Untermberg (Bietigheim-Bissingen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

48.94539.0825200Koordinaten: 48° 56′ 43″ N, 9° 4′ 57″ O

Untermberg
Wappen von Untermberg
Höhe: 200 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Januar 1953
Postleitzahl: 74321
Vorwahl: 07147

Untermberg ist ein im Landkreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) gelegenes Dorf links der Enz, das im Spätmittelalter aus dem wüst gefallenen Remmigheim hervorgegangen war, 1953 von Großsachsenheim zu Bissingen umgemeindet wurde und seit 1975 Stadtteil von Bietigheim-Bissingen ist.

Untermberg mit „Eysenberg“ im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1684
Blick über die ehemals Remmigheimer Markung und die Krautgartensiedlung
Nach 1560 kam Untermberg mit der Herrschaft Sachsenheim vorerst zum württembergischen Amt Grüningen
Markung Untermbergs, vormals Remmingens, auf der Urflurkarte von 1832[1]

Ortsbild und Wappen[Bearbeiten]

Der Ort gliedert sich in das im Tal zwischen der Enz und steilen Weinberghängen eingeengte alte Dorf und die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene Krautgartensiedlung. Der oberhalb des alten Dorfes gelegene Bereich Egartenhof mit der als Wahrzeichen Untermbergs geltenden Burgruine Altsachsenheim gehört zur Nachbarstadt Sachsenheim. In Untermbergs Wappen steht die Ruine unter den Initialen U. B. und drei Württemberger Hirschstangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der kleine Ort entstand im 15. Jahrhundert, als Einwohner Remmigheims ihren Ort südlich des heutigen Untermbergs nach und nach verließen und sich unterhalb der Burg ihrer neuen Ortsherren von Sachsenheim ansiedelten. Das Landesdenkmalamt hält es aber auch für möglich, dass noch die letzten ortsansässigen „Herren von Remminchain“ die Burg erbauten und somit für den Standortwechsel verantwortlich waren.[2] So wurde der neue Standort anfangs als Remmigheim unterm Berg bezeichnet,[3] dann Sachsenheim unterm Berg oder Bissingen unterm Berg und letztlich nur noch Untermberg.[4]

Anfangs gingen die Untermberger in die 1533 noch besetzte Sankt-Jakobs-Kirche in Remmigheim. 1583 wird erstmals eine Johanniskapelle im Ort erwähnt, auf die vermutlich die heutzutage noch gefeierte „Kirbe“ (Kirchweihfest) ohne Kirche zurückgeht. Bis 1822 war Untermberg kirchliches Filial von Großsachsenheim, danach von Bissingen.[5]

Nachdem das Geschlecht der Herren von Sachsenheim 1561 erloschen und deren Lehen an das Herzogtum Württemberg zurückgefallen war, wurde Untermberg mit Metterzimmern, Groß- und Kleinsachsenheim vorerst dem württembergischen Amt Grüningen zugeteilt.[6]

Im Dreißigjährigen Krieg und durch die um 1690 folgenden „Franzoseneinfälle“ im Zuge des Pfälzischen und des Spanischen Erbfolgekrieges wurde auch Untermberg in Mitleidenschaft gezogen.[7]

Wirtschaftliche Grundlage des einst den Herren von Sachsenheim gehörenden Dorfes waren Acker- und Weinbau. Im 19. und 20. Jahrhundert stieg der Anteil der Arbeiter unter der Bevölkerung stark an; Untermberg erhielt daher den Spitznamen „Rotes Untermberg“. Da es durch diesen Wandel weit stärker mit dem am gegenüberliegenden Enzufer liegenden Bissingen als mit der Muttergemeinde verflochten war, wurde Untermberg 1953 von der Stadt Großsachsenheim in die Gemeinde Bissingen an der Enz umgemeindet und wurde mit dieser 1975 zu einem Stadtteil von Bietigheim-Bissingen.

Zur neueren Ortsgeschichte siehe auch: Bietigheim-Bissingen.

Burgruine Altsachsenheim über Untermberg
Türmle bei einer kleinen Wüstung neben der Krautgartensiedlung

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ruine Altsachsenheim[Bearbeiten]

Die markanteste Sehenswürdigkeit ist die hoch über dem Ort thronende, zum Sachsenheimer Stadtteil Egartenhof gehörende Burgruine Altsachsenheim, die von ihrem Hauptportal im Süden zwar einen beeindruckenden Blick in das Enztal bietet, deren Innenraum jedoch nicht zugänglich ist. Der gegen Ende des 13. Jahrhunderts auf nahezu quadratischem Grundriss entstandene Bau wurde in einer Fehde der Herren von Sachsenheim mit dem Haus Württemberg beschädigt und gelangte um 1400 vorübergehend an die Herren von Nippenburg. Unter württembergischer Regie wurde im 16. Jahrhundert ein Herrenhaus mit Gutshof im Vorfeld der Burg erbaut und die Burg offenbar dem Verfall preisgegeben. Heute existieren nur noch Teile der Mauern der Kernburg und Relikte des Halsgrabens an der Nord- und Ostflanke. Bis 2014 wurde der Bestand vom Landesdenkmalamt untersucht und gesichert.[8]

Türmle[Bearbeiten]

Bei der Krautgartensiedlung befindet sich das in Sichtweite zur Burg gelegene zweistöckige „Türmle“. Dessen Spitzname „Mäuseturm“ soll von „Maut“ (Geleitrecht) am nahen Postweg herrühren, der von Großsachsenheim über die Remmigheimer Brücke und durch das Remminger Tal nach Grüningen führte. Der 1574 erbaute oder vielmehr renovierte Steinbau[9] diente wohl eher im 15. Jahrhundert als Beobachtungs-, Sicherungs- und Signalposten der Württemberger Grafen gegen den feindlich gesinnten Pfalzgrafen und dem Geleitschutz für reisende Kaufleute.[10] Unklar ist der Zweck der rundum auf Höhe der Fenstersimse des Obergeschosses ausgesparten Löcher, in denen Balken gesteckt haben könnten. Ebenso ungeklärt ist die bis heute sichtbare Wüstung beim Turm, zu dem offenbar weitere Gebäude gehörten, die vermutlich der Unterkunft und Versorgung des hier stationierten Wachpersonals und nach Einführung der Post möglicherweise dem Pferdewechsel dienten.[11]

Burgstall des Remminger Schlössles an der südlichen Markungsgrenze im Rotenacker
Einlassbauwerk zum Flößerkanal

Remminger Schlössle und Flößerkanal[Bearbeiten]

An der Südostecke der Markung findet sich im Rotenacker der Burgstall des Remminger Schlössles, von dessen Mauerring und Graben noch Relikte zu sehen sind. Das Landesdenkmalamt hält es für wahrscheinlich, dass die Herren von Remmigheim diese Stammburg aufgegeben und stattdessen die Burg Altsachsenheim errichtet haben.[12] Somit hätten sie selbst und nicht die mit ihnen verwandten Herren von Sachsenheim die allmähliche Verlagerung von Remmigheim nach Untermberg initiiert.

Unterhalb des Burgstalls blieb der Flößerkanal, der am ehemaligen Remminger Wehr hinter dem Enzknie abzweigte, weitgehend erhalten. Der am Enzhang zwischen dem Burgstall und dem Ausflugslokal „Schellenhof“ liegende Hangwald steht als Bannwald unter Schutz und bleibt sich selbst überlassen.

Gebäude im Dorf[Bearbeiten]

Weitere Sehenswürdigkeiten von lokalgeschichtlichem Interesse sind das 1845 bis 1847 von Carl Immanuel Bälz erbaute Rathaus, das Große Haus des Schultheißen Jacob Wennagel von 1565 sowie das auch als Arrest und Feuerwehrgerätemagazin genutzte Backhäusle von 1842.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Benning: Der "laydige Einfall". Ereignisse und Folgen des Franzosenkrieges 1693 in Bietigheim, Bissingen, Metterzimmern und Untermberg. In: Blätter zur Stadtgeschichte 11, 1994, S. 129–161.
  • Willi Müller: Eine außergewöhnliche Markungsgeschichte: Untermberg alias "Sachsenheim vnderm Berg" alias "Remmickheim vnder dem Berg". In Hie gut Württemberg 34, 1983, S. 17–19.
  • Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Vaihingen. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Hallberger, Stuttgart 1856. S. 235ff. Wikisource.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Composit der Blätter NO XL/2+3, NO XLI/2+3 und NO XLII/2+3 der Urflurkarte von 1832. Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg (LABW).
  2. Dokumentation der Burg-Renovierung in der Datenbank des Landesdenkmalamts Baden Württemberg.
  3. Siehe Ludwig Friedrich Heyd, Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst, Stuttgart 1829, S. 31f.
  4. Willi Müller: Eine außergewöhnliche Markungsgeschichte: Untermberg alias "Sachsenheim vnderm Berg" alias "Remmickheim vnder dem Berg". In Hie gut Württemberg 34, 1983, S. 17–19, und Geschichte der Ortschaft Untermberg. Sympathie für Untermberg e. V., abgerufen am 1. Februar 2014.
  5. Quelle: Ortsbeschreibung bei LEO BW.
  6. Siehe Karte der „Greininger Beamptung“ von 1605 – Wikimedia.
  7. Siehe Stefan Benning: Der "laydige Einfall", Ereignisse und Folgen des Franzosenkrieges 1693 in Bietigheim, Bissingen, Metternzimmern und Untermberg. Blätter zur Stadtgeschichte 11, 1994, S. 129–161.
  8. Siehe Dokumentation der Burg-Renovierung in der Datenbank des Landesdenkmalamts Baden Württemberg.
  9. Siehe Jahreszahl am Türbogen und Ortsbeschreibung bei LEO BW
  10. Ähnliche Vermutungen stellte auch Orth an. Siehe Helmut Orth: Bissinger Steindenkmale, in: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Nr. 36, 1984, S. 85–113.
  11. Vgl. württ. Urflurkarte NO XLII, Blatt 2, von 1832, Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg (LABW).
  12. Datenbank des Landesdenkmalamts Baden Württemberg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Untermberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien