Ustaz Mohammed Yusuf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ustaz Mohammed Yusuf (* 1970 in Girgir, Jakusko Local Government Area, Yobe; † 30. Juli 2009 in Maiduguri, Borno) war ein nigerianischer Prediger und Sektenführer. Er war bis zu seinem gewaltsamen Tod Oberhaupt der islamistischen Gruppierung Boko Haram.

Leben[Bearbeiten]

Ustaz Mohammed Yusuf wurde 1970 in dem kleinen Dorf Girgir im Nordosten Nigerias geboren. Über seine frühen Jahre ist nahezu nichts bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass er eine umfassende Ausbildung genoss, da er später als hochgebildet beschrieben wurde. Mohammed Yusuf bestritt jedoch, jemals eine westliche Schule besucht zu haben.

2002, drei Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur, gründete der selbsternannte islamische „Gelehrte“ Mohammed Yusuf die islamistische Gruppe Boko Haram; als Vorbild dienten die afghanischen Taliban. Nach anderen Angaben existierte die Gruppierung unter verschiedenen Namen bereits seit 1995. Ziele der Boko Haram waren die Einführung der Scharia in ganz Nigeria (das heißt auch im christlichen Süden) sowie das Verbot westlicher Bildung und Kultur. Obwohl die große Mehrheit der nigerianischen Muslime seinen Ideen ablehnend gegenüberstand und ihm zum Teil auch den Zutritt zu den Moscheen verwehrte, sammelte Mohammed Yusuf besonders unter jungen Menschen, darunter auch vielen unzufriedenen Studenten, zahlreiche Anhänger. 2004 wurde Boko Haram in der westlichen Welt bekannt, als herauskam, dass die Gruppe an der Grenze zum Niger ein Trainingslager namens „Afghanistan“ errichtet hatte.

Am 13. November 2008 wurde Yusuf verhaftet, allerdings bereits am 20. Januar 2009 gegen Kaution wieder freigelassen. Der nigerianische Militärgeheimdienst DDI erstellte bis Mitte Juli 21 Berichte über Yusuf und die Boko Haram.

Am 11. Juni 2009 feuerten Polizisten auf eine Beerdigungsprozession der Boko Haram und töteten 17 Anhänger; Mohammed Yusuf kündigte daraufhin Rache an. Ende Juli 2009 brachen in Bauchi Unruhen aus, die sich schnell auf die Nachbarprovinzen ausweiteten. Bei Gefechten zwischen Sicherheitskräften und Mohammed Yusufs Anhängern starben hunderte Menschen. Die nigerianische Regierung begann daraufhin eine Militäroffensive gegen die Boko Haram. Nach einer Woche andauernder Kämpfe wurde das Hauptquartier der Gruppe in Maiduguri gestürmt und Yusuf, der sich im Ziegenstall seines Schwiegervaters versteckt hielt, festgenommen. In Polizeigewahrsam wurde ein Geständnis auf Video aufgenommen. Kurze Zeit später verkündete die Polizei seinen Tod; seine Leiche wurde öffentlich zur Schau gestellt. Nach Polizeiangaben wurde Ustaz Mohammed Yusuf bei einem Fluchtversuch erschossen, Menschenrechtsorganisationen sprechen von einer außergerichtlichen Hinrichtung.

Persönliches[Bearbeiten]

Mohammed Yusuf, der als motivierender Redner galt, wurde 39 Jahre alt; er hatte vier Ehefrauen und zwölf Kinder.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nigeria sect head dies in custody (englisch). In: BBC News, 31. Juli 2009. Abgerufen am 30. September 2013.