Veleda

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Veleda war eine germanische Seherin vom Stamm der Brukterer, die um 70 n. Chr. zur Zeit Vespasians wirkte und später als Gefangene nach Ardea in Italien verbracht wurde. Historische Bedeutung kommt ihr bei durch ihre Beteiligung am Bataveraufstand des Iulius Civilis, in dem sie den Sieg für die aufständischen Germanen weissagte. Veleda ist die bestbelegte germanische Seherin mit ihrem zeitweiligen Einfluss auf die innergermanischen sozialen und religiösen gesellschaftlichen Verhältnisse der römischen Kaiserzeit.

Historische Ereignisse[Bearbeiten]

Veleda war nach Tacitus (Hist., IV, 61, 65) eine germanische Seherin vom Stamm der Brukterer. Sie wohnte getrennt von der profanen Umwelt zurückgezogen in einem Turm unweit der Lippe im heutigen Westfalen. Die Seherin kommunizierte für ihre Weissagedienste und generell nur über Verwandte, die die Anfragen und Antworten übermittelten. Tacitus beschreibt sie als eine hochgewachsene Jungfrau.

Sie förderte 69 n. Chr. durch ihre Voraussagen den Aufstand der Bataver unter Civilis und sagte richtig den Sieg der Bataver voraus. 70 n. Chr. wurde sie von dem römischen Feldherrn Quintus Petilius Cerialis um Unterstützung eines mit Civilis abzuschließenden Vergleichs angegangen. Nach der Unterdrückung der batavischen Revolte wurde Veleda 77 n. Chr. von den Römern gefangengenommen; sie starb wahrscheinlich in römischer Gefangenschaft bei Rom.

Überlieferung und Namensetymologie[Bearbeiten]

Der Name ist sowohl bei den lateinischen und griechischen Schriftstellern Tacitus (hist. 4,61,2; hist. 4,65,3.4; hist. 5,22,3; hist. 5,24,1; germ. 8,2) in den Schreibungen veleda, velaeda, Statius (silv. 1,4,90) als veleda und Cassius Dio (67,5,3) als οὐλήδαν (hss. auch βελήδαν), als auch inschriftlich (ardeatinische Inschrift, 2. Jh. n. Chr.: Βεληδαν … μακρῆς περὶ παρθέν […] ἣν οἳ Ῥηνοπόται σέβουσιν ‚Veleda … über die lange Jungfrau (…), die die Rheinwassertrinker verehren’) als Βεληδαν bezeugt. Unsicher ist die Quantität des Mittelvokals -e-. Während dieser bei Statius metrisch kurz erscheint, scheinen die Schreibung -ae- bei Tacitus und -η- bei Cassius Dio und inschriftlich auf ein langes -e- zu weisen. Da bei Fremdnamen die Anpassung von Vokalquantitäten in das römische metrische Schema geläufig, die Vokallänge dagegen in drei unterschiedlichen Quellen belegt ist, wird der Name als Velēda anzusetzen sein. Der Name wird zu gallisch *veled-, irisch filid gestellt (siehe auch Druidin). [1].

Rezeption[Bearbeiten]

In dem von August von Kotzebue verfassten romantischen Zauberspiel in fünf Akten "Die kluge Frau im Walde, oder Der stumme Ritter" (1801) kommt "Welleda" die Titelrolle zu.

1818 wurde sie zur Titelheldin des heute wohl dem Fantasy-Genre zuzurechnenden Romans Welleda und Ganna von Friedrich de la Motte Fouqué.

In der DDR erschien in den 1960er Jahren das bekannte Kinderbuch Die Wächter der Veleda von Rolf Kahl.

Nach der germanischen Seherin Veleda ist das anthroposophische Pharmaunternehmen Weleda benannt.

In der Walhalla bei Regensburg erinnert eine Gedenktafel an sie.

Der Asteroid (126) Velleda wurde nach ihr benannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Kehne, Piergiusepe Scardigli: Veleda. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 32. De Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 978-3-11-018387-0 , S. 109–112.
  • Hans Krahe: Altgermanische Kleinigkeiten. In: Indogermanische Forschungen. 61, 1961, S. 35–43.
  • Wolfgang Meid: Der germanische Personenname der Veleda. In: Indogermanische Forschungen. 69, 1962, S. 256–258.
  • Roland Schuhmann: Aurinia und Veleda: zwei germanische Seherinnen? Personennamen im Sprachkontakt. In: Beiträge zur Namenforschung. NF 34 (1999), S. 136–142.
  • Stefan Schaffner: Zu Wortbildung und Etymologie von altisländisch Vǫlva‚ Seherin, Prophetin. In: M. Kozianka, R. Lühr, S. Zeilfelder: Indogermanistik – Germanistik – Linguistik. Akten der Arbeitstagung der Idg. Gesellschaft, Jena 18.-20-09.2002. Hamburg 2004, ISBN 3-8300-1464-3, S. 512–513.
  • Rudolf Simek: Lexikon der Germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.
  • J. A.: Velaeda. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 556 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Veleda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien