Weleda (Unternehmen)

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Weleda AG
Logo der Weleda AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1922
Sitz Arlesheim, Schweiz
Leitung Ralph Heinisch
(CEO)
Paul Mackay
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 2 236 (2012)
Umsatz 322,5 Mio. EUR (2012)[1]
Branche Pharma, Kosmetik
Website www.weleda.com

Die Weleda AG mit Hauptsitz in Arlesheim, Schweiz, ist eine in über 50 Ländern tätige Unternehmensgruppe, die anthroposophische Medizin, Diätetika und Naturkosmetik entwickelt, produziert und vertreibt. Weleda hat eine anthroposophische Unternehmensphilosophie. Weleda ist ein Hersteller von Arzneimitteln der Komplementärmedizin und Körperpflege.

Produkte[Bearbeiten]

Die Weleda AG stellt rund 1400 Arzneimittel nach eigenem Bekunden auf anthroposophischer Grundlage her. Darunter befinden sich viele homöopathische Präparate, aber auch sogenannte Kompositionen, die aus tierischen, pflanzlichen und mineralischen Substanzen hergestellt werden. Einige der Herstellverfahren, etwa das Rh-Verfahren, bei dem angeblich Haltbarkeit durch rhythmische Bewegungen erzielt wird, aber auch die sogenannten vegetabilisierten Metalle, die mithilfe von Pflanzen angeblich potenziert und belebt werden, wurden von Weleda entwickelt.

Als zweites Geschäftsfeld produziert und vertreibt das Unternehmen etwa 100 sogenannte naturkosmetische Produkte für die Körperpflege. Weleda ist bekannt für ihre Körperöle, die Gesichtspflege für Männer und Frauen und Duschlotionen.

Der Umsatz der Naturkosmetik beträgt ca. 70 % und der der Arzneimittel 30 % am Gesamtumsatz der Weleda AG.[1]

Organisation der Weleda Gruppe[Bearbeiten]

Die Weleda AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel. Eigentümer der Weleda AG ist zu ca. ein Drittel die Anthroposophische Gesellschaft, zu einem weiteren Drittel der gemeinnützige Verein Klinisch-Therapeutisches Institut und zu einem Drittel ca. 500 Aktionäre und Partizipanten.[2] Die Anthroposophische Gesellschaft und die Ita-Wegman-Klinik halten zusammen 80 % der Stimmrechte und 40 % des Kapitals der Weleda AG.[3]

Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Vertretern der wichtigsten Anteilseigner und Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Er wurde zuletzt am 23. März 2012 neu gewählt [4]. Unternehmerisch geführt wird die Weleda Gruppe von der Weleda Gruppenleitung (WGL). Sie ist verantwortlich für die Umsetzung der Unternehmensstrategie auf internationaler Ebene.

Der größte Teil des Arzneimittel- und Naturkosmetiksortiments wird in den Betrieben der drei Länder Schweiz, Deutschland und Frankreich produziert. Die deutsche Niederlassung in Schwäbisch Gmünd mit 800 Mitarbeitern ist die größte Tochterfirma und dort werden 80 % der Naturkosmetikprodukte für Deutschland und den Export produziert.

Insgesamt umfasst die internationale Weleda Gruppe 16 Mehrheitsbeteiligungen und insgesamt weitere 37 Minderheitsbeteiligungen, Vertretungen und Lizenznehmer weltweit. Insgesamt beschäftigt die Weleda AG über 1.900 Menschen.

Geschichte[Bearbeiten]

1920–1933[Bearbeiten]

Rudolf Steiner um 1905

Die heutige Weleda AG geht auf zwei Gründungen in Deutschland und der Schweiz zurück. Die schweizerische Futurum AG wurde 1920 in Dornach von Ita Wegman und Rudolf Steiner gegründet und verfügte ab dem 1. Februar 1921, nachdem das „Laboratorium am Goetheanum“ gekauft wurde, über eine pharmazeutische Herstellung. In Stuttgart in Deutschland wiederum wurde unabhängig davon die Firma Der kommende Tag AG – Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte am 13. März 1920 von Rudolf Steiner mitgegründet. Die Zentrale des kommendes Tages war in Stuttgart, und in Schwäbisch Gmünd wurde ein Mühlenbetrieb gekauft, um Nahrungsmittel und Arzneimittel herzustellen.

Die Futurum AG und die Der kommende Tag AG waren als sogenannte „Assoziationen“ gegründet worden, um der Verbreitung der Dreigliederungs-Idee durch eine allmähliche Wirtschaftsreform einen neuen Auftrieb zu geben. Weiterhin sollten diese beiden Betriebe die finanziellen Mittel für das Fortführen der verschiedenen Initiativen innerhalb der anthroposophischen Bewegung – zum Beispiel der Aufbau des Goetheanum oder der „Freien Waldorfschule Stuttgart“, sichern. Daher betonte Rudolf Steiner, dass sowohl die Arzneimittel wie auch die Naturkosmetik Gewinn bringen müssten und sich nicht gegenseitig finanzieren dürften, da ansonsten das große Ziel gefährdet sei.[5]

Infolge einer Liquiditätskrise bei der Futurum AG im Jahr 1922 wurden die Firma in Internationale Laboratorien AG (ILAG) umbenannt und neue Aktien ausgegeben. Da auch die deutsche Vorläuferfirma der Weleda Der kommende Tag AG im Jahr 1922 kurz vor dem Konkurs stand, bat Rudolf Steiner auf der Hauptversammlung die Aktionäre des „kommenden Tages“ ihre Anteile an die ILAG zu verschenken, da er hoffte, dass durch diesen Schritt das Überleben beider Firmen gewährleistet sein würde.

Nachdem die Mitglieder dem zugestimmt hatten, firmierte die neu fusionierte Firma am 21. November 1922 unter den Namen Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G.. Dieses Datum ist das offizielle Gründungsdatum der Weleda AG. Wegen Namensstreitigkeiten wurden ab 1924 die Heilmittel unter den Namen Weleda vertrieben und am 25. September 1924 auch markenrechtlich geschützt. Am 10. Dezember 1928 wurde vom Verwaltungsrat beschlossen, dass auch die ILAG den Namen Weleda AG bekommt und dementsprechend wurde dies dann in den Handelsregistern eingetragen.[6]

Der Name Weleda geht auf die germanische Heilerin und Seherin Veleda zurück, wird aber mit W statt mit V geschrieben, da befürchtet wurde, dass in manchen Sprachen das V wie ein F ausgesprochen werden könnte.

1933–1945[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren geriet das Unternehmen in die Kritik, weil es dem KZ-Arzt und Himmler-Protegé Sigmund Rascher eine „naturheilkundliche Frostschutzcreme“ geliefert hatte. Rascher, der Lösungen für die Probleme von ins Meer abgestürzten Wehrmachtspiloten suchte, setzte die Weleda-Creme im Rahmen von Unterkühlungsversuchen an Häftlingen im Konzentrationslager Dachau ein. Obwohl die Firma Weleda Sigmund Rascher unter seiner Münchner Privatadresse belieferte und von der Verwendung der Creme aufgrund der Geheimhaltungsstufe der Versuche Raschers keine Kenntnis hatte,[7] entschuldigte sich das Unternehmen Ende der 1990er Jahre schriftlich bei der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH) und sicherte dem Historischen Seminar der Universität Basel die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung durch eine Öffnung seiner Firmenarchive zu. Davon ungeachtet, überstand die Weleda AG in Schwäbisch Gmünd als Niederlassung einer Schweizer AG das NS-Regime und die Kriegsjahre relativ unbeschadet – wenn auch nicht ohne zeitweise schwere Bedrohung durch behördliche Maßnahmen, da die Anthroposophie während der NS-Zeit in Deutschland verboten war.

ab 1945[Bearbeiten]

Hauptverwaltung der Weleda in Schwäbisch Gmünd

Im Jahre 1964 wurde das Krebs-Arzneimittel „Iscador“ bei den Krankenkassen zugelassen und seit 1976 wirken Weleda-Mitarbeiter in der Deutschen Homöopathischen Arzneimittel-Kommission an den Arzneibuch-Monografien des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) mit. Fast alle aufgeführten mineralischen, wärmebehandelt und rhythmisch behandelt bezeichneten Arzneimittel gehen auf Weleda zurück. Das Sortiment umfasst über 100 Körperpflegeprodukte und 1.400 Fertig-Arzneimittel. Das Unternehmen beschäftigt zur Zeit 1.808 Mitarbeiter weltweit (800 davon in Schwäbisch Gmünd). Weleda ist nach den Regelwerken EU-Ökoaudit-Verordnung und nach der Norm ISO 14001 zertifiziert.

Calendula-Feld im Weleda-Heilpflanzengarten

Im Juli 2006 wurden der Heilpflanzenanbau und die Pflanzenverarbeitung in die hundertprozentige Tochterfirma Weleda Naturals ausgegliedert. Die Weleda Naturals stellt jährlich rund 450 verschiedene Tinkturen und Ölauszüge aus Frischpflanzen und getrockneten Kräutern her, die in den drei Weleda Herstellstandorten als Ausgangsstoffe für die Arzneimittel und Körperpflegeprodukte Verwendung finden. Insgesamt beschäftigt die Weleda Naturals über 50 Mitarbeiter. Im firmeneigenen Heilpflanzengarten werden rund 260 verschiedene Heilpflanzen angebaut, die zum großen Teil nach der Ernte sofort als Frischpflanze verarbeitet werden. Mit 20 Hektar in biologisch-dynamischer Anbauweise ist dieser der größte Heilpflanzengarten Europas mit Freilandanbau für einheimische Arten und Gehölze sowie Gewächshäusern für die Jungpflanzenzucht und tropische Pflanzen. Um der großen Anzahl an Besuchern gerecht zu werden, hat die Weleda Naturals in Schwäbisch Gmünd ein Besucher- und Erlebniszentrum gebaut, in dem Führungen, Kurse und Massagen angeboten werden.

2008 kam es zu Problemen in der Lieferkette infolge einer IT-Umstellung. So mussten Waren wegen Ablauf des Verfalldatums teilweise vernichtet werden und einige Kunden erhielten Waren, aber keine Rechnungen.[8]

2009 zertifizierte Weleda seine sogenannten Naturkosmetikprodukte nach den Richtlinien des Ende 2008 von Naturkosmetikherstellern gegründeten NaTrue-Label[9] und erzielte 2009 einen Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 399,4 Millionen Franken.[10] Utopia, Deutschlands größte Gemeinschaft für nachhaltigen Konsum verlieh Weleda 2009 den Utopia-Award gleich zweifach: Neben dem Jury-Preis wählte auch das Publikum Weleda zum vorbildhaftesten Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit.[11] Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfamilienministerin Renate Schmidt ehrten Weleda mit dem Innovativpreis für zukunftsweisende familienorientierte Maßnahmen.

Heute ist Weleda der drittgrößte Hersteller von Babypflege-Produkten in Deutschland und Marktführer bei sogenannter Naturkosmetik in Europa.[12] 2012 beträgt der Marktanteil in Deutschland 28 %.[13]

Kritik[Bearbeiten]

Weleda finanzierte mit Claus Fritzsche einen Betreiber mehrerer Websites, der sich selbst als Journalist bezeichnete und sich auf diesen der Diffamierung von Kritikern komplementärmedizinischer Praktiken widmete. Dabei verwendete Fritzsche verschiedene Server, die sich gegenseitig verlinken, um so die Suchergebnisse u.a. von Google zu manipulieren und so die Kritik in den Vordergrund zu rücken. Ein Opfer dieser Praxis war z.B. der britische Forscher Edzard Ernst.[14] Weleda stellte im Juli 2012 die Finanzierung ein, nachdem die Süddeutsche Zeitung diese Vorgehensweise kritisiert hatte.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. Geschäftsbericht 2012 (PDF; 3,2 MB)
  2. Vgl. Geschäftsbericht 2004 (PDF; 1,6 MB) Seite 11
  3. Vgl. Geschäftsbericht 2010 (PDF; 4,4 MB); Seite 6
  4. Pressemitteilung Weleda AG vom 26. März 2012
  5. Vgl. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda. 1997, Seite 181 ff.
  6. Vgl. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda. 1997, Seiten 35, 44, 47, 89.
  7. Vgl. Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus. (1933–1945). Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56362-9, S. 361.
  8. Gmünder Tagespost: Weleda musste eigene Ware vernichten 2. Februar 2008
  9. Natrue: Weleda Natrue Mitgliedschaft
  10. Weleda AG: Geschäftsbericht 2009 (PDF; 2,2 MB)
  11. Utopia: Award Gewinner 2009
  12. Vgl. Christiane Jaud: Corporate Social Responsibility als Erfolgsfaktor für das Marketing von Unternehmen. GRIN Verlag, München 2009, ISBN 978-3-640-48987-9, Seite 71ff.
  13. Lebensmittelzeitung. Nr. 27, 6. Juli 2012, S. 98.
  14. Homöopathie-Lobby im Netz – Schmutzige Methoden der sanften Medizin, Artikel in der Süddeutschen vom 30. Juni 2012, abgerufen am 8. August 2012
  15. Weleda und die Weisheit der Menschen, Artikel in der Freitag vom 9. Juli 2012, abgerufen am 4. März 2014