Vertical Launching System

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
VLS-Zellen an Bord der USS San Jacinto (CG-56)

Ein Vertical Launching System (kurz VLS) ist ein System, mit dem Raketen sowohl von U-Booten als auch von Überwasser-Kriegsschiffen gestartet werden können. Die Raketen stehen dabei aufrecht in Startrohren.

Entwicklung und Verwendung[Bearbeiten]

Laden eines Kanisters für vier RIM-162 ESSM in einen VLS-Schacht der USS McCampbell

Ursprünglich entwickelt, um die riesigen Interkontinentalraketen von SSBNs starten zu können, ist auf vielen Schiffen heute ein verkleinertes VLS vorhanden, mit dem beispielsweise Marschflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk oder Flugabwehrraketen gestartet werden können. Der große Vorteil gegenüber anderen Systemen ist hierbei die höhere Feuerrate (alle Raketen können sehr schnell hintereinander gefeuert werden). Dies bedeutet jedoch auch, dass ein Nachladen auf hoher See (im Gegensatz etwa zu Torpedorohren) nur mit Hilfe eines Tenders möglich ist. Weitere Vorteile liegen in der erhöhten Damage-Tolerance sowie der Verringerung des Radarquerschnitts im Vergleich zu Aufdeck-Startersystemen.

Die United States Navy bevorzugt hot launch, wobei die Raketen bereits im Schacht gezündet werden. Hierbei wird ein komplexes Absaugsystem für Abgase und Flammen nötig. Das Gegenstück hierzu nennt sich cold launch und wird von China eingesetzt. Hierbei werden die Raketen aus dem Rohr „geschleudert“ und zünden erst in der Luft ihre Triebwerke.

Technik[Bearbeiten]

Start einer SM-3 von Bord der USS Lake Erie (CG-70). Deutlich sichtbar ist das Prinzip des hot launch, bei dem die Flammen durch Luken abgeleitet werden.

Das System der United States Navy, bekannt als MK 41 VLS, kann Raketen vom Typ RIM-7 Sea Sparrow, RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile (Quadpack, s. u.) und Standard Missile (Kurz- bzw. Mittel- bis Langstrecken-FlaRak), VLASROC (Anti-U-Boot-Waffe, die einen Torpedo Mk 46 über Wasser ins Zielgebiet befördert) und Tomahawk laden und feuern, über eine Erweiterung dieser Palette wird nachgedacht.

Besonders auf Schiffen mit Aegis-Kampfsystem (z. B. Ticonderoga-Klasse) ist ein VLS sehr verbreitet; es wird jedoch auch auf Nicht-Aegis-Schiffen eingesetzt. Ausgehend von den britischen Fregatten der Duke-Klasse, hat sich das VLS inzwischen auch auf europäischen Kriegsschiffen verbreitet. Moderne Lenkwaffenzerstörer wie die Daring-Klasse oder Lenkwaffenfregatten wie die deutsche Brandenburg- oder Sachsen-Klasse sowie die italienisch-französische Horizon-Klasse verfügen über VLS für Luftabwehrraketen sowie Marschflugkörper.

Westliche Marinen benutzen ein System, das pro Zelle eine Rakete enthält, während Russland und die Volksrepublik China ein Revolvermagazin bevorzugen, das mehrere Raketen pro Schacht enthält. Einzige Ausnahme bilden die neuen ESSM-Raketen der westlichen Marinen, sie werden in sogenannten Quad-Packs gelagert, wodurch vier Raketen in einer Zelle gelagert werden können.

Systeme und Verwender[Bearbeiten]

Sylver VLS-Zellen an Bord des italienischen Zerstörers Caio Duilio (D 554)
  • MK 41 Vertical Launching System: USA, Kanada, Deutschland, Spanien, Niederlande, Norwegen, Türkei, Südkorea, Japan, Australien
  • MK 48 VLS: Kanada, Belgien, Japan, Portugal
  • MK 56 VLS: Dänemark
  • Sylver VLS: Frankreich, Italien, Großbritannien, Saudi-Arabien, Singapur
  • GWS 26 VL Sea Wolf: Großbritannien, Brasilien, Chile, Malaysia