Vaginismus

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Klassifikation nach ICD-10
N94.2 Vaginismus
F52.5 Nichtorganischer Vaginismus
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Vaginismus (oder auch Scheidenkrampf) versteht man eine unwillkürliche Verkrampfung oder Verspannung des Beckenbodens und des äußeren Drittels der Vaginalmuskulatur der Frau, wodurch der Scheideneingang eng oder wie verschlossen erscheint. Vaginalverkehr, eine gynäkologische Untersuchung und das Einführen von Tampons oder anderen Objekten können dadurch sehr schmerzhaft oder – bei Vaginismus in seiner schwersten Ausprägung – unmöglich sein.[1][2]

Eine neuere Definition von Basson et al. lässt den Aspekt der Verkrampfung beiseite, weil er niemals nachgewiesen wurde, und bezeichnet Vaginismus als „andauernde oder wiederkehrende Schwierigkeiten einer Frau, das Einführen eines Penis, Fingers oder eines anderen Objektes in ihre Vagina zuzulassen, trotz ihres eigenen, ausdrücklich geäußerten Wunsches, etwas einzuführen.“[3]

Vaginismus gehört zu den sexuellen Funktionsstörungen, genauer zu Schmerzstörungen, und ist häufig zumindest organisch mitbedingt, kann aber auch rein psychisch bedingt sein.

Formen[Bearbeiten]

Es werden üblicherweise zwei Arten von Vaginismus unterschieden:

Primärer Vaginismus besteht, wenn es bei einer Frau niemals möglich war, etwas schmerzfrei in die Vagina einzuführen. Er wird meistens erst in der Pubertät oder bei adoleszenten Frauen entdeckt, weil vorher üblicherweise kein diesbezüglicher Versuch unternommen wird.

Unter sekundärem Vaginismus leiden Frauen, deren Vaginismus durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst wurde. Auslöser können schwere traumatische Erlebnisse wie eine Vergewaltigung oder ein Geburtstrauma sein, aber auch vergleichsweise harmlose Erlebnisse wie eine unsanfte gynäkologische Untersuchung oder wiederholte Schmerzerlebnisse beim Geschlechtsverkehr.

Crowley et al. unterscheiden neben primärem und sekundärem Vaginismus noch weitere Formen:[4]

  • „Konsistenter Vaginismus“ tritt jedes Mal auf, wenn versucht wird, etwas in die Vagina einzuführen.
  • „Globaler Vaginismus“ ist unabhängig von Umständen oder Partnern.
  • „Situationsbedingter Vaginismus“ tritt nur unter bestimmten Umständen auf oder mit bestimmten Partnern, beispielsweise nur bei gynäkologischen Untersuchungen, während vaginaler Geschlechtsverkehr ohne Probleme möglich ist, oder andersherum.

Behandlung[Bearbeiten]

Mögliche Therapien sind das Training mit Vaginaldilatoren, Biofeedback und Beckenbodentraining.

Vaginaldilatoren sind glatte, konisch geformte Stäbe (meistens in Sets mit mehreren Stäben unterschiedlichen Durchmessers erhältlich). Mit diesen wird die Vagina an das Einführen gewöhnt und desensibilisiert sowie das verspannte Gewebe gelockert.[5]

Auch Beckenbodentraining, bisweilen gemeinsam mit vaginaler Selbstuntersuchung eingesetzt, kann einen wesentlichen Beitrag zur Heilung von Vaginismus leisten.[6] Durch das Training der quergestreiften Beckenbodenmuskulatur kann die Kontrolle über die Muskulatur (zurück)gewonnen werden, da die betroffene Frau lernt, sie bewusst anzuspannen oder zu entspannen.

Psychotherapien können unterstützend sinnvoll sein, aber der hauptsächliche Behandlungserfolg wird in den meisten Fällen durch die körperliche Therapie erreicht.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. W. Dudenhausen, H. P. G. Schneider, G. Bastert: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. 2. Auflage, Walter de Gruyter Verlag, 2003
  • Stephan Dressler, Christoph Zink: Pschyrembel, Wörterbuch Sexualität. Walter de Gruyter Verlag, 2003
  • Claudia Amherd: Wenn die Liebe schmerzt: Ein Selbsthilfebuch für Frauen, die unter Schmerzen beim Sex leiden. 2. Auflage, Books on Demand Verlag, 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WHO: Manual of The International Statistical Classification of Diseases, Injuries, and Causes of DEATH (10th Edition). Geneva, Switzerland (1992).
  2. W. Weijmar Schultz, R. Basson, Y. Binik, D. Eschenbach, U. Wesselmann, J. van Lankveld: Women’s sexual pain and its management. In: J Sex Med. 2, S. 301–316 (2005).
  3. R. Basson, S. Althof, S. Davis et al.: Summary of the Recommendations on Sexual Dysfunctions in Women. J Sex Med 2004.
  4. Tessa Crowley, Daniel Richardson and David Goldmeier on behalf of the BASHH Special Interest Group for Sexual Dysfunction: Recommendations for the management of vaginismus. In: International Journal of STD & AIDS 2006.
  5. Ulrich Schnyder, Christine Schnyder-Lüthi, Pietro Ballinari, Andreas Blaser: Therapy for Vaginismus.“ In: Can J Psychiatry 1998.
  6. Uni Düsseldorf: Vaginale Selbstuntersuchung als therapeutische Methode
  7. T. Rosenbaum: Physiotherapy treatment of sexual pain disorders. J. Sex Marital Ther. 31, 329–340 (2005).
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