und deren Lehen an das Herzogtum Württemberg zurückgefallen war, wurde Untermberg mit Metterzimmern, Groß- und Kleinsachsenheim vorerst dem württembergischen Amt Grüningen zugeteilt.[4]

Im Dreißigjährigen Krieg und durch die um 1690 folgenden „Franzoseneinfälle“ im Zuge des Pfälzischen und des Spanischen Erbfolgekrieges wurde auch Untermberg in Mitleidenschaft gezogen.[5]

Wirtschaftliche Grundlage des einst den Herren von Sachsenheim gehörenden Dorfes waren Acker- und Weinbau. Im 19. und 20. Jahrhundert stieg der Anteil der Arbeiter unter der Bevölkerung stark an; Untermberg erhielt daher den Spitznamen „Rotes Untermberg“. Da es durch diesen Wandel weit stärker mit dem am gegenüberliegenden Enzufer liegenden Bissingen als mit der Muttergemeinde verflochten war, wurde Untermberg 1953 von der Stadt Großsachsenheim in die Gemeinde Bissingen an der Enz umgemeindet und wurde mit dieser 1975 zu einem Stadtteil von Bietigheim-Bissingen.

Zur neueren Ortsgeschichte siehe auch: Bietigheim-Bissingen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die markanteste Sehenswürdigkeit des Ortes ist die hoch über der Enz thronende, im Sachsenheimer Stadtteil Egartenhof gelegene Burgruine Alt-Sachsenheim, die von ihrem Hauptportal zwar einen beeindruckenden Blick in das Enztal bietet, jedoch nicht besichtigt werden kann. Der gegen Ende des 13. Jahrhunderts/Anfang des 14. Jahrhunderts auf einfachem rechteckigen Grundriss entstandene, ursprünglich drei Stockwerke umfassende Bau wurde zugunsten des in Großsachsenheim errichteten Schlosses aufgegeben und verfiel zusehends; heute existieren nur noch Teile der Außenmauern.

Oberhalb der Krautgartensiedlung findet sich das in Sichtweite zur Burg gelegene zweistöckige Türmle, dessen Spitzname „Mäuseturm“ von „Maut“ (Zoll) herrührt. Der 1571 renovierte Steinbau[6] diente früher als Beobachtungs- und Sicherungsposten am Postweg von Großsachsenheim über die Remmigheimer Brücke und durch das Remminger Tal auf dem Taler Weg nach Markgröningen.

Weitere Sehenswürdigkeiten von lokalgeschichtlichem Interesse sind das 1846/47 von Carl Immanuel Bälz erbaute Rathaus, das Große Haus des Schultheißen Jacob Wennagel von 1565 sowie das auch als Arrest und Feuerwehrgerätemagazin genutzte Backhäusle von 1842.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Benning: Der "laydige Einfall". Ereignisse und Folgen des Franzosenkrieges 1693 in Bietigheim, Bissingen, Metterzimmern und Untermberg. In: Blätter zur Stadtgeschichte 11, 1994, S. 129–161
  • Willi Müller: Eine außergewöhnliche Markungsgeschichte : Untermberg alias "Sachsenheim vnderm Berg" alias "Remmickheim vnder dem Berg". In Hie gut Württemberg 34, 1983, S. 17–19

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Ludwig Friedrich Heyd, Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst, Stuttgart 1829, S. 31f.
  2. Geschichte der Ortschaft Untermberg. Sympathie für Untermberg e. V., abgerufen am 1. Februar 2014.
  3. Quelle: Ortsbeschreibung bei LEO BW
  4. Siehe Karte der „Greininger Beamptung“ von 1605 – Wikimedia
  5. Siehe Stefan Benning: Der "laydige Einfall", Ereignisse und Folgen des Franzosenkrieges 1693 in Bietigheim, Bissingen, Metternzimmern und Untermberg. Blätter zur Stadtgeschichte 11, 1994, S. 129–161.
  6. Quelle: Ortsbeschreibung bei LEO BW

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Untermberg (Bietigheim-Bissingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien